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Analyse
Die Stadt in der Zuhörerrolle

Analyse: Die Stadt in der Zuhörerrolle
Das ehemalige Bundeswehrdepot in Heiligenhaus an der Talburgstraße wird Flüchtlingsstandort. FOTO: achim blazy
Heiligenhaus. Wenn das Land Platz für 1000 Flüchtlinge an der Talburgstraße schafft, senkt das zwar die Zuweisungsquote für die Stadt, löst aber kein Problem. Von Paul Köhnes

Die Pläne, wie, wo und ab wann Flüchtlinge in diesem Jahr in der stadt unterkommen werden, haben zwei Dimensionen.

Zunächst die rein städtische. Der Umbau der zentralen Unterbringung an der Ludgerusschule läuft. Zusätzlich wird an 20 Adressen in der Stadt Wohnraum gesucht. Gespräche mit potentiellen Vermietern laufen. An der Harzstraße 9 muss sich ein besonderes Konzept bewähren: In drei Dutzend Wohnungen sollen 130 Flüchtlinge unterkommen, begleitet von Sozialdienst, unterstützt von ehrenamtlichen - zum Beispiel aus der Bürgergemeinschaft Oberilp. :Dass dieses Projekt kaum ein Selbstläufer werden dürfte, zeigte schon der Infoabend für Bürger vor zwei Wochen. Zwar stimmte den Abend über die Tonlage jederzeit, aber die Zweiteilung der Meinungen blieb greifbar: Der Wunsch zum Kennenlernen steht auf der einen, die massive Skepsis gegenüber der Lösung auf der anderen Seite. Vor weiteren Herausforderungen steht das Jugendamt. Dessen sorge um alleinreisende jugendliche Flüchtlinge bindet - abseits aller absoluten Zahlen - starke Kräfte. Das liegt nicht zuletzt am unendlich komplizierten Verfahren zwischen Ankommen und Bleiben. Dass alle Grundsätze der deutschen Jugendhilfe auf junge Flüchtlinge angewendet werden, ist eine Selbstverständlichkeit - aber eine, die sich hart am Rande der Umsetzbarkeit bewegt.

Weniger randscharf ist die zweite Dimension — hier kommt das Land ins Spiel. Die Schule am Sportfeld (nebst Turnhalle) braucht die Bezirksregierung nicht mehr als Erstanlaufstelle, wenn auf der Fläche des alten Bundeswehrdepots Leichtbauhallen 1000 Flüchtlinge aufnehmen werden. Am Sportfeld werden mutmaßlich weiter Flüchtlinge leben - dann wieder in Obhut der Stadt. Denn es gibt dann dort 300 Landesplätze weniger, die auf die Quote für Heiligenhaus angerechnet werden können. Andererseits haben die zukünftigen Hallen die dreifache Kapazität.

Das alles bietet Stoff genug für eine weitere Bürger-Infoveranstaltung. Ein Termin hierfür muss schnellstens auf den Tisch. Düsseldorf ist am Zug, der Stadt bleibt die Rolle des Zuhörers.

Quelle: RP
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