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Ratingen/Mettmann
Wahlkreis 105 - das müssen Sie wissen

Das Lexikon zur Bundestagswahl 2017
Das Lexikon zur Bundestagswahl 2017 FOTO: dpa, Julian Stratenschulte
Ratingen/Mettmann. Sie sind Rivalen auf der Polit-Bühne und fahren ihren eigenen Kurs: Kerstin Griese (SPD) und Peter Beyer (CDU) wollen wieder in den Bundestag einziehen. Beide Politiker haben ganz unterschiedliche Prioritäten. Von Oliver Wiegand und Norbert Kleeberg

Wenn am 24. September der neue Bundestag gewählt wird, treten im Nordkreis zwei Kandidaten an, die schon alte Hasen im Parlament sind. Peter Beyer (CDU) möchte ebenso wieder in den Bundestag einziehen wie Kerstin Griese (SPD). Im Kampf um das Direktmandat war Griese bei der vergangenen Wahl 2013 Beyer mit rund 8,5 Prozentpunkten unterlegen, obwohl sie selbst deutlich mehr Erststimmen erhielt als die SPD Zweitstimmen. Doch der Bundestagswahlkampf ist vor allem von bundespolitischen Trends abhängig. Die Kandidaten können den Bürgern zwar versprechen, für was sie sich in Berlin einsetzen, doch wirklich Handfestes kommt oft erst nach ein paar Jahren dabei heraus. Bei der letzten Wahl hat Beyer offen zugegeben, vom günstigen Bundestrend für die CDU profitiert zu haben, bei dieser Wahl ist das nicht anders. Werfen wir einen Blick auf den Wahlkreis der Kandidaten, dazu gehören die Städte Heiligenhaus, Ratingen, Velbert und Wülfrath.

Bei der letzten Wahl lag die Beteiligung der 165.000 Wahlberechtigten bei 74,3 Prozent. 2002 und 2005 konnte Griese direkt gegen die CDU-Kandidaten Christian Richartz und Ewald Vielhaus gewinnen, 2009 und 2013 musste sie sich Beyer bei den Erststimmen geschlagen geben. In den vergangenen Jahrzehnten holt Heinz Schemken 1987 und 1990 zwei mal nahezu 50 Prozent für die CDU. Eine Hochburg von CDU oder SPD ist der gesamte Nordkreis nicht.

Wobei einzelne Städte schon hervorstechen. In Ratingen gab es 2013 für die CDU 44,8, für die SPD nur 27,8 Prozent bei den Zweitstimmen. Auch bei den Erststimmen in Ratingen konnte sich Beyer gegen die Ratingen wohnende Griese mit mehr als 50 Prozent (Griese: 33,9 Prozent) durchsetzen. In Heiligenhaus war der Abstand nicht ganz so groß, doch auch hier lag die CDU mit 40 Prozent bei den Zweitstimmen vor der SPD mit knapp 30 Prozent. Seht viel knapper sieht es in Velbert aus, wo Griese und Beyer mit 40 Prozent bei der letzten Wahl fast gleichauf lagen. Auch bei den Zweitstimmen gab es mit 37,5 Prozent für die CDU und 33,9 Prozent für die SPD ein knappes Rennen.

In einer der kleinsten Städte des Kreises, Wülfrath, gewann ebenfalls Beyer (44,5 Prozent) klar gegen Griese (38,2 Prozent). In den 21 Wülfrather Wahlkreisen gewann die CDU bei den Zweitstimmen 40,6 Prozent, während SPD auf 32,2 Prozent kam.

Kerstin Griese gegen Peter Beyer - es ist auch ein Duell der Gegensätze. Die SPD-Bundestagsabgeordnete fühlt sich vor allem im Bereich der Sozial- und Familienpolitik zuhause. Beyer, Mitglied im Auswärtigen Ausschuss, geht es vor allem um die Verbesserung der transatlantischen Beziehungen. Trotz der starken beruflichen Belastung in Berlin sind beide Politiker bemüht, so häufig wie möglich an der Basis präsent zu sein. Bei den großen Neujahrsempfängen und Sommerfesten in Ratingen dürfen die beiden Abgeordneten nicht fehlen. Anders ausgedrückt: Wo Griese ist, ist auch Beyer - und umgekehrt.

Was die beiden Politiker gemeinsam haben: Sie verfügen über ein sehr engmaschiges Netzwerk und beste Kontakte in die Berliner Schaltzentrale hinein.

Ein Beleg dafür ist die Tatsache, dass in der kommenden Woche weitere hochrangige Politiker den Wahlkreis besuchen werden, so zum Beispiel SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann und die Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU).

Was sie ehrt: Beyer und Griese vermeiden persönliche Attacken und respektieren die politische Arbeit des Kontrahenten. So haben sie sich auch vor vier Jahren verhalten, als es in den Endspurt zur damaligen Bundestagswahl ging.

Man darf also auf die Wahlergebnisse gespannt sein und auf die Antwort zur Frage, wie stark die bundespolitischen Trends die Bilanz im Wahlkreis überlagern werden.

Klar ist auch: Beide wollen wieder als Kollegen in Berlin arbeiten. Und sie sind guter Hoffnung, dass dies so sein wird.

Quelle: RP
 
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