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Heiligenhaus
Demenz-Tagespflege im Domizil

Heiligenhaus: Demenz-Tagespflege im Domizil
Mitglieder der Demenzgruppe im Altenheim Domizil. In der Mitte Betreuerin Anja Költerhoff. FOTO: achim blazy
Heiligenhaus. Gegen das Vergessen: In Heiligenhaus ist das Demenz-Netz noch im Aufbau. Zum Welt-Alzheimertag hatte das Seniorenheim "Domizil", das seit Mai eine Tagespflege speziell für Demente anbietet, zum Vortragsnachmittag geladen. Von Stefan Mülders

Demenz zu vermitteln ist eine schwere Aufgabe. Es gibt viele Hemmschwellen für Angehörige von Betroffenen, Hilfen anzunehmen, die Erkrankung des Partners oder der Eltern überhaupt zu akzeptieren. Dass die Krankheit immer noch ein Tabu ist, zeigte sich auch beim Vortragsnachmittag im "Domizil" in Heiligenhaus. Noch nicht einmal zehn Interessierte folgten den Vorträgen von Erika May und Astrid Stankiewicz-Frisch, ein Teil von ihnen waren Bewohner des Seniorenheims.

Stankiewicz-Frisch erläuterte zunächst die Hintergründe von Demenz, wie sie schon im Frühstadium erkannt werden kann. "Die Krankheit beginnt mit einfachem Vergessen und steigert sich in Verhaltensauffälligkeiten", sagt die Pflegefachkraft. "Mal zu vergessen, wo man den Schlüssel hingelegt hat, kommt vor. Wenn sich diese Fälle aber täglich wiederholen und häufen, dann können das bereits erste Anzeichen für Demenz sein." Zunächst zeigt das Kurzzeitgedächtnis Ausfallerscheinungen, dann folgen Wortfindungsstörungen. Betroffene bemerken diese Veränderungen und werden zunehmend unsicher und ängstlich, zeigen Stimmungsschwankungen.

Die Krankheit steigert sich über zunehmende Pflegebedürftigkeit bis hin zur notwendigen Rundum-Betreuung. Das fordert auch den Angehörigen viel ab. Wie viel, das verdeutlichte Astrid Stankiewicz-Frisch anschließend mit dem Bericht einer Betroffenen, die ihre Erlebnisse mit ihrem Vater eindrucksvoll schilderte.

Die Diskussion brachte zutage, dass das Zusammenleben von dementen und nicht dementen Menschen in einer Senioreneinrichtung ebenfalls mit Konflikten verbunden ist. Darum hat das Domizil im Mai eine Tagespflege speziell für Demente eingerichtet. "Der Bedarf hat sich seit unserer Eröffnung 2007 nach und nach ergeben", erklärt Pflegedienstleiter Thorsten Eichelhardt. "Wir betreuen zurzeit zwischen zehn und 15 demente Bewohner in der Tagespflege. Für uns ist das eine Möglichkeit, alltäglichen Konflikten zwischen Bewohnern vorzubeugen."

Schmerzen mitteilen können

Etwa 60 bis 70 Prozent der Bewohner von Altenheimen in Deutschland leiden unter demenziellen Veränderungen. Der Anteil wird in den kommenden Jahren noch deutlich steigen, so die Prognose von Experten. Über einen anderen Aspekt der Erkrankung informierte Erika May. Die Leiterin der Demenz-Wohngruppe in Velbert-Neviges griff Aspekte des Schmerzempfindens und ihrer Behandlung bis hin zur palliativen Pflege auf. "Demente können die Stärke ihrer Schmerzen nicht mehr adäquat vermitteln, daher bedarf es besonderer Instrumente, um diese zu ermitteln." Das geschieht zum Beispiel durch spezielle Dokumentationsbögen und intensive Gespräche mit Angehörigen über das normale Verhalten der Betroffenen.

In der palliativen Betreuung wird die Wichtigkeit der Netzwerke deutlich: Die Zusammenarbeit mit Hausärzten und der "Speziellen ambulanten Palliativversorgung" (SAPV) funktioniert gut. Die Betreuung in der gewohnten Umgebung kann gewährleistet werden.

(RP/rl)
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