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Ratingen
Ein Stück Ratingen im Herzen der Eifel

Ratingen. Der Schullandheim-Verein legt sich mächtig ins Zeug: Kinder und Jugendliche sollen sich in Müllenborn wohlfühlen. Von Norbert Kleeberg

Müllenborn - das hat was von Mythos. Generationen von Schülern haben im dortigen Schullandheim im Herzen der Eifel viele Abenteuer, Spaß und Gemeinschaft erlebt, natürlich auch eine Menge gelernt. Der Schullandheim-Verein Ratingen arbeitet kontinuierlich daran, dass dies so bleibt. Kein leichter Job, denn Areal und Gebäude sind in die Jahre gekommen. Und ehrlich: Irgendwann stand die Institution Müllenborn sogar vor dem Aus, wie Erhard Schneider berichtet. Er kümmert sich um die Finanzen. Es ist wie bei einem privaten Haus: Es gibt immer was zu tun. Doch die wichtigsten Dinge (vor allem mit Blick auf drastische Brandschutzauflagen) sind erledigt. Schneider wirkt sichtbar erleichtert, ebenso Christian Freund, der langjährige Vorsitzende, der nun das Amt an Christian Stein weitergegeben hat. Freund ist jetzt Ehrenvorsitzender. Freund und Stein sind ehemalige Schulkameraden und haben zusammen Handball gespielt - das verbindet. Und Müllenborn, dieser Mythos, verbindet. Ist doch klar.

Vor rund 60 Jahren hätte wohl niemand daran gedacht, dass mehr als 300 000 Gäste überwiegend aus Ratinger Schulen Station in Müllenborn gemacht haben. Eine Idee, die im Herbst 1956 Lehrer und Eltern der Ratinger Gymnasien hatten. "Doch es dauerte noch ein Jahr, bis der Verein letztlich gegründet wurde", betont Alt-Bürgermeister Wolfgang Diedrich. Er hat im Jahre 2011 eine Chronik zum Schullandheim geschrieben: "Ab da mussten erst einmal Spenden gesammelt werden, denn öffentliche Mittel konnten erst fließen, wenn 30 Prozent Anfangskapital bereit gestellt waren."

"Zu den besten Zeiten in den 1980er Jahren hatten wir an die 6000 Übernachtungen pro Jahr", bilanziert Erhard Schneider und liefert den Grund für die Erfolgszeit gleich hinterher: "Das liegt daran, dass früher die Klassenfahrten meist eine ganze Woche dauerten. Heute bleiben die Schüler meist nur zwei oder drei Nächte." Christian Freund ergänzt: "Die Zeiten ändern sich, doch auch für wenige Übernachtungstage eignet sich unser Schullandheim. In knapp anderthalb Stunden ist man mit dem Auto da." Nach Sanierungsarbeiten im Mai 1961 öffnete das frisch errichtete Schullandheim in Müllenborn nach nur einem knappen Jahr Bauzeit, idyllisch von Wäldern umgeben, auf einem Grundstück, das es aufgrund der guten Kontakte von Vereinsmitglied Ursula Schruff sozusagen gratis gab. Früher war das Örtchen in Rheinland-Pfalz selbstständig, heute gehört es zu Gerolstein. Von der Terrasse aus kann man auf diverse Vulkankegel schauen.

Vieles wurde in den vergangenen Jahren erneuert - sowohl außen als auch am Haus selbst - und das überwiegend mit der geballten Hilfe aus der Dumeklemmerstadt, wie Erhard Schneider sagt: "Mehrmals im Jahr sind wir mit bis zu 20 Personen am Wochenende da und arbeiten." Die Eltern der jüngsten Gäste von heute kennen diese pädagogische Einrichtung und erkundigen sich regelmäßig danach, wie es um das Haus bestellt ist. Für Christian Freund und viele Wegbegleiter ist dies auch immer eine Zeitreise in die eigene Jugend. Er hat das Amt von Siegfried Reuter übernommen - das ist mittlerweile acht Jahre her. Müllenborn ist für Freund mehr als ein Gebäude. Ein Stück Ratingen hat seinen festen Platz in der Eifel. Und die Ratinger fahren gern dorthin. Der Knabenchor Hösel probt regelmäßig im Schullandheim. Jetzt hat das Vereinsteam nur noch einen Wunsch: "Im Frühjahr müssen wir die Belegungszahlen noch deutlich nach oben treiben, denn zu dieser Zeit ist leider nur wenig los", betont Schneider. Auch deshalb hat man jetzt einen neuen Flyer herausgebracht, der kurz und kompakt die wichtigsten Dinge auflistet. Es geht also mit frischer Kraft weiter in Müllenborn. Der Mythos soll leben.

Quelle: RP
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