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Ratingen
Die Liebe zum Kino vom Vater geerbt

Ratingen: Die Liebe zum Kino vom Vater geerbt
Betreiberin Gabriele Rosslenbroich im topmodernen Vorführraum des Ratinger Kinos, vom Zuschauerraum aus gesehen. FOTO: achim blazy
Ratingen. Gabriele Rosslenbroich ist ihrem Stammpublikum im Kino am Markt bekannt. Als Mädchen wollte sie aus dem Lyzeum flüchten. Von Gabriele Hannen

Als Werbespruch für Lichtspielhäuser war in den 50ern des letzten Jahrhunderts "Mach dir ein paar schöne Stunden - geh ins Kino" bekannt. Da war der Mettmanner Kaufmann Hubert Rosslenbroich schon gut im Geschäft. In seiner Heimat betrieb er bereits ein Lichtspielhaus. Und 1950, als seine zweite Tochter Gabriele geboren wurde, eröffnete er an der Oberstraße das Metropol-Kino.

Den ersten Vornamen wählte der Vater aus, und zwar nach dem Film "Gabriela" mit Zarah Leander, die der Vater sehr verehrte. Die weiteren Vornamen - Elisabeth Leonie - sollen nicht unerwähnt bleiben, spiegeln sie doch ihre hohe Zeit wider. Ins Haus Rosslenbroich wurden dann noch zwei Mädchen hineingeboren. Bis auf eine sind sie noch heute mit dem Kino verbunden.

Gabriele Rosslenbroich, die ihrem Ratinger Stammpublikum in den Kinos 1 und 2 am Markt gut bekannt ist, die seit mehr als 35 Jahren immer wieder Neues anschiebt und mit Recht das Kino als unverzichtbaren kulturellen Teil Ratingens bezeichnet, wurde zwar in einer künstlerisch-professionellen Familie groß, wurde aber mit ganz besonderen väterlichen Wünschen auf den Lebensweg geschickt. Die sahen eine kaufmännische Ausbildung vor und, ohne jeden Kompromiss, ein erfolgreich absolviertes Haushaltungsjahr.

Das konnte man als Mädchen aus Mettmann nur schaffen, wenn man sich ins Internat der "Schwestern unserer lieben Frau" stecken ließ und ordentlich mitarbeitete. Fleiß war kein Problem, Grips auch nicht - aber Heimweh schon. Und wenn der Vater dann abends vom Ratinger Kino zurück nach Mettmann fuhr und vor dem Lyzeum nochmal herzhaft auf die schrille Autohupe drückte, dann wurde das Kinderherz hinter den Klostermauern schon schwer. Es gab Fluchtversuche, es gab aber doch einen gescheiten Abschluss des Haushaltsjahres. Den hatte die zwei Jahre ältere Schwester Margarethe, jetzt Papenhoff, schon vorgelegt.

Nun wollte die Schülerin Gabriele eigentlich Kindergärtnerin werden. Doch sie ging zur Handelsschule, wurde als Programmiererin ausgebildet, reiste viel und weit. Doch schon als Kind hatte sie alles das begeistert aufgenommen, was ihr Vater ("Er war ein wahrer Schöngeist, er konnte auch unglaublich gut singen") der Familie geboten hatte: Oper, Konzert, Architektur. Und die auch in Italien, so weit der Wagen mit den Weißwandreifen rollte. Und den Rosslenbroich-Mädchen war das beschert, was früher viel häufiger möglich war: im elterlichen Betrieb groß zu werden, zu helfen, Spaß zu haben, schon früh als erwachsen angesehen zu werden.

Sie spielten in den Kulissen, wenn in den Kinos auch mal andere Aufführungen stattfinden, schauten sich die Filme an (auch die mit Vampiren), zählten Schokolinsen für den Verkauf in Cellophan-Tütchen, lernten Künstler kennen. Gabriele Rosslenbroich erzählt mit leuchtenden Augen. Sie gibt diese Begeisterung an das Ratinger Kino weiter - und zwar so, dass der Besucher es merkt. Adelheid Böhme aus Düsseldorf zum Beispiel, die regelmäßig hier Filme ansieht, meint: "Ich schätze das gute Programm und die Atmosphäre. Und auch das Kissen, das man ausleihen kann."

Quelle: RP
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