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Kreis Mettmann
Depressionen werden viel zu oft verschwiegen

Kreis Mettmann. Tina Schmitt vom Sozialpsychiatrischen Zentrum des SKFM hilft Betroffenen - wenn sie den Schritt nach vorne wagen. Von Sabine Maguire

Im März riss ein deutscher Copilot 149 Menschen mit sich in den Tod. Die Frage nach dem "Warum?" schien schnell geklärt zu sein. Es dauerte nur wenige Tage, bis kaum noch einer daran zweifelte, dass schwere Depressionen diese unbegreifliche Tat ausgelöst hatten. Schnell meldeten sich Experten zu Wort, um das noch aufzuhalten, was sich am Horizont bereits abzeichnete: Psychische Erkrankungen wurden unter Generalverdacht gestellt.

Mittlerweile ist mit Blick auf das öffentliche Interesse wieder weitgehend Ruhe eingekehrt. Wie aber geht es denjenigen, die von einer psychischen Erkrankung betroffen sind? Beim Besuch des Sozialpsychiatrischen Zentrums (SPZ) des SKFM Mettmann wird schnell klar: Was bleibt, ist die Befürchtung, dass sich die Debatte um die vermeintliche Unberechenbarkeit psychisch Erkrankter in der Öffentlichkeit festsetzt. Für viele Betroffene ist es ohnehin eine Gratwanderung, mit ihrer Krankheit in der Öffentlichkeit umzugehen. "Ich würde nicht jedem erzählen, dass ich unter Depressionen leide", gesteht Birgit Giese (Name von der Red. geändert). Lange hat niemand etwas von ihrer Erkrankung gewusst - zu groß war die Angst, damit die berufliche Existenz aufs Spiel zu setzen: "Oft ist es ein langer Weg bis zu der Erkenntnis, dass sich die eigene Leistungsfähigkeit verändert hat", weiß die 55-jährige Pflegekraft. Mittlerweile hat sie Erwerbsminderungsrente beantragt - kein leichter Schritt, wie sie selbst sagt.

Durch das psychische Leid sieht sie sich - so wie viele der davon Betroffenen auch - um ihre Chancen und Lebenswünsche gebracht. Man hoffe immer wieder, die Erkrankung doch irgendwie überwinden zu können, um sich schließlich eingestehen zu müssen, dass das nicht immer gelingt und man sein Leben darauf einstellen muss.

"Eine Depression wird oft als persönliche Schwäche und als Versagen interpretiert. Man funktioniert nicht mehr so, wie man selbst und die Umgebung es von einem erwarten", weiß auch SPZ-Bereichsleiterin Tina Schmitt. Das könne dazu führen, dass die Krankheit lange verschwiegen wird und keine Hilfen in Anspruch genommen werden. Zudem werde über Andersartigkeit schnell negativ geurteilt, so dass sich Betroffene ausgegrenzt fühlten.

Umso wichtiger sei die Erfahrung, der Erkrankung nicht hilflos ausgeliefert zu sein. "Eine gesicherte Diagnose und therapeutische Hilfen sind erste Schritte auf dem mitunter mühsamen Weg aus der Depression", glaubt Tina Schmitt. Gleichermaßen weiß die SPZ-Bereichsleiterin aber auch um die Bedeutung von Akzeptanz und Unterstützung in der Öffentlichkeit.

Quelle: RP
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