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Ratingen
Die Heimat bleibt immer im Herzen

Ratingen: Die Heimat bleibt immer im Herzen
Razeea Lindner zeigt in der Künstlerloge ihre Bilder zum Thema "Fragmentarisch - Hannah Ahrendt". FOTO: Achim Blazy
Ratingen. Die von Mauritius stammende Hildenerin Razeea Lindner stellt derzeit in der Künstlerloge aus. Von Gabriele Hannen

An ihr ist nichts Zögerliches: Wenn Razeea Lindner spricht, wenn sie von ihrer Heimat Mauritius schwärmt, über ihren verstorbenen Mann und ihren Sohn erzählt, dann sagt sie klar und fest und mit warmer Stimme genau das, was sie meint. Warmherzig ist es, wenn sie ihre Familie aufleben lässt in diesen Erzählungen, klar und unmissverständlich kommt es auch rüber, wenn sie die aktuellen Dinge der Welt beschreibt. Und wunderbar ist es, wenn sie lacht.

Sie ist Künstlerin und stellt, ganz logisch, derzeit in der Künstlerloge an der Ecke Bahnstraße/Calor-Emag-Straße aus. Ihre Bilder unter dem Titel "Fragmentarisch - Hannah Ahrendt" werden bis zum 7. Januar dort zu betrachten sein - natürlich rund um die Uhr, wie es bei dem durch die Verglasung stets einsehbaren Häuschen so gut möglich ist.

Razeea Lindner zeigt Bilder in Mischtechnik, zum Teil mit alten Stoffen aus dem Zweiten Weltkrieg, überarbeitet mit Acryl. Motiv ist im weitesten Sinne Hannah Arendt, "Jüdin, Exilantin, Frau ... wie sie sich selbst einmal bezeichnete", sagt die Künstlerin, und: "Eine der bedeuteten politischen Philosophinnen des 20. Jahrhunderts, die von den Ideen des Augustinus, Rachel Varnhagens, Emanuel Kants genauso geprägt wurde wie von ihren Lehrern Martin Heidegger, Karl Jaspers und der Denkgemeinschaft mit ihrem Ehemann Heinrich Blücher. Sie hat daraus ihre eigenen, starken Ideen entwickelt und gibt uns Impulse in jeder Hinsicht und in allen Aspekten des Lebens - wenn wir uns nur darauf einlassen."

Der Ausstellungsort ist Lindner schon seit den Kindertagen ihres Sohnes bekannt - der ist jetzt 29 Jahre alt und studiert Physik. Damals fuhr sie von ihrem Wohnort Hilden gelegentlich mit ihm zum Blauen See. Die Künstlerloge fiel ihr auf, weil sie selbst damals ein ähnliches Atelier hatte.

Wenn man ihr gut zuhört, dann wird schnell klar, dass sie immer ihre Heimat Mauritius im Herzen hat, aber nicht so, dass sie dauernd ihr deutsches Leben mit dem ihrer Kindheit vergleichen würde. Aber: Sie wärmt sich an einer wunderbaren Kindheit in einer liebevollen Familie mit verständnisvollen Eltern und mit den drei Geschwistern, mit Sonne, kreolischem Essen, abenteuerlichen Gewürzen, tollen Gerüchen.

"Jeder Mensch ist ein Anfang, dem durch die Tatsache seiner Geburt das Vermögen gegeben ist, Neues in Bewegung zu setzen", sagt sie. Sie hat nach dem Abitur auch einen neuen Start auf einem anderen Kontinent, studierte zunächst auf Diplom Kunst in England, dann in Paris, arbeitete schließlich in einem Düsseldorfer Designerbüro und gestaltete dort unter anderem ein Sammlerglas für einen großen deutschen Glasproduzenten, entwarf auch mal einen Teppich. Seit 1993 arbeitet Lindner als freie Künstlerin und hat eine ganz lange Liste von Ausstellungen im In- und Ausland.

Und was ihre Internationalität betrifft, so sei auch erwähnt, dass sie ihren Mann in der Toskana kennengelernt hat.

Doch nun geht es auf Weihnachten zu. Da steht sicher auch für Razeea Lindner das auf dem Programm, was landauf, landab die Herzen bewegt: "Driving home for Christmas". In ihrem Fall heißt es jedoch flying home for Christmas. Mutti wohnt fast 10.000 Kilometer und knapp einen halben Tag Flugzeit entfernt.

Quelle: RP
 
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