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Heiligenhaus
Das "Zwar-Theater" erobert die Bühnen

Heiligenhaus: Das "Zwar-Theater" erobert die Bühnen
Regisseur Heinz-Gerd Küster weist Armin Merta, Sonja Mühl, Anne Schmidt und Elke Gilgen (v. l.) spielerisch in eine Szene ein. FOTO: Achim Blazy
Heiligenhaus. Am 10. November ist das Ensemble um Regisseur Heinz-Gerd Küster mit einer szenischen Lesung im Club zu Gast. Von Paul Köhnes

Lässt sich der Erfolg einer Theatergruppe nach sieben Jahren irgendwie messen? Die Runde der Laienschauspieler der Heiligenhauser "Zwar"-Theatergruppe kann das: "Als wir vor sieben Jahren anfingen, kamen 50 Zuschauer zur Aufführung in den Ludgerus-Treff", erinnert sich Armin Merta, Mann der ersten Stunde im Ensemble. Für die folgenden Aufführungen musste die Bühne schon im Ratskeller sein - 100 Besucher. Dann wagte man den Sprung in die große Kant-Aula - und freut sich seither dort regelmäßig über bis zu 300 Theaterbegeisterte im Publikum. Dokumentiert hat Merta das in seiner Ensemble-Chronik - inzwischen besteht sie aus einem stattlichen Aktenordner.

Darin enthalten ist auch ein Dankschreiben von Landrat Thomas Hendele. Die "Zwar"-Theatergruppe war bereits 2013 an der Neanderland-Biennale bei der Straßentheaterparade dabei. Dort führte man die szenische Lesung "Der Mann, der Gott im Schranke hatte" des polnischen Gegenwartsdramatikers Michal Walczak auf. Dieses Stück ist Anfang November noch einmal im Club zu erleben.

Für die Schauspieler war die "szenische Lesung" Neuland. Und mit dem Auftritt im Club kehrt man bewusst auf eine kleinere Bühne zurück. "Eine solche Lesung funktioniert in der großen Aula nicht." Darin sind sich die Darsteller Armin Merta, Anne Schmidt, Elke Gilgen und Sonja Mühl mit ihrem Regisseur einig. Gestern zogen sie - stellvertretend für die ganze Gruppe - vor der Aufführung eine Zwischenbilanz aus sieben Jahren Theaterspiel.

"Zwar" - die namensgebende Abkürzung ist Fans längst ein Begriff. Hervorgegangen ist die Theatergruppe ais dem Projekt "Zwischen Arbeit und Ruhestand" (= Zwar). Und so unterschiedlich wie die Stücke, die mit der Zeit einstudiert wurden, sind die Zugänge der einzelnen Darsteller zur Bühne. Merta hat schon als Schüler Theater gespielt. "Und weil ich so gut auswendig lernen konnte, habe ich die Hauptrollen bekommen", sagt er augenzwinkernd.

Anne Schmidt dagegen hatte "überhaupt keine Theatererfahrungen, keine Vorkenntnisse", als sie zur Gruppe stieß. Da erhebt sich sofort Widerspruch: "Du hast zwei Drittel deines Lebens gelebt - Senioren haben einfach einen Lebensfundus", sagt Regisseur Küster. Er selbst ist (als studierter Anglist und Studiendirektor im Ruhestand) begeistert von den Werken William Shakespeares. Schauspiel und Regiekurse hätten ihn seit je gereizt, ohne dass er nun eine formale Ausbildung um Regisseur habe.

Ganz unabhängig von Stückauswahl und Probenaufwand - eine besondere Herausforderung kennen und meistern alle Ensemblemitglieder: "Texte lernen". Insofern ist der Abend im Club wieder eine Ausnahmesituation. Küster erklärt es so: "Es geht nicht um auswendig gelernten Text. Sondern wir lesen auf besondere Art vor - und es wird zum Teil gespielt." Ein Vorgehen also, wie man es ähnlich von konzertanten Opernaufführungen kenne. Allein die Stimmen sollen wirken, nichts soll ablenken - weder Bühnenbild noch aufwendige Kostüme.

Das Stück spielt zu der Zeit, als Johannes Paul II Papst war. Die Eltern von Adam und eine sehr gläubige Frau wollen den Papstbesuch in Polen unbedingt miterleben. Adam und seine Freundin nutzen die Zeit, um zum ersten Mal intim zu werden. Und der Mann, der Gott im Schrank hat, interessiert sich nicht für den Papst. Er spricht mit Gott und isst mit ihm Pizza. Das klingt zunächst nach schwerer Kost. "Es ist ein nachdenkliches Stück", soviel verrät der Regisseur.

Quelle: RP
 
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