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Rp-Serie Wir Rhein-Preussen (ende)
Das schönste Gesicht von Preußen

Rp-Serie Wir Rhein-Preussen (ende): Das schönste Gesicht von Preußen
Wilhelmine Luise von Preußen mit ihren Söhnen Alexander und Georg, um 1830 gemalt von Theodor Hildebrandt. FOTO: stadtmuseum düsseldorf
Ratingen. Prinzessin Wilhelmine Luise und ihr Mann Prinz Friedrich nutzten Schloss Benrath von 1821 an als Sommerresidenz. Von Valeska von Dolega

Benrath Als das Rheinland preußisch wurde, machten die Menschen nicht gerade Luftsprünge vor Begeisterung. "Das war keine Liebesgeschichte", sagt Dr. Inge Zacher. Nach dem Sieg über Napoleon wurde Europa neu geordnet, führt die Historikerin aus. Und egal, wie sehr man zuvor unter Napoleon gelitten hatte, die im Code Napoleon verbrieften Freiheiten hätte man gerne behalten. "Die von den Franzosen initiierten Gesetze waren fortschrittlicher als die der Preußen."

Vor 200 Jahren, im April 1815, übernahm der preußische König Friedrich Wilhelm III. mit Beschluss des Wiener Kongresses die Regierung im Ex-Herzogtum Berg. Damit wurde er Eigentümer von Schloss Benrath. "1821 kam Prinz Friedrich, sein Neffe. Als Divisionskommandeur repräsentierte er nicht die Regierung, sondern war eine Art Botschafter." Ein liebenwürdiger Mensch, der als Mitglied des Schützen-, Gesang- und Kunstvereins versuchte, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Sein größter Trumpf scheint dabei die ebenso hübsche wie charmante Wilhelmine Luise gewesen zu sein. "Eine Liebesheirat" verband die zwei. Aber so harmonisch die Eheleute, die bei ihrem Umzug aus Berlin Prinz Alexander (geboren 1820) mitbrachten und in Düsseldorf 1826 Prinz Georg bekamen, miteinander waren, ihr Himmel hing nicht nur voller Geigen. "Sie litt unter einer Nervenkrankheit." Ob sie manisch-depressiv war, bleibt unklar. "Es war ein Tabu-Thema." Wann immer es ging, zog sich "Prinzessin Friedrich", wie sie am preußischen Hof üblicherweise genannt wurde, nach Benrath zurück.

Und malte. "Ihre Aquarelle sind noch heute eine wertvolle Dokumentation für die Denkmalpflege", sagt Dr. Inge Zacher. Als nämlich vor ein paar Jahren einer der Säle neu gefliest werden musste, konnte das originalgetreu nach einer Aquarellierung der Prinzessin geschehen.

Bereits als junges Mädchen hatte die geborene Gräfin Anhalt-Bernburg Zeichenunterricht erhalten. Nun verifizierte sie ihr Können mit Malern der Düsseldorfer Schule wie Caspar Scheuren. "Es war eine reine private Motivation, nie politisch", die Aquarelle zeigen die üppige Blütenpracht des Gartens, den ungetrübten Blick über den hauseigenen Schlossweiher und entzückende Galeriezimmer. "Diese Bilder ersetzen quasi das, was heute die Fotografie ist." Und bekunden Lebensumstände. Heizungen in unserem Sinn waren noch lange nicht erfunden. "Was das angeht, war es kein besonders gemütliches Leben", eine "enorme preußische Bürokratie" im Sinne des Aktenumfangs zeugt davon, wie lange es brauchte, bis die Installation von Öfen erlaubt wurde. Die sind dann wieder auf Bildern der Prinzessin zu begutachten.

Prinz und Prinzessin sorgten "in gravierendem Maße dafür, das Verhältnis zwischen Preußen und Rheinländern zu verbessern". Durch ihre zugewandte Art vermittelte das Paar einen anderen Eindruck, als diszipliniert bis in die Haarspitzen bloß stocksteif sein zu können. "Sie waren das freundlichste Gesicht Preußens." Sie zeigten, dass auch Preußen allen Vorurteilen zum Trotz künstlerisch interessiert sein können, "die Wiederbelebung der Kunstakademie 1819 ist ein Beispiel dafür". Ebenso hatten sie für Brauchtum und die katholische Kirche ein offenes Ohr, "nachweislich haben sie durch Spenden unterstützt. Aber natürlich mussten sie nach Außen die preußische Politik vertreten." Mit der Revolution 1848 kam der Prinz dementsprechend "in Bredouille. Denn eigentlich war er dem Volk gegenüber sehr freundlich gestimmt." 1863 starb der Kunstfreund. Seine Witwe zog sich auf Schloss Eller zurück, wo sie von Kaiserswerther Diakonissinnen bis zu ihrem Tod 1882 gepflegt wurde.

Quelle: RP
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