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Ratingen
EKD-Ratsvorsitzender im Haus am Turm

Ratingen: EKD-Ratsvorsitzender im Haus am Turm
Bischof Heinrich Bedford-Strohm (2. v. r.) kam auf Einladung der SPD-Bundestagsabgeordneten Kerstin Griese (Mitte) nach Ratingen. Beide kennen sich auch aus dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland. FOTO: A. Blazy
Ratingen. Bischof Heinrich Bedford-Strohm, oberster Vertreter der deutschen Protestanten, sprach vor großem Publikum mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Kerstin Griese. Unter anderem berichtete er von einem Besuch bei Papst Franziskus. Von Gabriele Hannen

Auch an diesem Wochenende waren es wieder mehrere öffentlichkeitsträchtige Mitteilungen, mit denen der derzeitige EKD-Ratsvorsitzende, der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, medial auftrat. Wie schön und interessant war es deshalb, den Spitzenmann der Evangelischen Kirche Deutschlands in Ratingen begrüßen und ihm selbst Fragen stellen zu können. Pastor Dr. Gert-Ulrich Brinkmann begrüßte ihn herzlich im Haus am Turm.

Als eingespieltes Dialog-Team präsentierten sich dann der Kirchenmann und die SPD-Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese, die ihn nach Ratingen und hier in den roten Sessel ihrer Diskussions-Serie "Griese trifft..." komplimentiert hatte. "Wir duzen uns" signalisierte schon bald Gleichklang. Man kennt sich auch aus dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Wollte die Ratinger Bundestagsabgeordnete mit Gast und Publikum über die Rolle der Religion in einer veränderten Welt sprechen ("Die christlichen Kirchen, das Judentum und selbstverständlich auch der Islam gehören zu Deutschland". "Glaube und Religion müssen ihren Beitrag zur Integration leisten."), so gab es außerdem noch zahlreiche andere Themen.

Bedford-Strohm hat am Wochenende angesichts gekenterter Flüchtlingsboote "vor einem weiteren Sommer des Sterbens" gewarnt, den Einsatz vieler Menschen in der Kirche gelobt, die Abschaffung der Frauenordination in der Evangelisch-Lutherischen Kirche Lettlands beklagt und nach einem Gespräch mit dem Koordinationsrat der Muslime gemeinsames Vorgehen gegen Diskriminierungen gelobt. Er ist also Ansprechpartner für viele und vielerlei. Also brauchten sich weder Kerstin Griese noch das angereiste Publikum - darunter reichlich evangelische Geistlichkeit aus ganz NRW - keinen Zwang anzutun, wenn es um politische Themen ging. Und die standen schließlich - Kirche hin, Kirche her - im Vordergrund. Ob die Kirchen angesichts von Armut nicht lauter sprechen könnte, wurde da gefragt. Und "Ja, auch in dem Bereich nehme ich gerne Ratschläge entgegen" geantwortet.

Natürlich gab es auch abwägende Stellungnahmen - zur Abschiebung zum Beispiel. Und bekennende, wie "Die Kirche muss klarmachen, dass es ihr um grundlegende Orientierung geht." Griese betonte, dass sie sich in der Kirche wohlfühle und dass sie darüber hinaus von der Kirche Impulse bekomme, ihre politischen Entscheidungen vor einem christlichen Hintergrund fällen zu können. Ein Mann, dessen Habilitationsschrift die "Gemeinschaft aus kommunikativer Freiheit. Sozialer Zusammenhalt in der modernen Gesellschaft" beschreibt, vertritt unverklemmt die Bedeutung eines offenen und letztlich respektvollen Umgangs untereinander. Und so kam er freundlich, heiter und meist konsensfähig bei seinem Publikum an, bei Kerstin Griese sowieso. Bedford-Strohms Dissertation, die er an der Universität Heidelberg als 32-Jähriger vorlegte, hat den Titel "Vorrang für die Armen. Auf dem Weg zu einer theologischen Theorie der Gerechtigkeit".

Er übergab, so berichtete er schmunzelnd, bei seinem Papstbesuch unlängst ein Exemplar dieser Arbeit an das Oberhaupt der katholischen Kirche. Und das nicht, weil es ein selbstgemachtes Geschenk war, sondern, weil viele der gegenwärtigen Gedanken des Pontifex damals schon angedacht worden waren.

Quelle: RP
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