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Andreas Preuss
Die Bruderschaft soll moderner werden

Andreas Preuss: Die Bruderschaft soll moderner werden
Andreas Preuß mit dem Schützensilber des Bruderschaftschefs. FOTO: Achim Blazy
Ratingen. Andreas Preuß, Vorsitzender der Lintorfer Sebastianer, äußert sich zu neuen Strukturen und möglichen Beschlüssen.

Seit knapp einem Jahr ist Andreas Preuß neuer Vorsitzenden der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Lintorf und hat bereits kurz nach seiner Ernennung die Mitschützen zum Nachdenken über die Zukunft des Vereines gebracht.

Seit fast einem Jahr sind Sie nun Chef der Lintorfer Bruderschaft. Haben sich die Aufgaben so entwickelt wie erwartet?

Preuß Eine Gemeinschaft mit fast 300 Mitgliedern in unterschiedlichen Gruppierungen zusammenzuhalten ist nicht so einfach. Die Aufgaben sind viel vielfältiger als erwartet und viel spannender. Es ist aber eine Herausforderung, die ich gerne annehme. Natürlich macht die Arbeit Spaß und Freude. Ich komme mit unheimlich vielen Leuten zusammen, nicht nur aus der Bruderschaft.

In einem Brief an die Bruderschaft hatten Sie geschrieben, dass die Bruderschaft nach mehr als 550 Jahren eine ungewisse Zukunft vor sich habe. Was haben Sie damit gemeint?

Preuss Die ungewisse Zukunft ist, dass uns der Nachwuchs fehlt. Die traditionellen Werte "Glaube, Sitte, Heimat" haben nicht mehr die gleiche Bedeutung wie früher. Außerdem möchten sich die Menschen nicht mehr gerne ein Leben lang in Vereinen binden. Das müssen wir berücksichtigen, wenn die Bruderschaft auf Dauer Bestand haben soll.

Wie können Sie das erreichen?

Preuß Nach meiner Wahl zum ersten Chef der Lintorfer Bruderschaft im Januar dieses Jahres habe ich zusammen mit meinem Stellvertreter Andreas Nieß eine Diskussion über die Zukunft der Gemeinschaft angeregt. Im Herbst war es dann endlich so weit. Gut 50 Mitglieder der Bruderschaft haben sich zusammengesetzt und in mehreren Arbeitsgruppen intensiv und durchaus kontrovers über mögliche Veränderungen der Gemeinschaft diskutiert. Dabei ging es darum, neue Ideen zu Themen wie Struktur der Bruderschaft, Mitgliedergewinnung, soziales Engagement und Veranstaltungen zu finden. Erstmals wurde in einem großen Kreis über mögliche Veränderungen gesprochen und alle waren sich einig, dass etwas geändert werden muss. Es wurde zwar nicht "der Stein der Weisen" gefunden, aber trotzdem gab es einige Vorschläge, denen jetzt erste Änderungen folgen sollen. Die Durchführung der Ideen darf nicht auf die lange Bank geschoben werden, es soll aber auch gleichzeitig nichts über das Knie gebrochen werden. Die gesamte Bruderschaft soll für die Veränderungen gewonnen werden. Auf der Mitgliederversammlung beim Titularfest im kommenden Januar können vielleicht schon erste Beschlüsse gefasst werden.

Welche Änderungen wurden denn vorgeschlagen?

Preuss Wir wollen die Strukturen der Bruderschaft modernisieren. Der Vorstand soll verkleinert werden. Dafür werden die Mitglieder mehr in die Arbeit des Vorstandes eingebunden. Ferner ist eine Satzungsänderung angedacht, so dass wir uns auch künftig für Nicht-Christen öffnen können. Was die Veranstaltungen angeht, möchten wir diese attraktiver gestalten, auch für die Nicht-Schützen. Es sollen mehr gemeinsame Veranstaltungen stattfinden. Die Bruderschaft ist in den vergangenen Jahrzehnten gegenüber den einzelnen Formationen in den Hintergrund getreten. Dieses wollen wir ändern.

Was sind denn die Aufgaben einer Bruderschaft? Was kann der Verein für eine Stadt oder einen Stadtteil wie Lintorf tun?

Preuss Vor 550 Jahren hatte die Bruderschaft die Aufgabe, die Heimat zu verteidigen und für ein soziales Sicherungssystem für alte und kranke Mitbürger zu sorgen. Diese Aufgaben hat sie jetzt nicht mehr. Trotzdem passt sie in die heutige Zeit. Wir stehen für die Grundwerte der Gesellschaft ein, die für ein friedliches Miteinander wichtig sind. Ein Schwerpunkt liegt auf unserem christlichen Glauben. Wir bieten den Mitgliedern auch eine Heimat, um gemeinsamen Interessen nachzugehen. Die Bruderschaft kann in Lintorf ein Stück Verlässlichkeit in der Hektik des Alltags bieten, und zwar nicht nur den alteingesessenen Lintorfern, sondern auch den neu zugezogenen Mitbürgern.

MONIKA VON KÜRTEN STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
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