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Analyse
Demenznetz beruht auf guten Kontakten

Analyse: Demenznetz beruht auf guten Kontakten
Christel Prätorius (l.) und Ingrid Niering sind die Köpfe hinter dem Heiligenhauser Demenznetz. FOTO: D. Janicki
Heiligenhaus. 450 Demenzpatienten leben in Heiligenhaus - sagt die Statistik. Die Dunkelziffer liegt höher. Das Demenznetz unterstützt Betroffene mit einem eigenen, modellhaften Konzept. Es zeigt mit Erfolg, dass Betreuung mehr bedeutet als rein medizinische Hilfe. Von Paul Köhnes

"Informierte Angehörige pflegen besser." Manchmal sind es kurze Merksätze, in denen Christel Prätorius über ihr Lebensthema spricht. Die ehemalige Leiterin des Ludgerustreffs der Caritasgesellschaft hat das Demenznetz Heiligenhaus aufgebaut und koordiniert dessen Arbeit.

Das Demenznetz hilft, berät, informiert und vermittelt Kontakte. Beteiligt sind die Stadt, Awo, Caritas-Gesellschaft, Diakonisches Werk und evangelisches Altenheim Heiligenhaus - soweit der formale Rahmen. Zentraler Bestandteil ist die Zusammenarbeit mit den Angehörigen. Prätorius weiß: "Ein Leben mit Menschen mit einer Demenz ist schwierig. Aber die Situation für die Angehörigen lässt sich erleichtern." Vorderhand gehe es darum, die Veränderungen des Erkrankten besser zu verstehen. Auch hierzu gibt es - neben einem neuen Kursangebot (siehe Infobox) auch eine Kurzfassung in Form eines Faltblatts, das ersten Zugang zum schwierigen Thema eröffnet.

"Die Hemmschwelle sinkt, das Verständnis, das Wissen um die Erkrankung wächst", sagt Ingrid Niering, als Leiterin des Ludgerustreffs hat sie Christel Prätorius abgelöst. Die Arbeit mit Demenzkranken und deren Angehörigen ist Arbeitsschwerpunkt des Treffs. Beide setzen auf Kontinuität in der Begleitung und Betreuung. "Das ist vor allem für die Erkrankten wichtig, denn sie brauchen möglichst viel vertraute Umgebung und gewohnte Abläufe um sich herum", sagt Niering. Hierfür sorgt unter anderem die Betreuungsgruppe, die sich wöchentlich freitags an der Rheinlandstraße trifft. Optimale Betreuung, kombiniert mit medizinischer Hilfe vom Arzt kann das Fortschreiten einer Demenzerkrankung um bis zu zwei Jahre bremsen. Umkehrbar ist der Prozess nicht, Demenzerkrankungen sind nicht heilbar. Zum Heiligenhauser Hilfsmodell gehört es auch, völlig neue Wege einzuschlagen. So gab es im vergangenen Jahr eine großangelegte Veranstaltungsreihe, zu der auch eine besondere Ausstellung gehörte. Pfarrer Alfons Demand zeigte seinen selbst gestalteten Bilderzyklus "Stufen der Demenz". Bei Werken wie "Kokon 1" und "Kokon 2" kam für den Geistlichen dann auch der Glauben an ein "Nach der Krankheit" hervor: "Wenn man dem Kokon entkommt und man dann in dem darauf Folgenden zum Schmetterling wird." Auch mit solch ungewöhnlichen Angeboten will Prätorius das umsetzen, was sie "Validation" der Erkrankten nennt. Gemeint ist ein wertschätzender Umgang in schwierigen Lebenssituationen. Vor allem für Angehörige ist der tägliche Umgang mit Demenzpatienten oft anstrengend zu bewältigen. Aber Hilfen sind erlernbar. Angehörige zu schulen, ist ein Schwerpunkt des Demenznetzes. Gerade ist Anmeldezeit für einen neuen Kursus. Die Organisatorinnen setzen eben auf Kontinuität in jeder Hinsicht.

Quelle: RP
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