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Kreis Mettmann
Die diesjährige Süßkirschen-Ernte ist ein Totalausfall

Kreis Mettmann. Der Regen setzt der Ernte zu. Dennoch: Sauerkirschen und Johannisbeeren kann man jetzt selbst pflücken.. Von Isabel Klaas

"Der Kampf der Amseln und Schwarzdrosseln um die wenigen Johannisbeeren dieser Saison ist in vollem Gange", sagt Yasmine Haverbek aus dem Vorzimmer der Kreisbauernschaft Mettmann. "Die Vögel mögen nix Vergammeltes und Vermatschtes. Das sind Feinschmecker. Die wollen perfekte Früchte." Und die wird es auch für die Menschen in diesem Jahr nicht allzu üppig geben.

"Die Süßkirschen sind ein Totalausfall", sagt Markus Weeger, Landwirt in Richrath. 350 Bäume und null Ausbeute wegen des Regens. "Ich kaufe Süßkirschen von Nachbar-Betrieben im Rheinland zu", sagt Wegeer, der Kirsch- und Beerenexperte in der Region. Denn nur unter Folie seien in diesem verregneten Sommer die süßen Früchte gereift, ohne zu platzen und zu verfaulen. "Doch selbst mit Folien-Dach gab es Probleme", weiß Weeger. Für ihn selbst sei dieser Aufwand zu hoch, erklärt er. "So ein Dach muss man vor dem Pflanzen realisieren." Auch die Sauerkirsche hat gelitten, wenngleich sie weniger platzanfällig ist. Weeger bietet sie zurzeit ausschließlich zum selber Pflücken an für 2,90 Euro das Kilo an. "Für uns ist das Aussortieren der schlechten Kirschen einfach zu aufwändig", sagt er. Die Bäume seien so niedrig geschnitten, dass die Kunden problemlos mit einen Tritt an die Morellen kämen.

Wie hoch der Verlust bei Johannisbeeren und Stachelbeeren ist, vermag der Richrather Landwirt noch nicht zu sagen. "Die haben alle gelitten", sagt er. Zumal es während der Blüte noch mal einen Nachtfrost gegeben habe, der dafür sorgte, dass an manchen Rispen nur drei oder vier Beeren gereift sind. "Sollte das nächste Jahr auch wieder so mies werden, muss ich mir wohl einen neuen Job suchen", sagt Weeger fatalistisch. Denn höhere Preise fürs Beerenobst seien nicht zu realisieren. Wer jetzt in den Genuss von Johannisbeeren und Sauerkirschen kommen will, muss sich sputen. Denn die Saison ist kurz. Das selbst Pflücken lohnt sich: Ein Kilo Beeren kostet 2,90 Euro, im Bauernladen von Weeger dagegen 6,40 Euro. "Wir legen den Pflücklohn um", sagt Weeger. Adresse: Rietherbach 84, Langenfeld,

25 bis 30 Leute helfen ihm in der Regel pro Saison. Start ist mit den Erdbeeren. Alle Erntehelfer sind aus Polen. "Ja", sagt er, "mit Deutschen haben wir es auch schon mal versucht. 2005 gab es Vorgaben, da mussten 20 Prozent der Erntehelfer Deutsche sein." Das sei ein Flop gewesen. Von 20 Interessenten sei ein einziger nach den ersten beiden Stunden übriggeblieben. So flott und ausdauernd wie die Polen sei niemand. Gepflückt werden können rote und schwarze Johannisbeeren, Stachelbeeren und Sauerkirsche.

Quelle: RP
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