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Interview mit Zeliha Yetik
Es kommen kaum noch Flüchtlinge an

Interview mit Zeliha Yetik: Es kommen kaum noch Flüchtlinge an
Mittlerweile sind fast 500 Flüchtlinge in Wohnungen untergebracht. Zeliha Yetik: "Das war eine gemeinsame Kraftanstrengung aller Helfer sowie der Immobilienbesitzer und Wohnungsgesellschaften." FOTO: A. Blazy
Ratingen. Eine Folge: Die Unterkunft Mettmanner Straße wird geschlossen, sagt die städtische Integrationsbeauftragte.

Wie ist die Flüchtlingssituation derzeit in Ratingen?

Zeliha Yetik Die Stadt hat 2016 kaum neue Flüchtlinge aufgenommen, wodurch eine sehr deutliche Entspannung in der Unterbringungssituation eingetreten ist. Während in der zweiten Jahreshälfte 2015 rund 750 Flüchtlinge aufgenommen wurden, liegen die Zuweisungszahlen in diesem Jahr bisher bei knapp über 100 Personen. Wie diese Zahlen belegen, war die Herausforderung Ende vergangenen Jahres immens, die mit Unterstützung des Caritasverbandes, dem großen Engagement vieler Ehrenamtlichen und der großen Aufnahme- und Hilfsbereitschaft der Ratinger Stadtgesellschaft mit Bravour gemeistert wurde. Ratingen gilt als Ort der Offenheit, Hilfsbereitschaft und Entschlossenheit. Mittlerweile haben wir fast 500 Flüchtlinge in Wohnungen untergebracht, eine gemeinsame Kraftanstrengung aller ehren- und hauptamtlichen Helfer sowie der Immobilienbesitzer und Wohnungsgesellschaften. Über diese Entwicklung sind wir sehr stolz, weil Integration besonders erfolgreich da gelingt, wo Menschen in Wohnungen untergebracht sind.

Die Unterkunft am Krumbachskothen ist so gut wie fertig.

Yetik Nach aktueller Einschätzung können wir im November mit der Ausstattung der Räume und der Belegung beginnen. Die Fertigstellung der Außenanlagen erfolgt im Frühjahr 2017. Für die Spielgeräte steht eine großzügige Spende einer benachbarten Firma zur Verfügung. Wir haben mit dem Neubau am Krumbachskothen eine Kapazität für etwa 120 Personen geschaffen. Bei der Belegung nehmen wir selbstverständlich Rücksicht auf die Interessen und Bedarfe der Flüchtlinge und leisten mit dem Umzug zu diesem besonders integrativen Standort einen weiteren Beitrag zur gesellschaftlichen Eingliederung. Neben alleinstehenden Frauen werden hier Familien mit Kindern und auch Personen, die ein barrierefreies Wohnen benötigen, untergebracht. Im Zuge des Aufbaus dieses Standortes bereiten wir vor, einen Ratsbeschluss aufzugreifen und den Standort Mettmanner Straße als Flüchtlingsunterkunft sukzessive aufzulösen.

Im vergangenen Jahr hatte es immer wieder Beschwerden von Anwohnern der Unterkünfte gegeben. Wie ist die Situation zurzeit?

Yetik Wir nehmen jede Beschwerde ernst und nehmen diese zum Anlass, um aktiv auf die Flüchtlinge und die Anwohner zuzugehen. Bereits mit dem Start des Betriebs der Notunterkunft des Landes im Juli letzten Jahres haben wir damit begonnen, über Informationsversammlungen den Kontakt zur Nachbarschaft von Flüchtlingsunterkünften herzustellen. Wir haben die Anwohner nicht nur über die aktuellen Entwicklungen informiert, sondern uns ihren Fragen und Sorgen gestellt und diese in weitere Planungen in der Flüchtlingshilfe einbezogen. Das Thema des Zusammenlebens betrachten wir als eine Daueraufgabe, die wir nur im Dialog miteinander und mit allen Beteiligten gemeinsam meistern können. Die Erfahrung zeigt, dass an den Stellen, wo Menschen offen aufeinander zugehen, die Integration und die harmonische Nachbarschaft am erfolgreichsten funktioniert.

Der Rat hat beschlossen, abgelehnten Asylbewerbern einen finanziellen Zuschuss zu gewähren für die freiwillige Ausreise. Wurde davon schon Gebrauch gemacht?

Yetik Wir haben vor einer Woche begonnen, das Angebot bekannt zu machen und es liegen bereits einige Anträge vor. Es gilt der ausländerrechtliche Grundsatz, dass einer freiwilligen Ausreise der Vorrang vor Zwangsmaßnahmen zu geben ist. Mit der Förderung eröffnen wir all denjenigen Personen eine Rückkehroption, die sich in ihren Heimatländer eine neue Existenz aufbauen müssen. Das Angebot gilt für geflüchtete Menschen, die aus den sicheren Herkunftsländern kommen und ist auf freiwillige Ausreisen in diesem Jahr beschränkt. Von diesem Angebot profitieren beide Seiten: Die Flüchtlinge erhalten eine Starthilfe und die Stadt wird von weiteren finanziellen Aufwendungen für diese Flüchtlinge entlastet.

WOLFGANG SCHNEIDER FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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