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Ratingen
Die Über-Mittag-Betreuung wird 20

Ratingen: Die Über-Mittag-Betreuung wird 20
Der Verein feierte in der Manege mit den Gründungsmitgliedern (von links): Klaus Konrad Pesch, Gerd Schröter, Edith Bohnen, Christa Seher-Schneid und Marie Therese Wirtz-Doerr.. FOTO: abz
Ratingen. Rund 1300 Ratinger Kinder bekommen ein Essen, lernen und spielen: Eine gute Idee hat Geburtstag. Von Dirk Neubauer

Den aktuellen Bürgermeister als Gründungsmitglied - welcher Verein hat das schon? Der 20. Geburtstag lockte mehr als 200 stolze Gäste ins Jugendzentrum Manege. Schuldirektoren, Lehrer, Verwaltungsexperten, Politiker - alle kamen unter einem gemeinsamen Grundgedanken: Da wird etwas richtig gemacht - in Ratingen, notfalls auch gegen die Widerstände von Landesbehörden. Nur die Sache mit dem Namen will jetzt niemand mehr verantworten: "Verein zur Förderung der Über-Mittag-Betreuung in Ratingen" - länger und komplizierter ging es wohl wirklich nicht. "Ich weiß nicht mehr, was wir uns dabei gedacht haben", grübelte Gründerin Christa Seher-Schneid vor allen Gratulanten auf der Bühne. Bürgermeister und Mit-Gründer Klaus Pesch hingegen hat mit dem Zungenbrecher nach eigenem Bekunden überhaupt kein Problem: "Ich finde diese austauschbaren Kürzel viel schlimmer. Den Namen kann man sich wenigstens merken."

Es begann mit acht Grundschulen, acht Betreuerinnen und 87 Kindern. Mittlerweile kommen rund 1300 Kinder zur "ÜMB", wie die Übermittagsbetreuung abgekürzt wird. An zehn Grundschulen bietet der Verein die klassische Variante an - Betreuung von Mädchen und Jungen bis 14 Uhr. So sind sie damals entstanden: Für Kinder, deren Eltern Vollzeit arbeiten (mussten), gab es den Hort. Für solche aber, die wegen ihrer Kinder auf eine Halbtagsstelle gegangen waren, gab es 1997 - nichts. Bis sich die ÜMB gründete. Mittlerweile ist der Verein aber auch Partner für den offenen Ganztag, Ogata, an neun Schulen. Es gibt eine Schulsozialarbeit. Und aus der zwischenzeitlichen Di-Mi-Do-Betreuung von U-3-Kindern mit einem Anspruch auf einen Kindergartenplatz sind in Ratingen-Mitte und in Tiefenbroich immerhin noch Spielgruppen übrig geblieben.

"Ich habe mir damals zur Gründung eigentlich gar nichts gedacht", gab Christa Seher-Schneid zu. Der Bedarf war da. So viel erkannten die Verantwortlichen spätestens 1995. Der Sozialdienst Katholischer Frauen, SKF, hatte auf die Mittagslücke aufmerksam gemacht. Doch bis sich der Verein gründen konnte, waren zahlreiche Klippen zu umschiffen, wie sich Klaus Pesch erinnert: "Haftungsfragen, Anstellungsverträge, Bezahlung - weil es sowas noch nicht gegeben hatte, war das alles schwierig." Überall holten sich die Ratinger Hilfe.

Dann ging es schnell: Am 23. April 1997 legte der Verein mit dem langen Namen laut Ergebnisprotokoll eine Gründungsversammlung mit sieben Mitgliedern hin, die von guter Vorbereitung zeugt. Binnen einer Stunde wurden der Verein gegründet, die Satzung wurde beschlossen und der erste Vorstand gewählt. Sechs der sieben Mitglieder waren bei der Geburtstagsparty anwesend; drei sind noch aktiv. Der aktuelle ÜMB-Vorstand dankte der Stadt Ratingen, die die Über-Mittag-Betreuung seit Jahrzehnten unterstützt. Da werden Räume zur Verfügung gestellt und hergerichtet, Einrichtungszuschüsse für Gruppen gewährt und in Ost sogar ein eigener Neubau erstellt. Umgekehrt ist der Verein ein anerkannter Träger der Jugendhilfe. Die ÜMB arbeitet nach eigenem Eindruck mit allen Ämtern vertrauensvoll zusammen. Und entwickelt zusammen mit allen Beteiligten kreative und unbürokratische Lösungen. Auch künftig - so versprachen alle Beteiligten - werde das Kind im Mittelpunkt all dieser Anstrengungen stehen.

Quelle: RP
 
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