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Heiligenhaus
Eine Zeitreise durch die Unterilp

Heiligenhaus: Eine Zeitreise durch die Unterilp
Andreas Hildebrandt und Manuela Brohsukat schauen sich alte Bilder an. Wegen des Dauerregens hatt man das Jubiläum kurzerhand ins Heizwerk verlegt. FOTO: Achim Blazy
Heiligenhaus. Mit Blick auf die Anfänge feierte die Siedlergemeinschaft Moselstraße 123 bis129 ihr 50-jähriges Bestehen. Von Sandra Kreilmann

Man schreibt das Jahr 1966. Ludwig Erhard ist in seinem letzten Amtsjahr als Bundeskanzler, die Düsseldorfer Universität wird eröffnet und Queen Elisabeth empfiehlt in ihrer Thronrede dem von einer Wirtschaftskrise gebeutelten Großbritannien den Beitritt zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Und in Heiligenhaus wächst der Stadtteil Unterilp unaufhörlich.

Der Düsseldorfer Toni Langen hatte damals seine Eigentumswohnung an der Moselstraße längst erstanden. Er gehört mit seiner Familie zu den ersten Wohnungsbesitzern des Gebäudekomplexes 123 bis 129 - und lebt dort noch heute, er ist hier heimisch geworden. Damals war Toni Langen 35 Jahre alt. "Wir haben hier gekauft, da stand noch absolut gar nichts. Nur der Weg war schon erkennbar." Mit welchem Blick er damals über sein zukünftiges Zuhause geblickt hat, wie es hier also mal ausgesehen hat, das hat er festgehalten. Auf Fotopapier. Zu den Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen der Siedlergemeinschaft am Samstag hatte jeder einmal die Möglichkeit, das Entstehen der Häuser durch die Augen des Fotografen Langen zu sehen.

Der Gebäudekomplex Moselstraße 123 bis 129. FOTO: Blazy Achim

Die Bilder, die er zum Teil zu kleinen Fotostrecken und Panoramabildern zusammen gefügt hat, wurden digital vergrößert, mit Jahreszahlen versehen - und zu einer echten Zeitreise in die Vergangenheit der Unterilp. "Es ist toll, wie detailliert die Bilder sind und wie viel Mühe er sich gegeben hat", freut sich zum Beispiel Andreas Hildebrandt. Er gehört heute zum Siedlervorstand und damit auch mit zum Organisationsteam des Festes.

Er lebt mit seiner Familie seit 2005 in der Unterilp. Und schwärmt wie seine Nachbarn von einer grünen, ruhigen und familienfreundlichen Umgebung. "Noch dazu haben wir hier zum Teil einen tollen Blick." Den freien Blick bis nach Düsseldorf etwa. "Wir können mindestens bis zum Flughafen schauen, aber ohne Fluglärm", erzählt eine Nachbarin. 18 Bewohner der ersten Stunde, von den Nachbarn liebevoll "Ureinwohner" genannt, leben noch hier. Eine von ihnen hat damals die Familienfreundlichkeit aus Essen hergelockt. "Wir waren nicht von Anfang an überzeugt. Aber für eine Familie mit zwei Kindern war nicht nur die Größe der Wohnung ideal, sondern auch die Lage. Deswegen haben wir doch gekauft. Bis heute liegen Kindergarten und Schule fast direkt vor der Tür. Die Nachbarschaft ist bis heute eine sehr lebendige", erklärt Manuela Brohsukat, ebenfalls im Organisationsteam aktiv.

Sie lebt mit ihrer Familie seit den 90ern hier. "Jedes Kind bekam hier ein eigenes Zimmer, zu meiner Jugend gehörte das noch nicht zum Standard." Umso mehr: "Für Kinder war es hier eigentlich immer sowas wie ein kleines Paradies." Zwischenzeitlich, als sich hier der Generationenwechsel vollzog, sei es zwar mal ruhiger geworden, aber mit regelmäßigen Grillfesten habe man die Nachbarschaft immer lebendig gehalten. "Natürlich fehlen hier Geschäfte, Lebensmittelmärkte zum Beispiel, vor allem für die Älteren, aber dass die aus den Stadtteilen verschwinden, das geht ja nicht nur uns so", so Hildebrandt.

Am Samstag ließen sich die 95 angemeldeten Feierwütigen auch nicht vom Regen abschrecken. "Wir haben das Fest einfach in das Heizwerk verlegt. Hier wird Fernwärme für den halben Stadtteil produziert, und es gibt leere Räumlichkeiten, die wir dann zum Feiern nutzen können." Er wünscht sich, sicher stellvertretend für die Nachbarn, dass es auch weiterhin eine solche lebendige Nachbarschaft bleibt.

Quelle: RP
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