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Ratingen
Die charismatische Chorleiterin

Ratingen. Maria Platis ist die Neue. Seit dem 1. September komplettiert die gebürtige St. Petersburgerin als Chordirektorin das Kirchenmusikerteam in St. Peter und Paul. Von Valeska von Dolega

"Wir sind eine der ganz wenigen Pfarreien im Erzbistum Köln, die neben einer Seelsorgebereichsstelle eine zweite hauptamtliche B-Stelle haben", ordnet Kantor und Konzertorganist Ansgar Wallenhorst die Situation ein. "Ähnlich wie an Kathedralkirchen können wir jetzt die Akzente Orgelmusik und Chormusik mit zwei Musikern profiliert verfolgen", blickt er frohgemut in die Zukunft.

"Im Moment laufen die Proben. Und wie!", fasst Maria Platis die aktuellen Arbeiten und Aufgaben in den verschiedenen Gruppen zusammen. Schließlich stehen mit Terminen wie Allerheiligen, der Advents- und Weihnachtszeit quasi die Saisonhöhepunkte des Kirchenkalenders bevor. Als Chordirektorin ist sie für alle chorischen Aktivitäten der Gemeinde verantwortlich, ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Arbeit mit Kindern.

"Unsere fünf Kindergärten werden jetzt von mir betreut", die Hoffnung ist nicht nur, die Sangeslust, die bekanntermaßen in jedem steckt, herauszukitzeln und zu stärken, sondern schon die Jüngsten langfristig für Musik begeistern zu können.

"Dass ich ihnen etwas beibringe, ist den Kleinen nicht bewusst", der Umgang mit Tonlagen und Phänomenen wie hoch, tief, leise und laut erfolgt spielerisch. Anders als in der Mädchenkantorei, der sieben Sängerinen im Alter von etwa 11 bis 15 Jahren angehören. Die seien notensicher, kennen die Terminologie und "ich arbeite mit ihnen wie mit Erwachsenen".

Schließlich sind die Teenager schlau genug, alles zu verstehen und "es gefällt ihnen, ernst genommen zu werden". Wie sie es erreicht, mit Kenntnis und Fingerspitzengefühl immer alle bei der Stange zu halten, kann die bald 42-Jährige nicht in Worte fassen. Ansgar Wallenhorst sagt: "Es ist wunderbar, dass Maria Platis nun bei uns ist, weil wir damit eine erfahrene Chorpädagogin und charismatische Chorleiterin im Team haben und sie unsere ,chorwelten-ratingen' ausbauen wird. Das tut sie mit Zielstrebigkeit, Menschenkenntnis und Charme!"

Musik treibt sie um. Zwar stammt sie aus keiner Musikerfamilie, "das sind alles Ingenieure", gesungen wurde aber trotzdem viel. Bei Klein-Maria wurde bereits im Kindergartenalter ihre besondere Stimme festgestellt, kurz darauf entdeckte sie das Klavier für sich als ihr Instrument, und "es war seither mein Traum, Kirchenmusikerin zu werden". Immer am Ball sei sie geblieben, die musikalische Ausbildung ist "harte Arbeit, die nicht immer Spaß macht. Die Ausbildung in Russland ist sehr ernst. Wir sagen nicht streng", erinnert sie sich an ihr erstes Studium in St. Petersburg. 1998 folgte der Umzug nach Düsseldorf, wo sie an der Clara-Schumann-Musikschule studierte und mit Diplom abschloss. St. Peter und Paul in Ratingen ist nun die vierte Stelle, die sie nach Stationen in Köln und Düsseldorf antritt. "Hier kann ich alles, wirklich alles, was mit Chorleben zu tun hat, aufbauen und entwickeln."

Aus manchen Gruppierungen wie "Taktvoll" der Homberger St. Jacobus-Gemeinde soll eine Umstrukturierung zum Familienchor erfolgen, jüngst gründete sich ein Kirchenchor aus allen vier Kirchen, darunter sogar junge Stimmen. Der stimmgewaltige Nachwuchs ist natürlich der Dreh- und Angelpunkt, weshalb auch die Kontakte zur Liebfrauenschule intensiviert werden sollen. Das stramme Programm lässt Maria Platis genug Luft zum Leben."Ich bin ein ganz normaler Mensch", sagt sie über sich und private Interessen. Bevorzugt besucht sie in ihrer Freizeit Ausstellungen und Theaterinszenierungen und weil zu ihrem Freundeskreis viele Kollegen aus der Musikszene zählen, ist sie oft in Konzerten. Lässt es ihre Zeit zu, geht sie auf Reisen. Die letzte große Tour führte sie zurück nach St. Petersburg, wo ihre Familie noch immer lebt. "Dort im Sommer zu sein ist besonders faszinierend wegen der weißen Nächte" - nachts ist es fast ebenso hell wie am Tag. Musikalische Favoriten benennt sie keine. "Es gibt vieles, das mich berührt. Das ist das Wichtigste."

Quelle: RP
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