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Ratingen
Ein Roman, zwei Sprachen, drei Fassungen

Ratingen. Emanuel Bergmann begeisterte mit einer Lesung aus seinem Erstlingswerk "Der Trick".

Wenn ein junger Mann sein Abitur in Saarbrücken gemacht hat und ihm ein Studium in Kalifornien ermöglicht wird, dann muss er schon zwangsläufig sagen, dass ihm Saarbrücken zu eng geworden ist. Und wenn er dann auch noch in Los Angeles angekommen ist, um Film und Journalismus zu studieren - dann träumt er natürlich vom Auswandern. Mit den Ideen ist Emanuel Bergmann, inzwischen auf 44 Jahre herangereift, nun wirklich kein Exot gewesen. Was ihn aber auszeichnet, ist der Erfolg seines Erstlingsromans "Der Trick". Er stellte dieses Buch nun in der Ratinger Altstadtbuchhandlung vor.

Und man war begeistert. Mit gutem Willen und geschicktem Stuhlaufbau konnten Sven Rabanus und seine Mitarbeiterinnen einige Dutzend hoch interessierter Leserinnen (in der Mehrzahl) und Leser in den Mäandern des Geschäftes so unterbringen, dass alle den Autor im Blick hatten und auch noch so bequem saßen, dass keinesfalls Ungemütlichkeit zum vorzeitigen Aufbruch verführte.

Äußerlich war alles paletti, innerlich aber auch. Nach einer Lesereise mit 23 Stationen hatte sich Bergmann allerdings eine Lässigkeit erlesen, die ihn in der glücklichen Kombination von Surferboy und gediegenem Saarbrücker Bürger daherkommen ließ.

Da war nur eine kleine Sprachfärbung aus dem Golden State, da war viel positive Stimmung aus dem amerikanischen Westen und da kam eine ordentliche Portion Ehrlichkeit rüber. Man muss nämlich nicht nur 20 Jahre alt und mächtig ambitioniert sein, um in den Staaten sämtliche Blumentöpfe zu gewinnen. Bergmann hat ganz wacker geschuftet, hat für verschiedene Filmstudios, Produktionsfirmen und Verlage in Deutschland und den USA gearbeitet, hat sich manches Mal eine blutige Nase geholt. Und mit seinem ersten Roman war das nicht anders. Nur hat der einen Verlag gefunden und wird einmütig hoch gelobt. Er hat das Buch in einer Kurzversion zunächst auf Englisch verfasst, dann in der vorliegenden Fassung auf Deutsch und nun noch einmal ins Englische übersetzt. Wenn man das nicht beharrlich nennen darf.

Sein Inhalt wird - wegen der Spannung - nicht komplett im Klappentext verkündet, lautet nur, ziemlich reduziert: "Einst war er der 'Große Zabbatini', der 1939 in Berlin als Bühnenzauberer Erfolge feierte; heute ist er ein mürrischer alter Mann in Los Angeles, der den Glauben an die Magie des Lebens verloren hat. Bis ihn ein kleiner Junge aufsucht, der mit Zauberei die Scheidung seiner Eltern verhindern will. Ein bewegender und aberwitziger Roman über verlorene und wiedergewonnene Illusionen". (Der Trick, Diogenes Verlag, 392 Seiten, 22 Euro, als Hörbuch 26 Euro)

Ein schreibender Vorfahr - wie Michel Bergmann, der Vater von Emanuel Bergmann - muss nicht nur Ansporn und Segen für einen Sohn sein, sondern auch Gepäck. Das hat der beim Gespräch vor der Signierstunde allerdings nicht beklagt.

(gaha)
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