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Heiligenhaus
Ein ganzer Arbeitstag für "meine Stadt"

Heiligenhaus: Ein ganzer Arbeitstag für "meine Stadt"
Angeleitet von Hannes Johannsen, dem Chef des Umweltbildungszentrums (mit Helm), machen sich Mitarbeiter der High-tech-Firma Helbako an ein ungewohntes Geschäft: Bänke bauen. FOTO: (2): Achim Blazy
Heiligenhaus. Über 120 gute Ideen, 50 beteiligte Einrichtungen, mehr als 80 Firmen und viele begeisterte Helfer - darunter Flüchtlinge, die in der Stadt leben. Der erste Aktionstag der Schlüsselregion war ein erfolgreiches Mammutprojekt. Von Sandra Kreilmann

Es ist ein Tag, wie ihn das Niederbergische noch nie gesehen hat. In Schulen, Kindergärten, auf Sportplätzen, in Wohnheimen für Kinder, Alte und Behinderte, beim THW, dem Roten Kreuz, dem Tierheim und dem Club wurde gestern ordentlich geschuftet und das ganz freiwillig. Mehr als 80 Firmen aus der Region und dem näheren Umkreis stellten gestern mindestens einen Mitarbeiter frei, der einen Tag lang in einem der mehr als 120 angebotenen Projekte mithalf. Vor allem - aber nicht nur - waren handwerkliche Tätigkeiten gefragt, wie zum Beispiel auf dem Sportplatz an der Talburgstraße.

Dort wurde die Außenwand der Umkleidekabinen gestrichen. Die Vorarbeiten, wie die Grundierung sind bereits seit Anfang der Woche getätigt worden, das "Sahnehäubchen", die Vereinsfarben mit der stilisieren Torwand gab es gestern im Rahmen des Aktionstages. "Wir wollten eh streichen, da passte es mit dem Aktionstag gut zusammen", erklärte Werner Wenzler von der SSVg. Gemeinsam mit dem Sportverein, genauer der Jugendabteilung der Fußballer, arbeiteten insgesamt vier Mitarbeiter der Velberter Firma Vitz-Metallguss und den Heiligenhausern der Firma Miguss Peter Mies.

Tatkräftige Hilfe gab es aber noch von drei Bewohnern des benachbarten Flüchtlingsheims. "Auch das war eine Idee, die sofort Anklang fand, vielleicht nimmt das einigen der Bewohner die Hemmung, zu uns zu kommen, und wer weiß, welche Verbindungen sich noch so ergeben." Bei so einem Tag gehe es genau darum, darüber sind sich alle einig, es gehe um die Gemeinschaft. "Vielleicht knüpfen die Flüchtlinge hier Kontakte, die sie sonst nicht bekommen würden." Und es ginge auch, um das offene Ohr.

Man geht aufeinander zu: Für Malerarbeiten an der Sportanlage Talburgstraße konnte die SSVg unter anderem auf Hilfe von Flüchtlingen setzen. FOTO: Blazy, Achim (abz)

Und so hören sie sich die Geschichten der Flüchtlinge an. Chris zum Beispiel kommt aus Südafrika, Biko aus Nigeria, Erwin aus Albanien. Für sie ist der Aktionstag eine gute Möglichkeit, um mal herauszukommen aus dem Heim, wo mitunter bis zu zehn Menschen in einem Zimmer hausen. 23 000 Glockenschläge erklangen gestern für die Flüchtlinge, die es nicht geschafft haben, die Flucht über das Mittelmeer zu überleben.

Für Chris und Biko erklangen sie nicht, sie haben ihre riskante Flucht über das Mittelmeer hinaus den schlimmen Verhältnissen in ihren Heimatländern überlebt, doch als Flüchtling in Deutschland haben sie auch kaum eine Zukunft, sagen sie. "Ich will gerne arbeiten, etwas tun, etwas zurückgeben, doch ich darf nicht", sagt Chris. Mit den anderen sprechen sie Englisch, nur vereinzelt bauen sie deutsche Wörter ein, Sprachkurse gebe es für sie nicht. "Durch solche Projekte wäre es vielleicht sogar möglich, dass sie eine Firma finden, die sie einstellen würde, aber sie dürfen eben nicht arbeiten."

In Zusammenarbeit mit der Diakonie, die die Bewohner betreut, ist dabei nicht nur der Aktionstag entstanden, sondern auch ein Fußballspiel ist geplant. Der Velberter Firmenchef Paul Otto Vitz hat sich von der Begeisterung seines Sohnes für die Aktion anstecken lassen. "Mein Sohn Philipp hat gesagt, da machen wir mit! Und schnell war auch klar, dass wir auf dem Sportplatz helfen. Die Aktion finde ich gut." Brücken schlagen also gelungen, vor allem zwischen Menschen, die hier leben.

Quelle: RP
 
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