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Analyse
Die Kneipenszene erfindet sich neu

Analyse: Die Kneipenszene erfindet sich neu
"Thums"-Chef Andreas Fischbach (r.) und Mitarbeiter Pascal Breitgoff wollen Comedy in der Kneipe etablieren. FOTO: A. Blazy
Heiligenhaus. Wirte, Stadtmarketing und Kulturbüro rücken zusammen. Gastronom Andreas Fischbach liefert eine Idee: Comedy im kleineren Format. Von Paul Köhnes

Doch, alte Stammgäste hat Andreas Fischbach selbstverständlich. Wenn er ihnen von seiner neuen Idee erzählt, bekommt er eine verblüffende Antwort: "Hatten wir früher auch schon." Die allerdings wird mit einem Augenzwinkern begleitet.

Früher, das heißt, zu Zeiten des legendären Wirts "Manni" Thum, der am Jazzklavier für höchst individuelles Entertainment sorgte. Heute, gut 1000 Tage, nachdem Fischbach das Traditionshaus mit den Schieferplatten und dem Schmiedeeisen an der Fassade schräg gegenüber dem Rathaus übernahm, denkt er natürlich nicht an die ewige Wiederkehr des Unterhaltungsgleichen. Sondern an "Popup-Comedy" eine Veranstaltungsreihe, an die er Erwartungen knüpft. Zur Premiere am kommenden Dienstag, 25. Oktober, 20 Uhr, kommen neben Moderator Lars Hohlfeld die beiden Comedians John Doyle und Ausbilder Schmidt.

Auf die Idee kam der junge Gastronom, selbst Ratinger, durch eine weitere Traditionskneipe - das "Talschlössschen" in Ratingen Süd. "Mit der Ratinger Kneipe werden wir ohnehin des Öfteren vergleichen", sagt Fischbach. Das Popup-Comedy-Konzept: Das Thums wird leergeräumt, es kommt eine Bühne rein und es folgen 90 Minuten Programm. Der Chef fasst es in drei Worte: "Comedians zum Anfassen."

Sich in der Region umzusehen, ist Teil seiner eigenen Standortanalyse. So beobachtet Fischbach inzwischen wachsenden Zuspruch beim Publikum aus den umliegenden Städten. Auch wenn das Thums nach wie vor "90 Prozent Stammgäste" habe. Zum organisatorischen Anker entwickelt sich mehr und mehr der Arbeitskreis "Gastronomie". Es sind Veranstaltungen wie "Heiligenrock", das Musikspektakel parallel in vielen Kneipen, die für eine Kneipenszene stehen, die sich neu erfindet. "Die Wirte untereinander helfen sich, sprechen sich ab", sagt Fischbach. Und sie blicken in die Zukunft. So wird das Heiligenhauser Weinfest künftig wohl nicht mehr auf dem Parkplatz der ehemaligen Firma Hitzbleck stattfinden können - das Gelände ist verkauft. "Hier müsste die Stadt aktiv werden und eine Alternative bieten. Denn der Weinmarkt hat definitiv an Bedeutung gewonnen. Es kommen schon Winzer, die bisher nur im Umland auf vergleichbaren Märkten vertreten waren."

"Das Veranstaltungsprogramm der Stadt kann sich das ganze Jahr über sehen lassen", sagt Kulturbüro-Chef Stephan Nau. "Und zwar unabhängig davon, ob der Veranstalter nun das Kulturbüro, das Stadtmarketing oder die einzelne Kneipe ist." Das seien lauter Angebote, die sich gegenseitig ergänzen, "keine Konkurrenz". Nau hält den Kontakt zu den Gastronomen ebenfalls über das Stadtmarketing. Nicht zuletzt, um Wünsche aufgreifen zu können. So werde sich "ein neuer Standort für das Weinfest ganz sicher finden lassen". Für den Verwaltungsmann ist aber auch klar: "Die Gastronomen arbeiten autark. Das heißt, von uns aus können wir bei Bedarf mit Kontakten zu Bands helfen oder anderswie unterstützen. Denn jede einzelne Veranstaltung ist ein Pluspunkt für die Stadt."

Quelle: RP
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