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Ratingen
Die "Nette Toilette" ist für alle da

Ratingen: Die "Nette Toilette" ist für alle da
FOTO: Blazy, Achim (abz)
Ratingen. Nach einem erneuten Anlauf haben sich Gastronomen gefunden, die ihre Toiletten öffentlich zugänglich machen. Von Joachim Preuss

Manche Dinge benötigen mehrere Anläufe bis zum Start. Das gilt auch für das Projekt "Nette Toilette" in Ratingen. Wer als Gastronom mitmacht, stellt seine Klos jedermann zur Verfügung. Anfangs hatte sich niemand begeistern lassen. Nun vermeldet Nina Bauer vom Ratinger Stadtmarketing (RMG) einen Erfolg: Es gibt die ersten Teilnehmer. Dafür soll die öffentliche Toilette am Markt geschlossen werden. Bis dahin dauert es aber noch etwas.

Mit öffentlichen "Bedürfnisanstalten" ist Ratingen bekanntlich nicht gut versorgt. Es gibt seit vielen Jahren immer wieder Beschwerden, besonders auch von Senioren. Neben dem Kellerklo am Marktplatz gibt es eine Behindertentoilette am Technischen Rathaus an der Minoritenstraße. Desweiteren kann man im Museum und im Kiosk am Düsseldorfer Platz mal "müssen".

Das " Perfetto" öffnet die Türen für Toilettenbesucher. Betriebsleiter Christopher Wygocki macht bei der "Netten Toilette" mit. FOTO: Achim Blazy

Rückblende: Schon im Jahre 2005 hatte die RP auf die niederrheinische Gemeinde Kranenburg im Kreis Kleve verwiesen. Dort prangten schnell überall Schildchen mit dem Hinweis "Nette Toilette". Inzwischen hat sich das System in vielen anderen Kommunen bewährt. Die SPD-Fraktion sprach sich 2011 statt einer "kostenintensiven Sanierung" der unterirdischen WC-Anlage für eine Teilnahme an der Aktion "Nette Toilette" aus. Wesentliche Gründe: Die Pflege und die Wartung der öffentlichen Toiletten seien enorm teuer, so SPD-Fraktionschef Christian Wiglow damals, neue Toiletten bedeuteten zudem hohe Investitionen. Doch ein erster Anlauf scheiterte: Nur wenige Wirte hatten überhaupt eine Rückmeldung gegeben, einige verlangten Aufwandsentschädigungen: Zwei wollten jährlich 7800 Euro Pauschale haben plus 1500 Euro Materialkosten.

Doch bei der RMG ließ man nicht locker. Nina Bauer unternahm einen neuen Vorstoß, nun mit Erfolg. Vier Gastronomen machen mit: Perfetto, Kleiner Prinz, Arcadia und Frankenheim am Markt. Der Pächter vom Bürgerhaus, die Privatbrauerei Frankenheim, hat sich nach Angaben der Stadt bereits vertraglich verpflichtet, seine Örtchen gratis zur Verfügung zu stellen. Die Übrigen erhalten eine monatliche Aufwandsentschädigung zwischen 125 bis 150 Euro.

Bei der RMG verspricht man sich "positive Synergieeffekte für Stadtmarketing, Handel und Gastronomie sowie für die Bürger und die Besucher der Innenstadt". Es sollten ein angenehmerer Einkauf und eine verbesserte Aufenthaltsqualität erreicht werden.

Deutschlandweit beteiligen sich bereits 208 Städte am Konzept "Nette Toilette". In NRW sind es 40 Städte, davon mit Düsseldorf und Haan zwei in unmittelbarer Nachbarschaft. Nach Vorstellung des Projekts im Aufsichtsrat und dessen Zustimmung hat die RMG intensive Gespräche mit einer Reihe von Ratinger Gastronomen im Innenstadtbereich geführt. Es sind zunächst vorrangig Lokale, die sich in einer der vom Marktplatz ausgehenden Straßen befinden, angesprochen worden, so das Amt für Gebäudemanagement. Durch die Einführung der "Netten Toilette" gibt es in der City nach Meinung der Verwaltung ein mehr als ausreichendes Angebot an Toilettenanlagen. Es wird daher vorgeschlagen, die öffentliche Toilettenanlage Am Markt zu schließen. Sie sei dringend sanierungsbedürftig und seit geraumer Zeit kein innerstädtisches "Aushängeschild" mehr.

Die Sanierung mit einem behindertengerechten Aufzug würde mindestens 200.000 Euro kosten. Die Kostenschätzung aus dem Jahr 2013 für eine Sanierung ohne Aufzug beläuft sich auf rund 45.000 Euro. Die Anlage ist an einen privaten Betreiber verpachtet, der für den eigenverantwortlichen Betrieb ein monatliches Entgelt in Höhe von 900 Euro netto erhält.

"Die Schließung der Anlage spart neben dem hohen Investitionsaufwand somit auch die laufenden Unterhaltsaufwendungen", so die Stadt.

Die Aufgabe der Markttoilette sollte nach Angaben der Stadt auch für die Marktbeschicker akzeptabel sein, so die Verwaltung.

Quelle: RP
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