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Heiligenhaus
Filigrane Kunst in Stein gemeißelt

Heiligenhaus: Filigrane Kunst in Stein gemeißelt
Steinmetzin Esther Klemmt bei der Arbeit. Sie bevorzugt dabei keine bestimmte Steinart: "Jeder Stein ist toll." FOTO: achim blazy
Heiligenhaus. Vom Kreuz bis zur Blüte - die Heiligenhauser Steinmetzmeisterin Esther Klemmt fertigt aus hartem Stein feine Kunstwerke an. Von Valeska von Dolega

Ob die Schutzbrille wohl Zauberfunktion hat? Für den Laien nämlich sieht das quadratische Stück Stein einfach wie ein quadratisches Stück Stein aus. Esther Klemmt dagegen, mit ebendieser Arbeitsbrille vor Splittern und Staub geschützt, sieht in dem römischen Travertin, so die korrekte Bezeichnung des Quaders, eine Blüte. Mit schwerem Gerät trägt sie Schicht für Schicht ab, was nach dem gezielten Einsatz des Drucklufthammers zum Vorschein kommt, sind filigrane Blätter. "Mit so einem großen Teil so richtig abzuräumen, macht Riesenspaß."

Nein, lacht die gelernte Steinmetz- und Steinbildhauermeisterin, übersinnliche Fähigkeiten verleiht die Brille nicht. "Mit einem roten Stift habe ich vorher eine Flächenaufteilung vorgenommen." Die dient als Orientierung, "extrem kreativ" sei ihre Arbeit, die ein "hohes Maß an Gespür für das Material" verlange. Bevorzugte Steinarten kennt sie nicht, "jeder Stein ist toll". Und jeder eine Herausforderung.

"Manchmal gebe ich Kurse für den Umgang mit Speckstein." Das ist dann sozusagen eine Einführung in ihren Job im XXS-Format. "Die Aufgabe für jeden einzelnen lautet dann: 'Was sehen Sie in diesem Stein?' Und das arbeitet man dann hervor." Wenn Esther Klemmt das sagt, klingt es sehr, sehr einfach. Beherrscht man das Handwerk und nutzt zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Werkzeuge, ist es noch einfacher, lacht sie. Begleitend zum Fachabitur hatte sie eine Ausbildung als Garten- und Landschaftsbauerin angefangen. Beim anschließenden Praktikum beim Steinmetz hat es "klick" gemacht. "Das ist es!", beschreibt sie die Initialzündung.

Seit 1999 haben sie und Ehemann Ralph den inzwischen nach ihnen benannten Betrieb übernommen. "Die Prozesshaftigkeit und Auseinandersetzung mit den Kunden ist interessant", beschreibt sie einen Aspekt, ehe es mit der gestalterischen Arbeit beginnt. Oft sind es Kreuze oder Bibeln, florale Elemente oder andere Grabmale, die klassischerweise Gräber schmücken. Diese Tradition hat bis heute überdauert. Auch wenn sich die Bestattungskultur inzwischen gravierend verändert hat. Oft haben die Kunden nur eine vage Idee davon, wie das Grabmal verziert werden soll. Manche bringen eine Zeichnung oder ein Foto mit. "Ich frage dann nach, was für ein Mensch der Verstorbene war und in welcher Beziehung der Hinterbliebene zu ihm stand." Neben allen fachlichen Können und ihrem gestalterischen Vermögen ist Esther Klemmt eine gute Zuhörerin, zugewandt und interessiert.

Bei dem körperlich nicht anspruchlosen Job braucht sie eigentlich keinen Sport mehr zu treiben. Vor allem, wenn es zum routinemäßigen Grabstein-Kippeln geht, bei dem ein Mal im Jahr die korrekte Verankerung des Grabsteins in der Erde auf den städtischen Friedhöfen gecheckt wird. Denkt man. "Völlig falsch. Einen Ausgleichsport braucht jeder." Bei ihr ist es Wassersport, Esther Klemmt ist passionierte Seglerin. Wasser, sagt sie, ist ähnlich wie Stein: "Ein Naturelement, auf das man sich einlassen muss." Da sei man dann nicht der Bestimmer, sondern man arbeite mit dem, was einem angeboten wird.

Nachts allein im Boot rings um die Kanarischen Inseln unterwegs zu sein, kein Licht zu sehen, außer vom Sternenhimmel, "das lohnt sich". Weil sie aber nicht immerzu auf dem Wasser ist, liebt sie es, mit Ehemann Ralph nach Feierabend Zeit zu verbringen. Oder sich mit gemeinsamen Freunden zu treffen. "Und dann kann man sich Gedanken machen, wie man so mit sich umgeht."

Quelle: RP
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