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Heiligenhaus
Einfach abheben und auf die Heimat schauen

Heiligenhaus: Einfach abheben und auf die Heimat schauen
Einfach mal abheben: Christine Burgdorf aus Heinsberg ließ sich von Christian Breuer die Welt von oben zeigen. FOTO: Dietrich Janicki
Heiligenhaus. Den längsten Tag des Jahres nutzten die Segelflieger von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang für ein großes Programm aus. Von Karl Ritter

Es ist der wohl älteste Traum der Menschheit - der vom Fliegen. In Ruhe und Frieden über Wiesen und Felder gleiten, das Gefühl haben, schwerelos zu sein. Jetzt ist der Mensch bekanntlich kein Vogel und braucht für dieses Unterfangen deshalb Hilfsmittel. Der eine setzt sich dazu als zahlender Fluggast in eine Maschine voller Technik und Computer, die er sich mit hunderten anderer Menschen teilt; ein anderer Teil der Flugbegeisterten setzt sich dagegen in einen Segelflieger. Der bietet gerade Platz für zwei Personen - und ist man erst einmal oben, hört man vor allem eins: nichts!

Zusammen mit dem Aeroclub Ratingen und dem Verein aus Langenfeld hatten die Niederberger Hobbypiloten, die innerhalb der Saison von März bis Oktober nahezu jedes Wochenende für ihr Hobby unterwegs sind, einen ganz besonderen Tag ausgesucht, um gemeinsam möglichst viel Zeit am Himmel zu verbringen - den zweitlängsten des Jahres. Von Sonnenaufgang um 4.43 Uhr bis Sonnenuntergang um 21.54 Uhr wurde geflogen. Flug- und Schulbetrieb stand auf dem Programm - und natürlich die Kommunikation der Vereine untereinander. Alleine bei den Niederbergern sind in der Nachwuchsabteilung über 30 junge Leute bis 27 Jahre aktiv, die auch abseits von Luftströmen, Hebeln und Knöpfen viel gemeinsam unternehmen. Und so kennt man sich in der Region. Das Hobby Fliegen verbindet.

"Teilnehmen werden voraussichtlich insgesamt 30 bis 40 Jugendliche - sowohl Flugschüler als auch junge Scheinpiloten aus allen drei Vereinen, die von unseren ehrenamtlichen Fluglehrern und Vereinskameraden unterstützt werden", beschreibt Fabian Schöttler vom Heiligenhauser Verein das Programm eines langen Tages: "Neben dem Spaß am Fliegen steht bei der Veranstaltung vor allem die vereinsübergreifende Kommunikation der Jugendgruppen im Vordergrund." Und das klappte vorzüglich auf dem perfekt gelegenen und gepflegtem Gelände seines Vereins.

Willkommen! Die heimische Clubjugend hatte ihre Langenfelder Kollegen eingeladen. FOTO: Dietrich Janicki

Das Mindestalter für den Beginn einer Ausbildung zum Segelflugpiloten liegt übrigens bei 14 Jahren. Neben der von einem speziellen Fliegerarzt festgestellten Flugtauglichkeit gibt es weitere wichtige Merkmale, die man als Segelflieger mitbringen sollte. Auch wenn man die meiste Zeit alleine im Cockpit sitzt, so ist Segelfliegen doch in hohem Maße ein Mannschaftssport. Einzelkämpfer sind hier nicht gefragt, Kameradschaft wird groß geschrieben - und das, wie an diesem Flugtag zu beobachten, auch über die Vereinsgrenzen hinweg. Ebenfalls wichtig, und da waren sich die jungen Piloten alle einig, sind Verantwortungsbewusstsein und starke Nerven. Denn es kann in der Luft durchaus schon einmal knifflig werden. Wer meint, er kann das Segelflieger-ABC mal soeben im Vorbeigehen erlernen, der liegt falsch. Drei Jahre dauert die Ausbildung, da sind besonders am Anfang Durchhaltevermögen und Geduld erforderlich. Schließlich gilt es auch, jede Menge Theorie zu pauken. Wer meint, Segelfliegen sei ein Hobby, für das man ein prall gefülltes Bankkonto haben müsse, der irrt. Auf dem Meiersberg liegen die Kosten für die Jugendlichen dank des großen ehrenamtlichen Engagements im Monat bei rund 50 Euro. Erwachsene müssen etwas mehr zahlen. Doch dafür wird man auch belohnt - mit Kameradschaft, einem tollen Blick über die Heimat und mit einem kleinen Schritt in die Richtung, sich den Traum vom Fliegen zu erfüllen.

Quelle: RP
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