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Ratingen
Die Trauerkultur an der Friedhofstraße

Ratingen: Die Trauerkultur an der Friedhofstraße
Der evangelische Teil hat weniger Pflanzenschnitt. FOTO: Blazy Achim
Ratingen. Auf dem Friedhof gibt es einen evangelischen und einen katholischen Teil mit einigen Besonderheiten. Ein Rundgang. Von Gabriele Hannen

Mal ohne Spaß: Der Gottesacker an der Friedhofstraße sieht tatsächlich in der späten Dämmerung am schönsten aus. Dann leuchten unzählige Grablampen und werfen flackerndes Licht auf die bunten Blumen, die auch jetzt noch blühen. Gewiss sollte man kein banges Naturell haben - doch man kann sich an anderen Stellen in Ratingen abends bestimmt unsicherer fühlen als hier zwischen den Gräbern.

Über Tag allerdings büßt er einiges von seiner beschaulichen Ausstrahlung ein; die allbekannten Stürme und Unwetter der letzten Jahre haben den Bäumen übel mitgespielt. Die meisten Schattenspender sind deshalb einfach verschwunden.

Auf diesem evangelischen Teil des Friedhofs stehen auch mehrere prächtige, große Eichen. FOTO: Blazy Achim

Einmal, weil sie mit losen Zweigen gefährlich waren, zum anderen aber auch, weil die Beseitigung des mit den Bäumen verbundenen Laubs teure Arbeitsstunden bedeutet. Ein Friedhof muss sich auch finanziell tragen.

Dennoch: Schaut man vom Haupteingang über den mittleren Hauptweg einfach mal geradeaus, sieht man eine adrett bepflanzte Anlage mit meist höchstens hüfthohem Bewuchs, mit gekapptem Buschwerk, das hier und da die charmante Ausstrahlung von Kartons hat, mit vielen kahlen Stellen. In der Ferne allerdings, auf dem evangelischen Teil des Friedhofs, da wachsen tatsächlich noch Bäume in den Himmel, in deren Schatten man sich im Sommer auf einer Bank ausruhen kann.

Der katholische Teil des Friedhofs hat einen deutlich stärkeren Beschnitt der Pflanzen und Bäume. FOTO: Blazy Achim

Bernd-Ullrich Dietz, Kirchenvorstandsmitglied und Vorsitzender des Friedhofsausschusses von St. Peter und Paul, hat in den vergangenen Jahren ganze Arbeit geleistet: Da liegen jetzt keine Gießkannen und Pflanzschalen mehr schlampig hinter den Grabmalen, da kann man Gießkannen, Gartengerät und sogar Schubkarren ausleihen.

Die Baumkronen am Hauptweg sind kugelig und akkurat gestutzt, nachlässige Grabpflege wird alsbald gegeißelt. Dennoch ist hier kein parkartiger Friedhof, sondern ein ordentlicher, der für alle Ratinger Katholiken reichlich Platz bietet.

Ein Engel auf dem Grabstein, fotografiert auf dem evangelischen Teil des Friedhofs. FOTO: Achim Blazy

Neu - und von Pastor Schilling beantragt und von Kardinal Woelki für zwei Jahre erlaubt - ist, dass die Pastoralreferenten Thomas Golbach und Ralf Gassen ab sofort einen "außerordentlichen" Dienst ausüben, nämlich die Leitung von Beerdigungen. Ist eine Beisetzung allerdings mit der Feier von Exequien verbunden, bleibt sie in den Händen von Priestern.

Am morgigen Sonntag endet das Kirchenjahr. Der Tag heißt Toten- oder Ewigkeitssonntag und ist von König Friedrich Wilhelm III. von Preußen im Jahr 1816 angeordnet worden, "um der Verstorbenen zu gedenken". Was vor allem bei evangelischen Christen Anklang fand. Somit die Parallelveranstaltung zu Allerheiligen.

Pastor Gert Brinkmann besucht mit seinen Konfirmanden gelegentlich die Friedhöfe. Sie entdeckten auf den Grabsteinen bis zu 40 Symbole, die allesamt Leben und Hoffnung ausstrahlen und eben mehr für Erlösung als für Finsternis stehen. So ist denn der Kirchhof insgesamt zu sehen, so soll auch die Friedhofsordnung zu verstehen sein, die den Verstorbenen eine Würdigung garantieren soll.

Wenn man sie einmal genau liest - sie ist im Internet über die Website von St. Peter und Paul zu finden - sieht man, dass sie in einzelnen Passagen nicht einer gewissen Groteske entbehrt ("ist es nicht gestattet, .. zu spielen, zu essen und zu trinken...).

Würde hin, Erinnerung her: Nach dem Übertritt vom Diesseits ins Jenseits bleibt irdisch eine Gedächtnisstätte, deren Ausstattung Geld kostet.

Da gibt es die Reihengräber, die Wahlgräber, beides auch noch für Urnen, mit gebührenpflichtiger Ruhe- und Nutzungszeit, da gibt es Stelengräber (die Namen sind auf Stelen zu lesen), auch simple Gräber einfach im Rasenfeld.

Die machen Verwaltung und Gärtner oft Stress, denn die Angehörigen, die eigentlich auf Grabpflege verzichten wollten, stellen dennoch Lichter und Blumenschmuck dort ab, wo nichts stehen soll, weil immer wieder gemäht werden muss.

Insgesamt gehören diese Rasenfelder nicht zu den attraktivsten Ecken des Friedhofs. Mancher Nippes, künstliche Blumen und auch Schals von Fußballvereinen sind auch an anderer Stelle nicht wirklich erwünscht. Und alles kostet natürlich.

Doch es gibt auch einen sehr schönen Bereich des Friedhofs: Dort sind Grabmale von aufgegebenen Gräbern aufgestellt, die den Betrachtern nicht nur die Friedhofskultur des 19. Jahrhunderts vor Augen führen, sondern auch für Historiker interessant sind. Bäume können wieder gepflanzt werden, Grün sollte auch bald wieder zu sehen sein. Geschnittenes Grün kann wieder wachsen - die Bestattungskultur muss es.

Quelle: RP
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