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Ratingen
Doktorarbeit über den Architekten Lambart

Ratingen. Man sollte es sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Hat eine Frau bei einem Promotionsverfahren alle Prüfungsleistungen erbracht, ist ihre Dissertation aber noch nicht veröffentlicht, so lautet ihr Titel Dr. des., was doctrix designata bedeutet. Das ist gegenwärtig Alexandra Apfelbaum, gebürtige Dortmunderin, die ihre Doktorarbeit über das Werk von Bruno Lambart verfasst hat und Grundlagen dieser Arbeit in der kommenden Woche in Ratingen vorstellt. Von Gabriele Hannen

Die 38-Jährige, die Kunstgeschichte mit dem Schwerpunkt Architekturgeschichte studiert hat, arbeitet derzeit als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Geschichte und Theorie der Architektur an der Technischen Universität Dortmund, ist seit dem vergangenen Jahr Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Grundlagen und Theorie der Baukonstruktion, und hat Vielfältiges für die Katalogisierung und Sicherung auch von Architekten-Nachlässen getan.

Als sie sich jedoch an die Arbeit über Bruno Lambart machte, war der noch aktiv im Geschäft und hoch interessiert an ihrem Anliegen. "Es ist nicht unheikel, über einen Zeitgenossen zu arbeiten", erklärt Apfelbaum, "das muss ja nicht unbedingt immer harmonisch ablaufen". Aber mit Lambart und seiner Ehefrau Christa fand sie freundliche Partner, die ihre Arbeit unterstützten und wertschätzten. Vor gut einem Jahr dann starb Bruno Lambart mit 90 Jahren. Da aber war die Doktorarbeit im Großen und Ganzen schon fertig.

In Ratingen ist er erst einmal als der Burgherr auf Haus zum Haus bekannt, der dort residierte, sein Büro im alten Gemäuer betrieb und selber als liebenswerter Small-Talker und freundlicher Gast bei den Konzerten unterwegs war, die seine Frau für die Stiftung Haus zum Haus veranstaltet. Das war alles möglich geworden, nachdem - und mit der Unterstützung des damaligen Ratinger Bürgermeisters Wolfgang Diedrich - die Übernahme der verrotteten Wasserburg-Anlage mit anschließendem Um- und Ausbau über die Bühne gegangen war. Diedrich heute: "Ich habe Lambart immer sehr geschätzt und war von seinen innovativen Bauten, wo immer sie entstanden, sehr beeindruckt".

Doch außer der Wiedererweckung der Wasserburg hat er etliche Projekte in Ratingen verwirklicht, die in der Dissertation erwähnt und auch in der kommenden Woche im Konzerthaus als Zeichnungen und auf Fotos zu sehen sein werden.

Es sind: das Jugendzentrum Manege und das Postamt in Lintorf, das Ärztehaus und die Käthe-Kollwitz Realschule Ratingen-West, Altes Steinhaus, das Medienzentrum, der Arkadenhof am Obertor, eine Wohnbebauung an der Fester Straße, Arbeiterwohnungen und Werkstätten Cromford. Ja, und tatsächlich auch das "Büdchen" am Straßenbahn- und Busbahnhof Düsseldorfer Straße. Wenn ein an Schaffen reiches Leben lange währt, kann man bei der Beschreibung und Beurteilung aus dem Vollen schöpfen - selbst wenn man die Zeiten und ihre Strömungen selbst nicht miterlebt hat. Da war Bruno Lambart eine hilfreiche Größe. Auch - oder gerade weil - er verlangte, "dass diese Arbeit keine Lobhudelei werden soll".

In der Gesamtsicht auf Lambarts Werk in 41 Jahren ist nicht nur der Wandel der Bonner Republik in ihren Stein, Glas und Beton gewordenen architektonischen Manifesten abzulesen, sondern sind das auch Nationen übergreifende Trends. Zu Beginn wurden wahre Massen von Schulen gebaut (da gab es noch Volksschulen).

Es entstanden Riesen-Bauwerke, industriell vorgefertigt, es wurden Universitäten, Krankenhäuser, Großstrukturen aus dem Boden gestampft - wenngleich nicht unbedingt lieblos. Und es gab auch noch die "Kunst am Bau", die heutzutage gern unerwarteten Kostensteigerungen zum Opfer fällt.

Später dann kehrten Mauersteine zurück, wurde kleinteilig gestaltet, fanden traditionelle Gestaltungselemente wieder Gnade, wurde im städtebaulichen Kontext geplant. Da kümmerte sich Lambart um die Ratinger Wasserburg und sein Herrenhaus in Gelsdorf bei Bonn. Auch das wurde vom Trümmerstück zum Diamanten umgestaltet.

Und was gefällt Alexandra Apfelbaum besonders gut in der Überfülle des Gebauten? Zum Beispiel die Mensa in Bochum Ostendorf. Auf jeden Fall ist sie mit den Objekten auf du und du.

So kann sie den Besuchern der Ausstellung wie den Zuhörern bei der Eröffnung eine Menge über Architektur allgemein und über Bruno Lambarts Architektur im Besonderen erzählen.

Quelle: RP
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