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Ratingen
Fleißige Bienen müssen ums Überleben kämpfen

Ratingen. Beim Tag der offenen Tür des Imkervereins in Ratingen Ost gab es viel Wissenswertes für die Besucher. Von Julia Hirt

Bunte Blumen, Raps, Obst und Gemüse, soweit das Auge reicht. "Seit 30 Millionen Jahren gibt es Bienen in Mitteleuropa, die wir dringend zur Bestäubung brauchen, doch ohne den Menschen haben sie heutzutage keine Chance mehr zu überleben", so Franz Naber, Vorsitzender des Bienenzuchtvereins, auf dem alljährlichen Imkerfest, "Pestizide und Milben rotten den Bienenbestand aus. In Südchina klettern schon jetzt Menschen auf Bäume, um künstlich die Blüten zu bestäuben. Wer mehr wissen will, dem empfehle ich den Dokumentarfilm ,more than honey'."

Bienenzucht ist einfach und kostet wenig. Volker von Schintling übernahm drei Bienenvölker von seinem 85-jährigen Freund. Er sagte: "Fünf Minuten pro Tag und 70 Cent für Zucker investiere ich gerne. Als Neuimker bekommt man zudem einen Paten, der einem die ersten zwei Jahre beratend zur Seite steht." Die Interessenkonflikte zwischen Politik, Wirtschaft und dem Wohlergehen der Bienen versteht er nur bedingt, "Die Pharmakonzerne wollen ihre Pestizide verkaufen, auch wenn sie Bienen töten. Dabei beträgt die Ernte 20 Prozent mehr, wenn es Bienen gibt. Einige Landwirte bezahlen schon Imker, damit sie ihre Bienen aufs Feld stellen."

Auch als Privatperson kann man aktiv zum Schutz der Bienen beitragen, so von Schintling "Eine Baumscheibe mit eingebohrten Löchern ist perfekt für Solitärbienen, und jeder bunt geblümte Garten ist ein Paradies für Bienen." Der Verein mit mehr als 50 Mitgliedern setzt sich für nachhaltige und artgerechte Bienenzucht ein. Auf dem jährlichen Imkerfest gibt es einen Bienenlehrpfad, Wachskerzen und Bienenhotels zum selber bauen, Bienenstöcke und Honigprodukte. Auch an Kinder ist gedacht. "Ich habe Blätter zum Ausmalen, die spielerisch die Arbeitsteilung der Bienen erklären" ,erzählt Biologin Vivian Dutkiewicz (26), "Mein Studium hat mein Interesse an Bienen geweckt, dann habe ich mich mit einer Freundin zusammengetan, und nun bin seit einem halben Jahr selbst Imkerin."

Die Geschwister Michael Tepper und Marion Grimm sind aus der Nachbarschaft vorbeigekommen, "Wir wollen uns in erster Linie informieren. Dass es ohne Bienen kein Obst gibt, stimmt uns nachdenklich." Bienen kommunizieren über Tanzen und nehmen Farbbereiche wahr, für die das menschliche Auge blind ist. Ihr Gift lindert Rheuma, und der Geschmack ihres Honigs unterscheidet sich je nach Jahreszeit und gesammelten Pollen.

Für Volker von Schintling sind seine Bienen nicht mehr wegzudenken. "Die Bienen sind für mich wie ein Haustier. Selbstständig wie eine Katze, die draußen unterwegs ist und sich ab und zu mal streicheln lässt."

Quelle: RP
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