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Heiligenhaus
Bürgervereine ziehen Erfolgsbilanz

Heiligenhaus: Bürgervereine ziehen Erfolgsbilanz
Sie stoßen Themen an - und bleiben am Ball: Angelika Binkowski (3. v. r.) und ihre Mitstreiter pflegen eine besondere Art von Bürgersinn. Ihr regelmäßiger Treffpunkt ist - praktisch, nicht symbolisch - die Feuerwache. FOTO: Achim Blazy
Heiligenhaus. Neue Arztpraxen, Fracking, Polizeipräsenz - Sie haben keine Angst vor schweren Themen und fragen hartnäckig nach. Von Valeska von Dolega

"Brennt euch noch etwas unter den Nägeln?", fragte Angelika Binkowski zum Abschluss der Sitzung. "Wir haben ja jetzt gerade alles abgearbeitet, da ist wieder Platz für Neues", fügte die 1. Vorsitzende ironisch mit Blick auf die Themenliste hinzu.

Bekanntermaßen ist die 64-Jährige ein Dreh- und Angelpunkt der Arbeitsgemeinschaft der Heiligenhauser Bürgervereine (AHBS) und kümmert sich um Dinge, die anderswo von Politik oder Verwaltung geregelt werden. "Man lernt auch immer wieder dazu", sagte sie mit Blick auf einen neuralgischen Punkt, der die Heiligenhauser in den vergangenen Monaten massiv beschäftigt hatte. Gemeint ist die kinderärztliche Versorgung. "Ein Kinderarzt alleine ist zu wenig", bilanziert Angelika Binkowski die notwendige verantwortungsvolle Betreuung durch mindestens zwei Ärzte. Die gab es auch im Ort - bis quasi über Nacht die Kinderärztin im nirgendwo verschwand. Deren Helferinnen saßen tagtäglich in der verwaisten Praxis, wo die Chefin war, wusste niemand. "Eltern mussten mit ihren Kindern nach Ratingen oder Velbert fahren", "eine Zumutung für die, die kein eigenes Auto haben", wie andere AHBSler bestätigten. Jetzt aber lichtet sich das vormalige Chaos: Ab 1. Oktober wird eine neue Kinderärztin bis Jahresende vertretungsweise in den Räumen arbeiten und zum 1. Januar 2017 die Praxis übernehmen. Wer die Neue ist und woher sie kommt, konnte die umtriebige 1. Vorsitzende trotz ihrer Vorstöße bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) nicht herausfinden. "Das ist gleichgültig, Hauptsache, wir haben eine weitere Kinderärztin", sprach AHBSler Rainer Nimmert stellvertretend für alle. Die auch über die allgemeinmedizinische Situation für Erwachsene seit dem Eigentümerwechsel des Klinikums nicht nur glücklich sind. Den bislang ans Haus assoziierten Selbsthilfegruppen wurde gekündigt, die Bäderkuren eingestellt und hinter vorgehaltener Hand wird über weitere Änderungen gemunkelt. "Was wird aus dem Dialysezentrum, wenn die sich wirklich auf Hand- und Schulterchirurgie konzentrieren?" "Wir können es nicht ändern", resümierte Angelika Binkowoski. Einen weiteren Aufreger brachte Rainer Nimmert mit: Die Notfallversorgung durch den RTW ist, gelinde gesagt, ausbaufähig. "Der RTW hat hier einen Standort, um Heiligenhaus und gegebenenfalls Hösel und Homberg zu versorgen. Warum braucht er dann oft 20 Minuten, ehe er da ist?" Acht Minuten sind die veranschlagte Zeit., das Gespräch mit den Bürgermeistern aus Heiligenhaus und Ratingen wird nun notwendig.

Gute Nachrichten gab es zum Thema Verbleib der ortseigenen Polizeiwache: "Landrat Hendele hat die Zusage gemacht, die Wache bliebe erhalten und besetzt", womit die Zukunft von Wachleiter Heinrich "Heini" Röhr gesichert ist. Ist der Dorfsherriff nach seinem 8-bis-20-Uhr-Dienst nicht mehr im Einsatz, steht im Notfall unter der Telefonnummer 110 Hilfe bereit.

Und ein anderes Dauerthema ist vom Tisch: Fracking. Nachhaltig suchte die Vorsitzende das Gespräch mit der Politik - bis ihr vor zwei Jahren Bundestagabgeordneter Peter Beyer einen Besuch Zuhause abstattete. Per E-Mail kamen nun im August abschließende Antworten zum Dauerbrenner. "Unkonventionelles Fracking wird in Deutschland unbefristet verboten. Zur Aufhebung des Verbots wäre ein Beschluss des Deutschen Bundestags nötig, der sich 2021 wieder mit dem Thema befasst", heißt es darin.

Auf von der Bezirksregierung klar definierte Trinkwasserschutzzonen wartet die AHBS weiterhin. "Denen muss ich weiter auf die Zehen treten. Sonst tut sich nichts."

Quelle: RP
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