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Heiligenhaus
Der Distelfalter fliegt gen Süden

Heiligenhaus. Viele der heimischen Schmetterlinge überwintern in wärmeren Gefilden.

Dass viele der heimischen Vögel im Herbst in südliche Gefilde aufbrechen, da ihnen hier die Nahrung fehlt, ist allen bekannt. Weniger bewusst ist, dass auch Schmetterlinge lange Wanderungen unternehmen. Wie kommt es aber, dass Schmetterlinge nach einem harten Winterhalbjahr im Frühjahr und Sommer wieder da sind?

Diese Frage kann Dietmar Borge, pensionierter Biologielehrer, beantworten. "Ein großer Teil überdauert bei uns als Ei, Puppe oder Raupe die kalte Jahreszeit. Einige Falter suchen dabei geschützten Unterschupf in Baumrinden, Erdhöhlen oder Dachböden auf", erklärt der Experte. Nur der Zitronenfalter könne als ein wahrer Spezialist Temperaturen von weit unter 10° minus auszuhalten; dabei verharre er regungslos an meist immergrünen Sträuchern.

Mehrere heimische Tagfalter wie der Admiral und der Distelfalter begeben sich aber auf lange Wanderwege. Letzterer ist jetzt schon längst aufgebrochen. Kein Wunder, denn so schnell wie Zugvögel kommt er nicht voran. Sie flattern dabei zwar nicht, wie wir es vom Sommer her kennen, sondern über- oder umfliegen zielstrebig viele Hindernisse, um an ihr Zielgebiet in Westafrika zu gelangen.

Je nach mitteleuropäischem Aufenthaltsort legen sie dann 10.000 bis 15.000 Kilometer zurück. Diese langen Strecken können sie nur in Etappen überwinden, das Winterquartier erreichen sie in zweiter Generationen, zurück nach Norden benötigen sie sogar vier Generationen. Das bedeutet, dass im Unterschied zu den Vögeln dieselben Falter nicht mehr zurückkehren. Einige Falter schaffen aber dennoch alleine einige Tausend Kilometer.

Sogar den Ärmelkanal können sie überqueren. Stürme setzen ihnen dann gehörig zu und führen zu großen Verlusten. Durch ihre Anzahl von manchmal über 20 Millionen (Rückreise Distelfalter 2009) machen sie dies aber immer wieder wett, ist also letztlich für die Population nicht von Bedeutung.

"Trotz vieler Unbilden des Wetters können wir uns dann jedes Jahr wieder neu auf die gaukelnden Künstler der Lüfte freuen", so Dietmar Borge.

Quelle: RP
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