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Heiligenhaus
Eine Campus-Straße für Jakob Muth

Heiligenhaus: Eine Campus-Straße für Jakob Muth
Klassenzimmer wie im Museum Abtsküche zu sehen, war ein Teil der Welt des Pädagogen Jakob Muth (1927 bis 1993). FOTO: Staschik, Olaf (ola)
Heiligenhaus. Späte Würdigung: Der Reformpädagoge war ein Vordenker der Gesamtschule. Außerdem saß er lange für die SPD im Rat. Von Paul Köhnes

Bisher heißen die drei Straßen durch das neue Campus-Areal an der Westfalenstraße ganz formalistisch: Planstraße A, Planstraße B, Planstraße C. Das wird sich bald ändern. Die Ideen für neue Straßenamen sind zurzeit auf dem Weg durch die Ausschüsse. Das letzte Wort hat der Rat. Aber schon jetzt zeichnen sich Lösungen ab. Eine sticht besonders hervor.

Aus der jetzigen Planstraße A soll die "Jakob-Muth-Straße" werden. Das bedeutet eine Änderung gegenüber dem ersten Vorschlag der Stadtverwaltung, die den Namen "Helmholtz-Straße" zunächst favorisiert hatte. Es war der SPD-Mann Friedrich-Ernst Martin, der die Alternative ins Gespräch brachte. Man möge doch eher eine Heiligenhauser Persönlichkeit als Namensgeber vorsehen. Jakob Muth gehörte in den 60er Jahren dem Lehrerseminar in der Abtsküche an, war Professor der Pädagogik und ein Pionier auf seinem Fachgebiet. Muth, Jahrgang 1927, arbeitete Ende der 50er-Jahre am Comenius-Institut in Worms, bevor er 1960 zunächst als Dozent, später als Professor an die damalige evangelische Pädagogische Akademie Kettwig, Ursprung und Vorläuferin der heutigen Universität Duisburg, berufen wurde. Später erhielt er einen Ruf auf den Lehrstuhl "Praktische Pädagogik" an der Ruhruniversität. Während seiner "Kettwiger Zeit" verbrachten seine Studenten das vom Land geforderte einmonatige Praktikum an den Heiligenhauser Landschulen "Adolf Clarenbach" und "Abtsküche".

Die Kreis-SPD hat sich der Biographie des Hochschullehrers angenommen. Ein Lebensthema war für ihn die Gesamtschule. Im März 1970 forderte er auf einer Mitgliederversammlung die Errichtung einer Gesamtschule in Heiligenhaus. Er bezeichnete es als primäre gesellschaftspolitische Aufgabe und erklärtes schulpolitisches Ziel der SPD, die Gesamtschule einzurichten. Da die schon 1966 begonnene Diskussion immer wieder an den Finanzen hängenblieb, stellte er die Organisation einer dezentralen Gesamtschule vor, d. h. unter Inanspruchnahme aller Gebäude der weiterführenden Schulen. Diesen "Muth-Plan" erläuterte er 1971 in dem Buch "Nordrhein-Westfalens Gesamtschule" ausführlich am Beispiel der gegebenen Situation in Heiligenhaus. So musste man allerdings noch viele Jahre warten, bis dann aufgrund geänderter Mehrheitsverhältnisse im Rat am 1. August 1992 die Gesamtschule in Heiligenhaus errichtet werden konnte. Zudem war Jakob Muth Autor von Schulbüchern, Mitarbeiter an Publikationen verschiedener Gremien und Institutionen. Von 1969 bis 1980 gehörte er dem Rat der Stadt Heiligenhaus und danach noch einige Jahre dem Kulturausschuss als sachkundiger Bürger an. Als Vorsitzender des Schulausschusses hat er mit Umsicht und Toleranz die Heiligenhauser Schulpolitik der 70er Jahre maßgeblich beeinflusst. Das Urteil seiner Parteifreunde: "Mit seiner Leidenschaft und Hingabe, der Schärfe seines Verstandes, der Wärme seines Herzens, der ihm eigenen Kraft zu überzeugen und mitzureißen, war Jakob Muth uns immer ein Vorbild." Er starb 1993 im alter von 65 Jahren.

Die Idee, eine Straße nach dem Gelehrten zu benennen, ist nicht neu. Bereits im Jahr 2007 kam das Gespräch darauf, damals in Zusammenhang mit "neuen Wohngebieten" in der Stadt. In dieser Zeitung erinnerte sich damals Muths beruflicher Weggefährte Klaus Biehler: "Für ihn zählte in erster Linie der Mensch, sensibel und verständnisvoll führte er die ihm anvertrauten zukünftigen Lehrer über alle Klippen."

Quelle: RP
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