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Ratingen
Ein Diplom für junge Kulturinteressierte

Ratingen. Drei Jahre und sechs Nachweise über den Besuch diverser Kultureinrichtungen braucht es, um Kulturstrolch zu sein. Von Valeska von Dolega

Wer würde annehmen, dass lieblich lächelnde Viertklässlerinnen wie Hanna, Viola oder Charlotte (alle 9) es faustdick hinter den Ohren haben? Ebenso wie Philipp, Jonas und Eric (alle 9) sind sie Strolche. Diplomierte Kulturstrolche, um genau zu sein.

"Kino, tanzen, Zoo und Museum", zählte Patrizia Stationen auf dem Weg zum Diplom auf. "Das Coolste war der Theaterbesuch", für sie und ihre Klassenkameraden standen die "Bremer Stadtmusikanten" auf der Bühne. "Jetzt bin ich berühmt!", strahlte auch Alessa, nachdem ihr hochoffiziell von Kulturamtsleiterin Andrea Töpfer die Kulturstrolchdiplomurkunde verliehen wurde. So wie 174 weiteren Kindern, die die Heinrich-Schmitz-Grundschule, Gebrüder-Grimm-Grundschule oder Minoritenschule besuchen.

Diese feierliche "Diplomfeier" im Stadttheater ist der traditionelle Abschluss, mit dem die kleinen Strolche geehrt werden. Als "Teil der Jugendarbeit", wie Andrea Töpfer und ihr Kollege Andreas Mainka wissen, werden Grundschüler ab Klasse zwei animiert, verschiedene Kultursparten zu entdecken. Wer nachweislich sechs Stationen mit Vor- und Nachbereitung schafft, wird Kulturstrolch.

Die Stadt Münster hatte die Idee entwickelt, nach einer Pilotphase ist Ratingen seit dem Schuljahr 2008/2009 dabei. Zur Finanzierung werden Mittel aus der Landesförderung genutzt. Pro Kalenderjahr sind es 7800 Euro, die für Kulturliebhaber in spe investiert werden. Der sogenannte Angebotskatalog wird von Ansprechpartner Andreas Mainka meist Ende April an die teilnehmenden Schulklassen ausgehändigt. Immer anders sind die Theateraufführungen - je nachdem, wer gastiert "und welche Ensembles ein pädagogisches Angebot zur Nachbereitung anbieten".

Schließlich geht es bei den Schnupperterminen zwischen Gabriele Rosslenbroichs Kino, im Museum Ratingen, in der Kinder- und Jugendabteilung der Stadtbücherei oder an geschichtsträchtigen Stationen wie dem Oberschlesischen Landesmuseum in Hösel oder dem Industriemuseum Cromford ja nicht allein ums vordergründige Entdecken, sondern auch um die nachhaltige Auseinandersetzung. Die im besten Fall eine lebenslängliche Liebe ist.

"Erst haben wir den Ausweis gekriegt", erinnert sich Teilnehmer Philipp, jetzt in der letzten Grundschulklasse der Gebrüder-Brüder-Grimm-Schule. "Und dann haben wir ,Das kleine Gespenst' im Theater gesehen."

Das, so erinnert der Neunjährige sich, war nicht nur "toll, dafür gab es einen Sticker". "Es hat viel Spaß gemacht", resümierten Chiara, Babette und Sophia. Außerdem freuten sie sich über "die erste Kultururkunde". Freitagvormittag nun war offizielle Diplom-Verleihung, Musikbespaßung mit Olaf Wiesten inklusive.

An der Seite von Andrea Töpfer und Andreas Mainka durften Klassensprecher wie Amelie und Marc von der Minoritenschule oder Emilia und Fabian von der Heinrich-Schmitz-Schule die Namen der Ausgezeichneten verlesen.

Zur Urkunde gab es einen Flyer, denn als Diplomstrolch geht die Entdeckertour durch Literatur, Kunst und Co. mit dem Projekt "Kulturrucksack" für Zehn- bis 14-Jährige weiter. "Neuerdings in Kooperation mit dem Jungen Schauspielhaus Düsseldorf." Aber auch mit Ausflügen nach Köln und vielen Workshops in Ratingen.

Quelle: RP
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