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Ratingen
Ein Schelm wird heute 80 Jahre alt

Ratingen. Wilfried Link ist ein karnevalistisches Urgestein in der Stadt. Auch bei den Jonges ist er aktiv. Von Wolfgang Schneider

Er ist einer der ganz großen Vertreter des Ratinger Brauchtums: Wilfried Link. Und an dessen Haustür dürfte es heute öfter schellen als gewöhnlich, denn das Urgestein des Karnevals feiert seinen 80. Geburtstag.

Ein Rückblick auf ein bewegtes Leben - und eine Würdigung für einen Mann, der nie seinen Humor verloren hat. Knapp zwei Jahre ist es her, da besuchte Link die Redaktion dieser Zeitung für ein Gespräch über seine 50-jährige Mitgliedschaft bei den Jonges. Mit am Tisch saß damals neben dem Autor dieser Zeilen auch eine Praktikantin. Unvergessen ihre Reaktion nach dem unterhaltsamen Gespräch: "Irre, der kann ja erzählen. Das macht richtig Spaß, ihm zuzuhören." Natürlich durfte auch damals die Packung Schnupftabak nicht fehlen, so etwas wie sein Markenzeichen. Link sinnierte damals lange über den Begriff Heimat: "Ich fühle mich wohl, wenn ich die Türme von Peter und Paul sehe. Das ist meine Heimat, hier bin ich geboren, hier gehöre ich hin."

1954 begann Link seine Karriere im Karneval, trat in die Prinzengarde Blau-Weiß ein. Nur ein Jahr später wurde er dort Hoppeditz und Zeremonienmeister. In einer Zeit, in der der Karneval in der Dumeklemmerstadt fast am Boden lag und bald sogar der Rosenmontagszug eingestampft wurde. Doch kurz davor, in der Session 1960/61, wurde Link erst einmal Prinz. Blau-Weiß-Gründungsvater Hubert Bös hatte ihn davon überzeugt - zum Glück, wie Link knapp 50 Jahre später mit leuchtenden Augen erzählt: "Es war ein tolles Erlebnis." Und eines, das ihn noch mehr an den Karneval band. 17 Jahre lang war er Präsident der Blau-Weißen, teilweise parallel zum Präsidentenamt im Karnevalsausschuss, für den er durch die glamourösen Prinzenkürungen vergangener Zeiten führte. Von 1979 bis 1994 war er außerdem Vorsitzender "seiner" Prinzengarde.

Bei den Jonges engagiert sich der ehemalige Buchhalter vor allem im Mundartkreis. Wer einmal erlebt hat, wie der waschechte Dumeklemmer auf Platt loslegt, der wird das so schnell nicht vergessen: Da sprüht der Schelm, die pure Lebensfreude. Und Link wäre nicht Link, gäbe es selbst zu seiner Mitgliedschaft im größten Ratinger Heimatverein noch eine lustige Anekdote: "Ich habe mir gedacht, in je mehr Vereinen du Mitglied bist, umso mehr Karten kannst du für die Karnevalssitzungen verkaufen." Doch bei allem Spaß an der Freud, bei aller lebensbejahenden Energie, es gibt auch den leisen, den nachdenklichen Wilfried Link - und der ist nicht minder beeindruckend. Er ist ein Zeitzeuge der verheerenden Bombenangriffe auf die Dumeklemmerstadt. Im Gespräch 2014 erinnerte er sich eindrucksvoll: "Das hat mich sehr geprägt. Wer so etwas überlebt, den kann das Leben nicht mehr so leicht schrecken." Mit seinen Eltern war er gerade auf dem Weg zum Westbahnhof, als Vollalarm gegeben wurde und die Bomben fielen. Dass er überlebte, hat er vielen Schutzengeln zu verdanken: "Da war schon eine gehörige Portion Glück dabei."

Trotz dieser Erlebnisse und der bleibenden Eindrücke aus jenen Tagen hat er sich nicht unterkriegen lassen: "Wenn man seine Heimatstadt einmal brennen gesehen und diesen Gestank in der Nase gespürt hat, vergisst man es nie wieder." Vergessen wird er hoffentlich auch seinen Geburtstag heute nicht.

Quelle: RP
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