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Heiligenhaus
Der Mann der Millionenprojekte geht

Heiligenhaus. Harald Flügge hat als Beigeordneter den Stadtwandel im Eiltempo vorangetrieben. Die Nachfolgersuche wird schwierig. Von Paul Köhnes

"Drei Minuten Fußweg zur Arbeitsstelle." Das ist eines der Dinge, die Harald Flügge bald vermissen wird. Nach 15 Jahren als technischer Beigeordneter der Stadt wechselt er Stadt und Posten, wird Stadtbaurat in Bergisch Gladbach. Die offizielle Wahl ist Anfang Juli, eine komfortable Ratsmehrheit dort ist gesichert. Zum 1. August wird er seine neue Stelle antreten.

Dass nach so langer Zeit in einer Position "auch ein bissschen Wehmut" aufkommt, sagt der gebürtige Sauerländer erst am Ende eines längeren Gesprächs. Allzu sehr steckt er noch mittendrin in den Themen, die er über die anderthalb Jahrzehnte angestoßen, begleitet und abgeschlossen hat. Eines der Projekte wird in diesen Tagen zehn Jahre alt: Die Stadt- und Bodenentwicklungsgesellschaft (SBEG), deren Geschäfte Flügge gemeinsam mit Bürgermeister Heinisch und Günter Gutzeit führt. Die Idee: Grundstücke erwerben, aufbereiten und anbieten für Wohnen und Gewerbe. Zum Zehnjährigen liegt ein kleiner Bilanz-Flyer vor, der sogar einen Schlenker für literarhistorisch Interessierte bietet und Ludwig Börne (1786-1837) zitiert: "Die Lebenskraft eines Zeitalters liegt nicht in seiner Ernte, sondern in seiner Aussaat", so wird der prominente Vertreter des "Jungen Deutschlands" zitiert. Flügge formuliert es in der ihm eigenen Nüchternheit anders: "Es geht bei der SBEG darum, einen gesonderten Finanzkreislauf für Immobilien zu schaffen. In einem städtischen Haushalt geht das nicht."

Ein weiterer Dauerbrenner über anderthalb Jahrzehnte: die Verwandlung der Hauptstraße von einer Bundesstraße mit 20.000 Autos täglich in eine nutzbare Flaniermeile. "Ich erinnere mich noch: Vor der Alten Kirche trennten die Kirchgänger gerade mal eine Breite von zweieinhalb Gehwegplatten plus ein Sicherunsginstrument von der viel befahrenen Straße." Davon spreche heute niemand mehr. Ebenso wenig von den Kiekert-Produktionshallen dort, wo jetzt die ebenfalls neue Westfalenstraße am Campus-Neubau vorbeiführt. CDU-Fraktionschef Ralf Herre verlängert die Liste der angestoßenen Projekte in einer Würdigung kurz vor dem Abschied: Neubaugebiete Grün-Selbeck und Panoramagärten und Aufkauf des Hitzbleck-Geländes zählen ebenso zu den Meilensteinen wie das Einwerben öffentlicher Gelder - wie zu letzt die knapp drei Millionen euro für die Oberilp.

Neben dem Erfolgsmodell SBEG ist vor allem das Wohngebiet Grün-Selbeck ein Thema, von dem der 51-jährig Diplomingenieur und Stadtplaner mit einem Anflug von Stolz spricht: "Dort ist zwar längst alles verkauft - aber bis heute gibt es Anfragen, ob noch Grundstücke zu haben wären."

Die Entscheidung, nach Bergisch Gladbach zu gehen, kam in diesem Frühjahr relativ zügig. Und damit mitten hinein in weitere Planungsphasen: So wird der Südring erneut Thema. Die Idee, die Straße in zwei Richtungen befahrbar zu machen, erhält neuen Aufwind. Und auch die mittel- und langfristigen Pläne für Verkehr und Wohnen im Stadtteil Hetterscheidt stehen auf der To-do-Liste. Derzeit wird dort die alte Dörrenhaus-Industriebrache leergeräumt und für Wohn- und Gewerberaum aufbereitet. Bedeckt hält sich der scheidende Beigeordnete, was die zukünftige Organisation seines Arbeitsgebiets angeht. Immerhin gibt es wegen der desolaten Haushaltslage eine Wiederbesetzungssperre für alle Stellen im Rathaus für die Frist von einem Jahr. So lange wird Flügges Büro verwaist bleiben.

Quelle: RP
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