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An(ge)dacht
Die Hoffnung versüßt alles

Ratingen. Hoffnung ist wie der Zucker im Tee: Auch wenn sie klein ist, versüßt sie alles." So lautet ein Sprichwort, und in der Bibel heißt es: "Wenn keine Vision (Hoffnung) da ist, verwildert ein Volk" (Sprüche 29,18).

Ohne Hoffnung könnten wir nicht einmal das Vaterunser beten, denn dieses Gebet ist durch und durch getränkt von der Hoffnung auf Gottes kommende Herrschaft, in der Frieden der Alltag ist und nicht der Krieg, wo Menschen miteinander ihr Brot teilen und im Schatten unter dem Weinstock die Früchte ihrer Arbeit genießen, wo Menschen befreit sind und miteinander an einem reich gedeckten Tisch feiern.

Christliche Hoffnung nährt sich davon, dass unser Gott ein Gott ist, der sich in der Geschichte der Menschen engagiert, ja in ihr menschliche Gestalt annimmt und uns Menschen ermutigt und bewegt. Mir fällt dabei zum Beispiel Martin Luther King ein mit seinem großartigen Traum des Friedens.

Er sagte: "Mit diesem Glauben werden wir fähig sein, aus den Bergen der Verzweiflung den Stein der Hoffnung zu hauen!"

Mir fallen die Menschen und Nelson Mandela ein Südafrika ein, die gegen alle Widerstände an Ihrem Traum festgehalten haben, und mir fällt auch Dorothee Sölle ein, die überzeugt war:

"Glauben bedeutet, eine Vision (Hoffnung) zu haben. Nicht nur so einen privaten Traum, den man ganz für sich allein träumt, sondern einen großen Traum, den wir alle zusammen träumen können."

Diese Worte haben etwas Bestechendes! Besonders, wenn man auf die Arbeit in unseren Gemeinden denke. Da gibt es manchen Seufzer, weil immer weniger Menschen immer mehr Aufgaben zu bewältigen haben.

Wenn Menschen zwischen Hoffnung und Sicherheit wählen müssen, ziehen die meisten das zweite vor. Die christliche Hoffnung ist beunruhigend, sie rüttelt wach, sie stellt nie zufrieden, sie macht keine Kompromisse mit dem Bösen und hinterfragt vieles, sogar uns selber. Ihre Träger fühlen sich nicht wohl in einer Welt, wo die Armut, die Ungerechtigkeit, der Krieg, die Missachtung der Menschenrechte nicht aufhören und Menschen in die Flucht treiben.

Im Glauben und durch die Hoffnung sind wir zu einem Wächteramt in unserer Welt aufgerufen, vor allem, wenn deren Perspektiven finster zu sein scheinen.

Der paulinische Ruf zur Verantwortung "Seid wachsam, steht fest im Glauben, seid mutig, seid stark!" (1 Kor. 16, 13) ist nichts anders als der Aufruf zum Praktizieren der christlichen Hoffnung.

MICHAEL FÜSGEN PFARRER CHRISTUSKRICHE HOMBERG

Quelle: RP
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