| 19.14 Uhr

Heiligenhaus
"Es war wie ein mittleres Erdbeben"

Führerloser Kran walzt Autos und Laterne nieder
Führerloser Kran walzt Autos und Laterne nieder FOTO: Polizei
Heiligenhaus. Nach dem Schock der Schaden: Sandra Wortmann ist die Hauptbetroffene des Kranunfalls an der Kolpingstraße. Von Paul Köhnes

"Wir sind frühmorgens von einem Rumpeln geweckt worden - es klang irgendwie wie ein mittleres Erdbeben. Ich habe aus dem Schlafzimmerfenster geguckt und sah den Riesenkran in meinem Vorgarten stehen." So schildert Sandra Wortmann den Kranunfall an der Kolpingstraße vom Dienstag. Sie ist die Hauptbetroffene - und sieht sich nun vor der Aufgabe, die Folgen des denkwürdigen Unfalls zu regulieren.

Der Hergang, wie ihn die Polizei schilderte: Nachdem die beiden linken Stützen der schweren Arbeitsmaschine bereits ausgefahren waren, verließ der Kranführer das Führerhaus, um Stützplatten zu positionieren. In diesem Augenblick setzte sich das Großfahrzeug auf der abschüssigen Kolpingstraße führerlos in Bewegung. Der Kran überrollte mobiles Absperrgerät. Dann geriet er auf den Gehweg, walzte eine Straßenlaterne platt, schob Anke Wortmanns geparktes Auto vor sich her und warf es um. Erst ein weiterer geparkter Wagen, eine Hecke und Pflanzkübel brachten das Gefährt schließlich am Straßenrand zum Stillstand. Verletzt wurde niemand - 20.000 Euro Sachschaden.

Was Sandra Wortmann nun weniger interessiert, das sind die Folgen für die eigentlich geplanten Arbeiten an einem Trafohäuschen. "Ich stehe jetzt sozusagen ohne Vorgarten und ohne Auto da", kommentiert sie trocken. Versicherungstechnisch ist die Schadensregulierung zumindest angelaufen - über den Versicherer des Kranunternehmens Schares (Bocholt): "Ich habe mal für zehn Tage einen Mietwagen, aber ansonsten nichts mehr gehört." An der unmittelbaren Schadensbeseitigung hatte am Dienstag auch die Feuerwehr Heiligenhaus mitgearbeitet. "Auslaufender Kraftstoff" - so lautete der Alarm. Die Wehrleute staunten nach eigenen Angaben nicht schlecht, als sie das 60 Tonnen schwere Gefährt im Vorgarten an der Kolpingstraße zu Gesicht bekamen. Sprecher Nils Vollmar: "Die Feuerwehr baute vorsichtshalber Löschgerät auf, da die Gefahr bestand, dass sich auslaufender Kraftstoff entzündet. Anschließend wurden Öl und Betriebsmittel abgestreut, der beschädigte Pkw vorsorglich eingeschäumt. Zur Erleichterung der Bergungsarbeiten entfernten die Einsatzkräfte im Garten mehrere Äste mit der Motorkettensäge. Nach rund drei Stunden rückte die Feuerwehr wieder ein."

Für Christian Drewa, Regionalleiter der Kranfirma, gingen die Arbeiten gestern weiter. Nachdem er selbst die Bergung des Krans geleitet hatte. "Ein technischer Defekt an der Handbremse" sei wohl Unfallursache gewesen. Fehlverhalten des Fahrers schließt er aus. "Es war ein Routineeinsatz, der absolut nach den Vorgaben des Herstellers ablief." Wäre der Kran nicht gesichert gewesen, so sein Argument, dann hätte der Fahrer gar nicht aussteigen können - weil der Kran sofort ins Rollen geraten wäre. Das Arbeitsgerät steht jetzt zur Begutachtung beim Hersteller.

Und in Richtung der Heiligenhauser Geschädigten sagt Drewa klipp und klar: "Wenn bei der Schadensregulierung irgendetwas nicht nach Wunsch läuft, kann sie sich jederzeit mit uns in Verbindung setzen. Wir wollen ausdrücklich nicht, dass jemand auf dem Schaden sitzenbleibt." So habe man schon an der Unfallstelle "Druck auf den Versicherer" in dieser Richtung gemacht. Die Arbeiten gehen derweil mit einem anderen Kran weiter.

Quelle: RP
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