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Ratingen
BU: Felderhof II wird zum Wohnghetto

Ratingen: BU: Felderhof II wird zum Wohnghetto
Ein- und Mehrfamilienhäuser auf dem Felderhof II-Areal: Jan Roth (rechts) vom Planungsbüro ISR Stadt und Raum sowie Jochen Kral, der Technische Beigeordnete, hatten die Pläne bereits vorgestellt. FOTO: Blazy, Achim (abz)
Ratingen. Die Wählergemeinschaft lehnt die umstrittene Umgestaltung des Areals mit 268 Wohneinheiten entschieden ab. Von Norbert Kleeberg

WEST Die Fraktion der Bürger Union (BU) hat die weiteren Planungen zur Umgestaltung des Felderhof II-Areals in Ratingen West massiv kritisiert und lehnt das Projekt in dieser Dimension ab. Man sei nicht gegen eine neue Bebauung, dies "jedoch nicht um jeden Preis und insbesondere nicht zu Lasten ungesunder Wohnverhältnisse für die zukünftigen Ratinger", heißt es in einem aktuellen Schreiben.

Auf diesem 12 Hektar großen Areal sollen Häuser entstehen, es handelt sich um das sogenannte Felderhof II-Projekt. FOTO: Blazy, Achim (abz)

Angela Diehl, die erste stellvertretende Fraktionsvorsitzende der BU, und weitere Kollegen nannten zahlreiche Gründe: So sei die geplante Bebauungsdichte mit 268 Wohneinheiten viel zu hoch. Die Gesamtzahl der geplanten Wohneinheiten werde als städtebaulich und verkehrstechnisch unverträglich eingeschätzt und müsse deutlich verringert werden. Die Gebäudehöhen (18 Meter) und Geschosszahlen würden zumutbare Höhen überschreiten. Es gebe zu wenig Stell- und öffentliche Parkplätze.

Der Schallschutz sei zu gering - dies auch unter Berücksichtigung der neuen Planungen. Sämtliche Gutachter, so die BU, "sehen das Projekt mehr als kritisch an und äußern erhebliche Bedenken gegen die Realisierung".

Man spreche sich dagegen aus, dass "der Bebauungsplan trotz aller Bedenken in dieser Form offengelegt wird, dies zu Lasten der Wohnqualität der zukünftigen Bewohner". In dem Schreiben der BU heißt es weiter: "Ein Wohnghetto ohne Grün darf es in Ratingen West nicht geben. Wenn wir unsere Verantwortung für die städtebauliche Qualität einer Bebauung ernst nehmen, kann eine Zustimmung nicht erteilt werden. Ein Durchwinken wird es mit uns nicht geben." Dieses Felderhof II-Projekt ist seit Jahren umstritten: Während sich Planungen und Diskussionen hinzogen, kamen neue Lärmschutzgesetze hinzu. Die neue Planung, die nun für einen Monat öffentlich ausgelegt werden soll, sieht eine Erhöhung der Lärmschutzwände vor.

Jetzt sind neue Vorgaben da: Die Grundlagendaten zu den Lärmimmissionen im Jahr 2015 wurden aktualisiert, auch die vom Eisenbahnbundesamt gestellten neuen Prognosen fanden nun Berücksichtigung.

Und bei der schalltechnischen Untersuchung wurde die neue Richtlinie "Schall 03" von Dezember 2014 angelegt, der Schienenverkehrslärm wurde neu berechnet, heißt es in der Vorlage.

Die Deutsche Bahn verliert aufgrund aktueller Gesetzgebung eine Art Bonus bei der Lärmbelastung durch den Schienenverkehr - und zwar um fünf Dezibel. Ergebnis: Die Schallschutzwände werden zwischen 0,6 und 0,8 Meter höher gebaut als ursprünglich geplant. Die aktuelle Vorlage hat nicht weniger als 20 Anlagen: Die reichen von einer Übersichtskarte über mehrere Verkehrsuntersuchungen, Altlasten- und Lärmgutachten bis hin zur artenschutzrechtlichen Potenzialanalyse. Auch der Kreuzkröte und der Zauneidechse war man auf der Spur. Immerhin: Einen Kammmolch haben die Experten nicht entdeckt: Der hatte den Bau der Bezirkssportanlage verzögert.

Ins Sachen Lärmschutz hatte sich der Verkehrsclub Deutschland kundig gemacht. Sprecher Hans Jörgens brachte einen neuen Aspekt des Schallschutzes ein: Völlig unbeachtet bleibe das Gefahrenpotenzial, das vom Ladegut der Züge ausgehe. Hohe Schallschutzwände erschwerten den Zugang zur Strecke im Fall einer Havarie, unterstrich Jörgens und verwies dabei auf jüngste Unfälle.

Quelle: RP
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