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Heiligenhaus
Demenz: Kleine Hilfen zeigen Wirkung

Heiligenhaus. Angehörige von Erkrankten lernen den Umgang mit Alltagsproblemen in einem gefragten Ganzjahresprogramm. Von Paul Köhnes

"Mein Mann setzte sich, wie gewohnt, hinten ins Auto. Als wir am Ziel waren, bemerkte ich: Er weiß nicht, wie er aus dem Auto wieder aussteigen soll. Es geht einfach nicht. Solche Situationen machen uns beide dann völlig hilflos." Der Erfahrungsbericht löst in der Gruppe verständnisvolles Nicken aus. Christel Prätorius hört oft von unvermittelt eintretenden Notsituationen im ehemals gewohnten Alltag, wenn Angehörige von Demenzpatienten im Ludgerustreff zusammenfinden. Das tun sie regelmäßig. Prätorius hat dafür ein Jahresprogramm zusammengestellt - zugeschnitten auf Alltagsfragen im Leben mit Demenzpatienten. Und voller Überraschungen.

Was tun, wenn die Mutter beginnt, ihr Geld an völlig unvermuteten Orten aufzubewahren? Was tun, wenn der Ehemann genau weiß, dass er an Demenz leidet, wenn Angst Teile des Lebens bestimmt? Ein Ansatz, den Christel Prätorius den Ratsuchenden nahebringt, ist eine besondere Form von Kommunikation zwischen Kranken und (pflegenden) Angehörigen. Wobei der Ausgangspunkt klar ist: "Situationen der Hilflosigkeit lassen sich nicht verhindern, man muss sich anpassen, denn das logische Denken kommt den Kranken nach und nach abhanden."

Was aber nicht bedeutet, dass mit ihnen nicht zu reden wäre. Nur eben auf neuen Wegen, die, wie Prätorius betont, das "stressfreiere Miteinander" fördern sollen. Eine gängige Methode hierzu heißt "Validierung". Sie bedeutet nichts anderes als den Ansatz, "die Erkrankten genau dort abzuholen, wo sie stehen", wie Prätorius sagt. Es geht um eine wertschätzende Grundhaltung, um Mitgefühl (nicht Mitleid) - und darum, Gefühle und Antriebe der Patienten zu benennen. Ist der Erkrankte erkennbar wütend? Nun, so der Rat, man soll ihm genau das vermitteln: "Du bist ja gerade besonders wütend." Ist er traurig, dann lässt sich auch diese Empfindung spiegeln. Im Prinzip ist "Validierung" eine ins Praktische übertragene Grundhaltung, der sich die Heiligenhauser Caritas-Gesellschaft in ihrem Leitbild verpflichtet hat. Die "Hilfe zur Selbsthilfe" stehe im Vordergrund, heißt es im Leitbild. Das klingt nach einem sehr einfachen Rezept, bedarf aber einiger Übung und Geduld. Ein dankbarer Ansatz für Gespräche ist auch das Lebensthema des Patienten, so die Erfahrung. Sei es der Beruf, seien es besonders ausgeprägte Charakterzüge. Sie zu benennen und im Gespräch daran zu erinnern, kann therapeutischen Nutzen haben. Und wieder ein kleines Stück mehr gewohnte Normalität in den Alltag bringen. Etwa ein Dutzend Besucher nutzte die Gelegenheit, sich in zwei Veranstaltungen über Grundlagen und Übungen zum Thema "Validierung" kundig zu machen. Die beiden Nachmittage waren Teil eines Ganzjahresprogramms der Caritas-Gesellschaft, das bis in den November weitergeht. Es fasst unter dem Titel "Orientiertes Jahr für pflegende Angehörige und dementiell Erkrankte" unterschiedliche Hilfsansätze zusammen.

Quelle: RP
 
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