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Ratingen
Fest der Kulturen bringt alle unter einen Hut

Ratingen: Fest der Kulturen bringt alle unter einen Hut
Eine russische Kindertanzgruppe gab auf der Bühne einen Einblick in die Kultur ihres Landes. FOTO: Achim Blazy
Ratingen. Auf dem Marktplatz wurde am Sonntag gefeiert und vor allem gegessen. Von Gabriele Hannen

Zwischen dem Ende der Sommerferien und dem Beginn der Zeit, in der die Blätter fallen, gibt es ein kleines Zeitfenster, in dem auch die Ratinger noch einmal am liebsten in legerer Kleidung und mit Flipflops durchs Städtchen schlendern. Und dabei was Leckeres essen. Am Sonntag ging das noch einmal, und zwar beim "Fest der Kulturen der einen Welt", das seit einer gefühlten Ewigkeit im Zwei-Jahres-Rhythmus auf dem Marktplatz stattfindet.

Also - zwei Jahre waren vorbei, der Integrationsrat und entsprechende Stellen der Stadt machten sich wieder ans Planen und brachten neun so genannte Migranten-Vereine auf die Beine und unter die Marktzelte, auf dass vornehmlich südliche Köstlichkeiten an Mann, Frau und Kind gebracht werden konnten. Da verkauften Männer der türkischen Gemeinde unter anderem sehr gute Döner, während genau nebenan ausschließlich Frauen der alevitischen Gemeinde ihre Leckereien präsentierten. Das Fest brachte sie also unter einen Hut.

Der Markt war überwiegend von Ständen gesäumt, die Esswaren anboten. Doch an einer Seite steppte der Bär, wenn man mal von der Lautstärke ausging. Ob es nun philippinische Folklore war, afrikanischer Akrobatik, russischer Kindertanz oder türkisch-kurdische Hochzeitmusik: Man brauchte sich gar nicht von Mensch zu Mensch zu unterhalten, man konnte essen, zuhören und zusehen. Selbst der deutsche Chor, mit "griechischem Wein" gesanglich angetörnt, fügte sich lautstark ein.

Nun erklärt das Lexikon "Kultur" schlicht und einfach mit "im weitesten Sinne alles vom Menschen Geschaffenes und Gestaltetes" und unser deutscher Begriff "Kulturbeutel", der ein auswaschbares Behältnis für Haarbürste und Zahnpasta beschreibt, stellt auch keine wirklich großen Ansprüche an den Inhalt von Kultur.

Doch Musik und kulinarische Gerichte geben schon einen Einblick und umreißen trefflich die Unterschiede, die eine Ethnie von der anderen unterscheidet. Ethnische Gruppen, die hier zusammen kamen, gibt es in Ratingen nämlich so um die 30; sie stellen, wissenschaftlich betrachtet, "abgrenzbare Menschengruppen mit eigener Identität dar." Also wurden die Henna-Tattoos von einer Marokkanerin aufgemalt, die Paella von Spaniern zubereitet, die kleinen Zöpfchen von Afrikanern geflochten.

Samuel Awasum, der Vorsitzende des Integrationsrates, hatte das Bühnenprogramm angesagt, Bürgermeister Klaus Pesch sprach von offenherzig und meinte sicher die gastgebenden Gruppen mit herzlicher Attitude, Agenda21-Sprecher Jürgens Österreich sprach zu den Zuhörern. Seine Mitstreiter hatten eine große Weltkugel durch die Stadt gerollt - vieldeutiges Symbol für die eine Welt. Und Rolf Berg, bewährter Moderator, hielt das vielfältige Programm mit liebenswürdigen Worten zusammen.

Im Hintergrund hatten die Organisatoren Zeliha Yetik, Hartmut Meyer und Karlheinz Rösnik mal ein Auge aufs Wetter und dann auch auf viele andere organisatorische Dinge, die trotz aller südländischen Begeisterung nicht aus dem Ruder gelaufen waren. Die Zuhörer freute es. Sie wurden nach einem ermatteten Beginn zunehmend aktiver und sorgten mit Applaus und Begeisterung immerhin dafür, dass schon ab dem Auftritt von "Rumba Gitana" das Programm ins Schleudern kam.

Quelle: RP
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