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Ratingen
Erfahrung auf der Bühne hilft im Job

Ratingen: Erfahrung auf der Bühne hilft im Job
Volkan Erik steht seit fast 20 Jahren auf der Bühne. Entdeckt wurde er dabei für die Kabarettgruppe Westhäkchen von deren Chef Heiner van Schwamen. Die beiden arbeiten noch heute eng zusammen. FOTO: Achim Blazy
Ratingen. Mit seiner Show Dönerwetter sorgt Volkan Erik regelmäßig für ein ausverkauftes Haus in der Manege. Sein Erfolgsrezept ist dabei vor allem seine Wandelbarkeit - und dass er sich selbst nicht ganz so ernst nimmt wie manch anderer Künstler.

Wie viele Gemeinsamkeiten hat Volkan Erik mit seinen Bühnenfiguren?

Volkan Erik Oh, das ist eine gute Frage, die aber gar nicht so einfach zu beantworten ist. Vordergründig hat zum Beispiel meine Prollfigur Body Murat so gar nichts mit mir zu tun. Er ist ganz anders, als ich es bin - respektlos, machohaft, bedient alle Klischees. Aber auf der anderen Seite steckt schon etwas von mir in ihm, weil ich ihn ja interpretiere. Ich erwecke ihn zum Leben, also ist er auch ein Teil von mir. Wichtig ist aber grundsätzlich, dass man sich auf der Bühne nicht ganz so ernst nimmt.

Sie sind wohl das, was man eine Rampensau nennt.

Erik Ich liebe es, auf der Bühne zu stehen, in andere Rollen zu schlüpfen und so die Menschen zu unterhalten. Privat bin ich da, glaube ich zumindest, ein bisschen anders gestrickt. Da muss ich nicht wirklich im Mittelpunkt stehen, bin sogar eher ein bisschen zurückhaltend. Nur weil jemand auf der Bühne immer in Bewegung ist und im Fokus steht, muss er das ja nicht unbedingt im Privatleben auch tun.

Dabei haben Sie Ihre große Leidenschaft im gewissen Sinne zum Beruf gemacht.

Erik Stimmt, das kann man wirklich so sagen. Mir hilft die Erfahrung auf der Bühne in jedem Fall im Beruf. Ich arbeite als Lehrer an einer Förderschule für geistige Entwicklung in Mönchengladbach, war vorher auch an der Comenius-Schule in Lintorf tätig. An beiden Standorten hat mir meine Bühnenerfahrung und die Affinität zum Schauspiel viel geholfen.

Inwiefern?

Erik An beiden Schulen habe ich eine Theater AG ins Leben gerufen und so einen ganz anderen Bezug zu den Schülern bekommen. Diese Arbeit hat mir die Möglichkeit gebeben, den Schülern besondere Erfolgserlebnisse zu vermitteln. Wenn Sie zum Beispiel einen Autisten, der eine besondere Gabe zum Auswendiglernen hat, aber sonst eher scheu ist, auf der Bühne erleben, wie er Spaß hat, das ist ein tolles Gefühl.

Motivation genug für einen schweren Beruf?

Erik Es ist sicher nicht immer einfach, aber es gibt viele Erlebnisse, die motivieren. Dazu gehören zum Beispiel auch Rückmeldungen von Eltern, die ihr Kind, das plötzlich Erfolgserlebnisse hat und gerne in die Schule geht, ganz anders erleben. Wenn die dann vor einem stehen und sagen, sie hätten ihr Kind selten so gelöst erlebt, dann ist das ein Ansporn und ein guter Beweis dafür, dass ich es geschafft habe, Zugang zu diesem jungen Menschen zu kriegen.

Kommen wir mal zurück zu Ihrer Bühnenkarriere: Gab es nie Ambitionen in Richtung einer eigenen Fernsehshow?

ERIK Ich hatte vor rund zehn Jahren ein Vertragsangebot eines großen deutschen Privatsenders vorliegen und habe mich ganz bewusst dagegen entschieden - und das obwohl ich dabei für einige Zeit sicherlich sehr gutes Geld hätte verdienen können. Aber ich wollte mich nicht dieser Maschinerie ausliefern.

Also haben Sie die Entscheidung dagegen nie bereut?

Erik Nein, ich bin froh, dass ich es genau so gemacht habe.

Sie stehen allerdings nicht nur als Solist auf der Bühne?

Erik Das stimmt. Ich habe in letzter Zeit in sehr vielen Kurzfilmen vom jungen angehenden Regisseuren mitgespielt. Das ist eine sehr spannende Sache.

Sie haben türkische Wurzeln....

Erik (lacht) Das Thema musste ja kommen.

Wieso?

Erik Wissen Sie, Integration ist nicht mein Thema, es wird mir übergestülpt. Ich finde es immer faszinierend, wenn ich Sätze höre wie ,Wahnsinn, wie gut Du Deutsch sprichst' oder ,Sie sprechen ja besser Deutsch als mancher Deutscher'. Dann denke ich mir immer, Was will mir die Person damit sagen? Ich bin hier geboren, aufgewachsen. Warum soll ich also die Sprache nicht so sprechen, wie es sein soll? Besonders überrascht schauen diese Leute übrigens, wenn ich ihnen dann erzähle, dass ich auch noch Deutsch unterrichte.

KARL RITTER STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
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