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Ratingen
Die alte Linie 712 hat bald ausgedient

Straßenbahnlinie 712 fährt im Februar 2016 zum letzten Mal
Straßenbahnlinie 712 fährt im Februar 2016 zum letzten Mal FOTO: Blazy, Achim
Ratingen. Im Februar soll die Straßenbahnlinie 712 zum letzten Mal fahren: Mit der Eröffnung des Wehrhahntunnels wird sie von der U 72 abgelöst. Mit der Linie 712 verbinden besonders die Ratinger viele Erinnerungen. Sie fährt seit 1897 auch Ratingen an. Von Joachim Preuss

Bei vielen Dumeklemmern wird ein bisschen Wehmut mitschwingen, wenn bald die Linie 712 zum letzten Mal in Ratingen hält. Für Pendler war sie lebensnotwendig, für die Jugend bedeutete sie den schnellen Anschluss an die Altstadt - neben der S 6. Als mal wieder über fehlende Diskotheken diskutiert wurde, hieß es oft: "Die beste Jugendarbeit macht die 712."

Dem Aufruf auf unserer Facebookseite (facebook.com/rp.ratingen) sind viele Leser gefolgt, sie schickten uns ihre Erinnerungen mit der 712. Joachim Frölich via Facebook: "Alte Fotos habe ich leider nicht, aber für immer unvergessene Erinnerungen. Es war für uns Kinder immer ein tolles Erlebnis, für 45 Pfennig auf der Außenplattform, an der Mittelstange festhaltend, auf den alten Wagen der 12 bis Endstation Schadowplatz zu fahren. Der Schaffner hatte zugeschaut und keiner der Fahrgäste hat damals ,Hilfe, die armen Kinder' geschrien! Eine wunderbare Zeit. Sowas kann man nur noch auf den Wagen der Cable-Car in San Francisco erleben."

Überwachungskameras im Busverkehr

Silke Ostermeier, Alex Otto, Christian Baron und Kilian Zurlo von der aus dem Tragödchen bekannten Ratinger Band S.A.C.K.: "Wir verbinden mit der alten 712 eine Menge Spaß. Drei Mal haben wir sie mit den besten Fans der Welt gebucht und zum Hüpfen gebracht. Was ne Gaudi!" Die Band hatte auf der Strecke zwischen Neuss und Ratingen eine Oldie-Bahn gechartert und 90 Fans eingeladen. "S.A.C.K. lässt Oldie-Bahn hüfen" titelte die RP seinerzeit.

Dörte Faatz: "Ich fuhr schon mit ihr, als sie noch nur ,die 12' hieß. Ich kannte die Reihenfolge der Haltestationen auswendig (Engerstraße, Lindemannstraße, Uhlandstraße, etc.) Die Bahn hielt immer auch am Felderhof, obwohl dort nie jemand ein- oder ausstieg. Interessant war, wie verschiedene Fahrer die Vautierstraße aussprachen."

Joachim Niestroj findet: "Das Tollste war die Staffelübergabe zwischen Reichswaldallee und Mädchenheim."

Für Katja Bollmann ist die 712 der "Rettungsanker, wenn die S6 mal wieder spinnt..."

Karl-Heinz Besting schickte uns via Facebook ein altes Foto vom Ende der 70er Jahre: "Von unserer damaligen Wohnung auf der Lochnerstraße aus fotografiert. Das Interbodenhaus und die Wohnbebauung Europaring/Ecke Düsseldorfer Straße existierten noch nicht. Der Europaring ist ganz neu."

Die Rheinbahn wurde 1886 von Industriellen, darunter Franz Haniel und Heinrich Lueg, gegründet. Vor den Toren ihrer Fabrik an der Grafenberger Alle begann und endete die heutige Linie 712. Zum 100-jährigen Bestehen gab es 1996 eine Ausstellung in der Ratinger Stadthalle. Mehr Bilder und ein Video unter www.rp-online.de/ratingen.

Quelle: RP
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