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Kornelia Schröder
Ein starkes Team hilft Kindern in Not

Kornelia Schröder: Ein starkes Team hilft Kindern in Not
Kornelia Schröder ist Vorsitzende des Kinderschutzbundes, der sich bei seiner Arbeit mit steigenden Fallzahlen beschäftigen muss. FOTO: Achim Blazy
Ratingen. Die Vorsitzende des Ratinger Kinderschutzbundes zieht Bilanz: Gewalt in Familien ist ein großes Problem.

Frau Schröder, der Kinderschutzbund lebt zu einem Großteil von Spenden. Wie ist die finanzielle Lage?

Kornelia Schröder Wir hatten im vergangenen Jahr Ausgaben in Höhe von rund 204.000 Euro. Dank der großzügigen Spenden und Bußgeldzuweisungen haben wir den Etat auch 2015 wieder decken können. Unsere Angebote im präventiven oder ehrenamtlichen Bereich sind ausschließlich von Spenden abhängig. Eine Unterstützung des Kinderschutzbundes ist da durch viele Maßnahmen möglich: durch eine Mitgliedschaft, durch Spenden, Schenkungen und Erbschaften sowie durch ein gezieltes Sponsoring durch ein Unternehmen.

In was für Bereiche fließt das Geld?

Schröder Da sind zum Beispiel unsere diversen Präventionsangebote. Montags bis donnerstags gibt es zum Beispiel eine Hausaufgabenbetreuung und Lernförderung für Kinder der ersten bis siebten Klasse. Durchschnittlich 25 Teilnehmer werden dabei von unserer Mitarbeiterin Martina Mies und zahlreichen ehrenamtlichen Helfern betreut. Außerdem gibt es den Familientreff am Berliner Platz, wo wir fünf Mal in der Woche ab 15 Uhr verschiedene Aktionen für Kinder von fünf bis zehn Jahre anbieten. Dienstags und freitags findet dort morgens auch eine Krabbelgruppe statt.

Sehr erfolgreich hat sich auch das Projekt Kinderschutzburgen entwickelt, oder?

Schröder Inzwischen haben wir in der Stadt 65 von diesen Kinderschutzburgen. In den Geschäften und Institutionen, die durch einen Aufkleber gekennzeichnet sind, finden Kinder in Notfällen Hilfe. Die Mitarbeiter dort wurden dafür extra vom Kinderschutzbund geschult.

Gibt es Leitlinien in ihrer Arbeit?

Schröder Bewährt haben sich bei unserer Arbeit die Grundsätze der Vertraulichkeit, der Freiwilligkeit sowie die Kostenfreiheit und die unbürokratische, aber professionelle Hilfe in Krisensituationen.

Der aktuelle Fall vom vergangenen Wochenende zeigt, das Gewalt gegen Kinder nicht nur weit weg stattfindet, sondern auch direkt vor der Haustür.

Schröder In unserer Anlaufstelle für Kinderschutz, deren Arbeitsschwerpunkt unter anderem auf Verdachtsabklärung und Beratung liegt, hatten wir im vergangenen Jahr 122 Fälle aus Ratingen, dazu kamen noch einmal 60 aus Mettmann und 38 aus Heiligenhaus sowie acht Anfragen aus anderen Städten und 19 anonyme Fälle. 60 dieser Fälle drehten sich um das Thema Kindesmissbrauch, 36 Mal ging es um Misshandlung und 45 Mal allgemein um Gewalt in der Familie. Wir haben insgesamt einen deutlichen Anstieg der Fallzahlen im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen.

Sie leisten auch diagnostische und therapeutische Arbeit.

Schröder Löwenherz heißt unsere Beratungsstelle, in der unsere Psychologin Beatrix Pentek unter anderem Therapie für Kinder, Familien- und Einzeltherapie sowohl für Jugendliche als auch Erwachsene anbietet. Bei Kindern beträgt die durchschnittliche Therapiedauer ein bis zwei Jahre. 2015 haben 30 Erwachsene und 18 Kinder und Jugendliche Hilfe erhalten. Dabei hatten wir unter anderem zehn Fälle zum Problemkreis Vernachlässigung, drei zu Misshandlung und 21 Fälle zum Problembereich Kindesmissbrauch. Insgesamt gab es im vergangenen Jahr 267 Diagnostik-, Beratungs- und Therapietermine. Außerdem wurde wieder anonyme Hilfe im Internet gesucht.

Ein Thema ist auch der sogenannte Begleitende Umgang. Was versteht man darunter?

Schröder Wenn das Familiengericht das entschieden hat und wir den Auftrag vom Jugendamt erhalten, bieten wir Kindern die Möglichkeit, erneut eine Beziehung zu dem Elternteil aufzubauen, den es vielleicht längere Zeit nicht gesehen hat. Unsere Psychologin Ute Ullmann unterstützt Eltern und Kinder während der Besuchskontakte und führt außerdem regelmäßige Gespräche mit allen Beteiligten.

Wie sehen hier die Zahlen aus?

Schröder Es gab 13 Fälle im vergangenen Jahr, davon waren allerdings neun Neuanmeldungen. Insgesamt waren dabei 17 Kinder betroffen, teilweise ging es auch um Babys. In einem Fall spielte Vernachlässigung eine Rolle, vier Mal war Alkohol- oder Drogenmissbrauch der Eltern die Ursache für die Maßnahme. Dazu kam in einem Fall ein hohes Konfliktpotenzial in der Elternbeziehung, drei Mal litten Elternteile an einer psychischen Erkrankung. Vier Kinder hatten vorher noch nie Kontakt zu ihrem Vater. In zwölf Fällen fand der Begleitete Umgang übrigens mit dem Kindsvater statt.

WOLFGANG SCHNEIDER FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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