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Heiligenhaus
Die Firma Hitzbleck ist jetzt Geschichte

Heiligenhaus: Die Firma Hitzbleck ist jetzt Geschichte
Das Firmengelände prägte lange das Stadtbild mit. FOTO: a. Blazy
Heiligenhaus. Lange Tradition: Nach über 111 Jahren ist das Heiligenhauser Kapitel Hitzbleck mit dem Abriss nun endgültig abgeschlossen. Von Henry Kreilmann

August Hitzbleck war mit seinen 50 Jahren verhältnismäßig alt, als er mit dreien seiner sechs Söhne am 16. Januar 1899, einem Montag, die Firma "August Hitzbleck, Eisengießerei" ins Handelsregister eintragen lässt, die bereits ein Jahr vorher gegründet worden war. Doch die vier Männer, die in der ersten Zeit mit nur einem weiteren Angestellten die gesamte Belegschaft darstellen, sind erfahren im Formerhandwerk, sie begründen eine 111-jährige Firmengeschichte.

Für den Geschichtsverein haben die Heiligenhauser Dr. Wolfgang Schwenkel, der selbst in der Firma war, und Rolf Watty dem Familienwerk des August Hitzblecks nachgespürt und noch einmal die Historie der Firma zusammengetragen, die sich mit ihrem Abriss zu Gunsten eines Nahversorgungszentrums in diesem Jahr aus dem Stadtbild verabschiedet hat.

Fasziniert sind die Autoren zu allererst von den beeindruckenden Ingenieurskenntnissen der Bauern, die sich Ende des 17. Jahrhunderts "auf so ein komplexes und kompliziertes System, wie es ein Schloss darstellt" einstellen konnten. Heinrich Hitzbleck (1820 bis 1908) war einer dieser Bauern, der seinem Kotten auf kargem Land in Isenbügel eine Schmiede angliederte und in zunehmendem Umfang Schlösser und Beschläge herstellte. "Da müssen so viel Erfindungsgeist und handwerkliche Fähigkeit vorhanden gewesen sein, dass er ein Produkt entwickelte, das auf großen Märkten in ganz Deutschland Absatz fand", schreiben die Autoren in der jüngsten Cis Hilinciweg-Ausgabe. "Wenn wir ihn hier als Vorläufer der Firma Hitzbleck vorstellen, so insbesondere deshalb, weil in ihm schon die erfinderischen und kaufmännischen Elemente vorhanden sind, die später die Firma Hitzbleck auszeichneten."

August, sein zweiter Sohn, erlernte die Stempelmacherei und lernt dabei einen bestimmten Eisenguss, den Temperguss, kennen. Auch die Söhne von August "haben den unternehmerischen Weitblick geerbt und verbinden ihn mit technischem Wissen, dem Gespür für Marktbedarf und das Riskobewusstsein ihres Vaters." So erweiterten sie die Angebotspalette und waren vor technischen Neuerungen nicht scheu. 1904 waren es schon insgesamt 15 Mitarbeiter. Auch in Kriegszeiten konnten die Brüder Hermann und Ernst Hitzbleck, die das Unternehmen nach dem Tod des Vaters 1923 übernahmen, den Betrieb ausbauen. Innovation und Modernisierung zeichnete den Familienbetrieb auch in den nächsten Generationswechseln, wie 1947 an Erich und Fritz Hitzbleck, aus. In den 90er Jahren gab es dann mit über 200 Mitarbeitern einen Belegschafts-Höchststand. 2009 folgte für die noch 160 Mitarbeiter starke Firma das plötzliche Aus als Folge der Wirtschaftskrise. Da Industrie an dem innerstädtischen Standort nicht mehr erwünscht ist, öffnet das Grundstück nun das neue Kapitel: Es entsteht ein Nahversorgungszentrum.

Quelle: RP
 
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