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Ratingen
Es geht nichts über Kleingärtners Glück

Ratingen: Es geht nichts über Kleingärtners Glück
Egon Hassel ist Vorsitzender des Kleingartenvereins Schützenburg in Ratingen-Süd. FOTO: dietrich janicki
Ratingen. Im 70. Jahr seines Bestehens kann sich der Gartenbauverein Schützenburg vor Bewerbern kaum retten. Von denen, die schon ihren Garten bewirtschaften, sind 18 Frauen und 82 Männer. Von Gabriele Hannen

Was bekommt man für 30 Cent pro Quadratmeter Jahresmiete? Vermutlich ein Luftschloss. Oder eine der 100 Parzellen, die der Gartenbauverein Schützenburg hütet. Wenn man nicht gerade "Oma ihr klein Häusken", also die Laube inmitten von Blumen, Gebüsch und Gemüse helfend übernimmt, muss man sich in die Truppe der Ratinger auf der Warteliste einreihen und warten, bis sich ein Verkauf abzeichnet. Zur Zeit, im 70. Jahr des Vereinsbestehens, scharren mehr als 30 Bewerber mit den Gartenclogs. Von den Glücklichen, die bereits ihren Garten bewirtschaften, sind 18 Frauen und 82 Männer.

Und während sie da ausharren, können sie sich schon mal in aller Ruhe durchlesen, was man auf der gepachteten Scholle denn darf und was nicht. Klar - Marihuana-Anbau geht nicht (wenngleich hin und wieder mal eine Hanfpflanze aus verstreutem Vogelfutter erwachsen ist). Jägerzäune sind nicht üblich und dauerndes Wohnen bleibt streng untersagt. Alle Wasserbecken mit mehr als 500 Litern Inhalt sind verpönt und Trampolins mit mannshohen Fanggittern auch.

Die Wege - liebevoll mit naturnahen Namen versehen - sind auch für die lustwandelnde Öffentlichkeit zugänglich und dürfen von einer Hecke als Sichtschutz getrennt werden. Hier darf das gepflegte Grün höchstens 1,60 Meter hoch sein; zwischen den einzelnen Gärten gibt es Maschendrahtzaun und sind maximal 1,20 Meter hohe Hecken oder Knallerbsensträucher erlaubt. Immerhin arbeiten und entspannen hier gleichgesinnte Freizeitgärtner auf ihrer Scholle und nicht Dornröschen in seinem Schloss.

Bei den Schützenburg-Gärtnern hat etwas geklappt, was andernorts nur mit umfänglichen Programmen möglich ist: Hier wohnen "Kollegen" genannte Gärtner, die aus Schlesien, Kasachstan, Luxemburg, Italien, Mazedonien und Serbien kommen. Der eine hat Samen für ganz tolle Tomaten, die anderen helfen nachbarschaftlich. "Jedenfalls verstehen sich alle prächtig", weiß Vorsitzender Egon Hassel. In seinem Bereich haben die Lauben Stromanschluss, was ein gemütliches Fußballgucken nach dem Mähen und Harken ermöglicht. Klaus Mönch, Vorsitzender des Stadtverbandes der 487 Ratinger Kleingärtner, weiß, dass das nicht überall so ist. "Überall aber wird mit großer Begeisterung die Erde beackert und gepflegt und in Ordnung gehalten", erklärt er, der eigentlich nicht Vorsitzender, sondern Fachberater hat werden wollen.

Das allerdings ist es sicherlich nebenbei auch noch. Und: Er arbeitet seit mehr als 30 Jahren bei der Stadt im ehemaligen Grünflächenamt und kennt das Bundeskleingartengesetz rauf und runter. Der Name des bald jubilierenden Vereins leitet sich übrigens von der "Restauration Schützenburg" ab, die, mit Turm und Fahne, noch 1915 auf einer Feldpostkarte als schönster Ausflugsort des Schwarzbachtals bezeichnet wurde.

Damals wie heute wachsen neben der S-Bahn-Trasse in dem einen Garten mehr Kohlrabi und Salat, Kohlköpfe, Buschbohnen, Paprika und anderes Gemüse. Im anderen Garten sind eher Beerensträucher Vitamin-Lieferanten, in allen Blumen und immer auch Obstbäume. Was nach dem Krieg ein supertoller Gewinn war, freut die Pächter heute auch noch: Eigenes Gemüse auf der eigenen Scholle ziehen zu können. Während allerdings nach dem Krieg der Ertrag der Parzellen nachts gestohlen wurde, sind es heutzutage andere Wertgegenstände, nach denen Einbrecher fahnden, eigentlich ohne Erfolg. Damals hat man sich zu Nachtwachen entschlossen und manchen Schlingel erwischt. Das kann man heute nicht mehr jedem der Gärtner abverlangen.

Quelle: RP
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