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Haus Wichern
Erinnerungen im Garten der Sinne

Haus Wichern: Erinnerungen im Garten der Sinne
Ratingen. Homberg (RP) Es ist sommerwarm, die Sonne strahlt mit Katharina Berger um die Wette. Die alte Dame, Bewohnerin von Haus Wichern in Homberg, betrachtet entzückt ein gerade geerntetes Radieschen, an dem noch die dunkle Erde klebt.

Frau Berger ist mit ihrem Rollstuhl in den Park gefahren, wo sich die Gartengruppe trifft, um zu besprechen, was zu tun ist. Die Rosen blühen und duften prächtig. Sie müssen dringend gegossen werden. Bewohnerin Sigrid Zeitz holt schon mal die Gießkannen. Sie freut sich immer auf die aktiven Stunden an der frischen Luft, erzählt vom eigenen Garten, den sie jahrzehntelang pflegte. Präzise 1484 Quadratmeter hatte der, das weiß sie ganz genau. Handschuhe? Nein, die möchte sie nicht anziehen. Zu sehr liebt sie das Gefühl, mit den Fingern zwischen Blättern und Erde nach dicken Radieschen zu suchen.

In Haus Wichern gibt es verschiedene Angebote speziell für dementiell veränderte Bewohner. Vor allem deren Bedürfnisse hatten die Verantwortlichen im Blick, als sie vor zwei Jahren für ein weiteres sorgten: Der kleine öffentliche Park am Ostring wurde zum Sinnes- und Kräutergarten umgestaltet. Barbara Buscher-Sander, Fachkraft im Sozialen Dienst des Hauses, hatte sich bei einer Fortbildung bei Ilse Copak, Gartenplanerin des Münsteraner Alexianer Krankenhauses, davon überzeugen lassen, wie sehr die Beschäftigung in der Natur zum Wohlbefinden hochbetagter und dementiell veränderter Menschen beitragen kann. Wer die Gartengruppe von Haus Wichern bei der Arbeit erlebt, weiß: Für sie bedeutet die Umsetzung der Idee buntes, duftendes Glück. Gerade dementen Bewohnern, deren Kontakt zu Umgebung und Mitmenschen verloren geht, tue es auffallend gut, im Garten über Fühlen, Riechen und Tasten Kontakt zur Umwelt aufzunehmen, berichtet Barbara Buscher-Sander.

Ganz erstaunlich ist, wie viele Erinnerungen der Umgang mit Tomaten, Möhren und Salat weckt. Auch Frau Berger, die normalerweise Schwierigkeiten hat, Wort zu finden, und meist ganz in sich gekehrt ist, wirkt wie ausgewechselt. Sie beobachtet genau, sie strahlt, sie redet und erinnert sich plötzlich wieder: an ihre vier Geschwister, an die Gartenarbeit "früher", an Salbei, der - ja wie war das noch? - "immer etwas bitter schmeckt. Auch Sigrid Zeitz ist mit Feuereifer dabei. Sie hat im Hochbeet einige Mangoldpflanzen gesetzt und ihre Radieschen-Ernte abgespült. Sie reicht Frau Berger einen der "roten Riesen". "Magst du mal knabbern?" fragt sie. Natürlich, möchte Frau Berger das. Die evangelische Kirchengemeinde Ratingen-Homberg beschloss 1959, ein Altenheim zu errichten. Ein Zuhause für ältere Menschen, eingebunden in das Leben des Dorfes und der Kirchengemeinde entstand. Das Pflegeheim wurde nach Pfarrer Johann Hinrich Wichern benannt, dem Vater der modernen Diakonie. Er setzte seine ganze Kraft dafür ein, um Nächstenliebe in Wort und Tat zu praktizieren. Obwohl sich manches verändert hat - das Seniorenheim wurde aufwendig saniert und zuletzt 2009 erweitert; 2012 wurde das Wichernheim Teil der NeanderDiakonie - die Liebe zu jedem Menschen prägt bis heute das Tun im Wichernheim. Im Oktober 2014 wurde aus Wichernheim das Haus Wichern. Das Haus Wichern bietet Bewohnern die Möglichkeit, miteinander in Hausgemeinschaften zu leben. Haus Wichern, Dorfstraße 8-12, 40882 Ratingen-Homberg. Telefon 02102-9550 02102-955200 . E-Mail: info@HausWichern.de.

Quelle: RP
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