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Heiligenhaus
Erzählen mit der Kamera

Düsseldorf. 23 Fotoarbeiten von 21 Schülern der Gesamtschule Heiligenhaus sind der neue Mittelpunkt im historischen Rathaus. 18 Wochenstunden, viel Engagement und noch mehr Kreativität haben die Abiturienten in ihr Projekt mit dem Titel "Inszenierte Fotografie" investiert. Von Melanie Meyer

"Bitte lächeln", so oder ähnlich lautet der Ausspruch jedes zweiten Hobbyfotografen, der mal eben seine Lieben vor schöner Kulisse aufbaut und den Auslöser seiner Kamera für ein unvermeidliches Familienportrait drückt. Von "mal eben" kann man bei den fünf Fotoserien des Kunst-Leistungskurses des 13. Jahrgangs der Gesamtschule Heiligenhaus allerdings keine Rede sein. 18 Wochenstunden, viel Engagement und noch mehr Kreativität haben die 21 Schüler in ihr Projekt "Inszenierte Fotografie" investiert.

Hilfe bei der Umsetzung bekamen sie dabei von Erich Weiss, der nicht nur seine Spedition als "Location" zur Verfügung stellte, sondern auch einen Großteil der Finanzierung übernahm. Viele Neugierige, darunter Eltern, Lehrer sowie Politiker und Mitglieder der Verwaltung, waren am Wochenende in das historische Rathaus gekommen, um in der ersten Etage bei der Vernissage einen Blick auf die 23 Werke der Schüler zu werfen.

"Es hat Spaß gemacht", erklärte der Abiturient Florian Röder. Er ließ in seiner Einführung durchblicken, dass es nicht nur ein lehrreiches Projekt war, sondern vor allem eines, das in Erinnerung bleiben werde – und dies nicht, weil es der Lehrplan des Zentralabiturs vorgab. Spaß muss es auch Stephanie Werner, Lehrerin des Kunst-Leistungskurses, gemacht haben, denn die Begeisterung stand ihr immer noch ins Gesicht geschrieben.

Nachdem die Schüler sich inhaltlich mit dem Thema "Inszenierte Fotografie im Unterricht" auseinandergesetzt hatten, ging es an die künstlerische Umsetzung. Mit Baulampen und vielen weiteren Requisiten bewaffnet, fuhr der Leistungskurs im Sommer nach Hetterscheidt und begann die selbst erdachten Bildgeschichten auf dem Gelände der Spedition aufzubauen und schließlich mit der richtigen Beleuchtung und im richtigen Winkel zu fotografieren. Der technische Aufwand sei nicht zu unterschätzen, um die selbst gebauten Erzählstrukturen zu entwerfen, so die Schüler. Die schlüpften dabei nicht nur in die Rolle des Fotografen, sondern wurden Schöpfer, Regisseur und Schauspieler, erklärte Kursleiterin Werner.

Entstanden sind sowohl "Subjekt-Inszenierungen" (in Szene gesetzte Personen, die eine Geschichte erzählen), wie die Serie "Just Married", auf dem unter anderem Erich Weiss' Oldtimer in den Focus gerückt wurde, als auch "Objekt-Inszenierungen" (Gegenstände und Personen die durch ihre Beziehung zueinander eine Geschichte erzählen), wie "Jeu de Boules".

Palettenstapel und Boule-Kugeln

Besonders die letztgenannte Serie von Harkan Günaydin und Timo Neumann überzeugte die Betrachter, und dass, obwohl diese Arbeit mehr oder weniger aus einer Not geboren sei, wie die Kursleiterin Stephanie Werner gestand. Hier werden Palettenstapel zu Häuserschluchten und Boules-Kugeln zum narrativen Objekt, das der Arbeit einen filmischen Charakter gibt. Die Arbeiten sind aber allesamt echte Hingucker, die von Qualität, Einsatz und Ideenreichtum zeugen.

Übrigens: Wie derzeit viele andere örtliche Vereine und Institutionen ließen die Schüler bei der Eröffnung ihrer Ausstellung den Hut herumgehen und sammelten für die Opfer der Erdbebenkatastrophe von Haiti – auch dies ist ein sehr vorbildliches Engagement.

Quelle: RP
 
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