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Ratingen/Essen
Mit Messer auf Raubzug in der S 6

Flüchtlinge aus Ratingen mit Messer auf Raubzug in der S6
Bundespolizisten nehmen einen der mutmaßlichen Täter fest. FOTO: polizei
Ratingen/Essen. Die Bundespolizei hat in zwei Flüchtlingsunterkünften in Ratingen drei aus Algerien stammende Männer festgenommen. Ihnen werden Taschendiebstähle in der S-Bahn vorgeworfen. Gegen weitere Personen wird ermittelt. Von Joachim Preuss

Die Ermittlungen der Bundespolizei in Sachen Taschendiebstähle in der S-Bahn 6 führten jetzt in zwei Asylbewerber-Unterkünfte in Ratingen: Wie bereits berichtet, nahmen die Beamten mehrere Nordafrikaner fest. Dabei stießen sie in einer Unterkunft auch auf weitere Personen, gegen die bereits wegen gleicher Delikte ermittelt wird. Die Festnahmen sind die Folge intensiver Ermittlungen, nachdem sich im vergangenen Jahr die Zahl der Delikte speziell auf der Strecke Essen-Köln gehäuft hatte. Die Ermittler konzentrierten sich dabei auf die nordafrikanische Taschendiebstahlszene.

Zusammen mit der Auswertung von Videoaufzeichnungen aus den Zügen, auf denen die Taten dokumentiert wurden, ermittelten Bundespolizisten insgesamt drei Haupttatverdächtige. Diese sollen vor allem in der S 6 gezielt schlafende Reisende bestohlen haben. Dabei gingen sie nach Angaben der Bundespolizei besonders dreist vor: Mit Cuttermessern (Teppichmesser) schlitzten sie die Hosen- und Jackentaschen ihrer schlafenden Opfer auf, um so an Smartphone und Geldbörsen zu kommen. So bestahlen sie in einer Nacht mindestens fünf Reisende, so die Polizei.

Zusammen mit der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft wurden für die zwei Haupttatverdächtigen Haftbefehle und Durchsuchungsbeschlüsse beantragt. In zwei Ratinger Asylunterkünften wurden ein 26-jähriger Algerier und sein 19-jähriger ebenfalls aus Algerien stammender Komplize festgenommen. Nach Angaben von Volker Stall von der Bundespolizeiinspektion Dortmund handelt es sich um die Unterkünfte an der Hubert-Wollenberg-Straße und an der Kaiserswerther Straße.

Die Männer gelten als Haupttatverdächtige von mindestens vier Taschendiebstählen die sich am 25. November in der S 6 ereignet hatten. Ob sie auch für zahlreiche weitere Diebstähle in der S 6 verantwortlich sind, sei Gegenstand der weiteren Ermittlungen, so Stall.

Im Rahmen der Überprüfung eines weiteren 34-jährigen Tatverdächtigen stellten die Bundespolizisten fest, dass das Düsseldorfer Amtsgericht bereits einen Untersuchungshaftbefehl wegen Diebstahls gegen ihn erlassen hatte. Er wurde ebenfalls festgenommen und dem Haftrichter vorgeführt.

Zudem konnte in den beiden Asylunterkünften drei weitere Nordafrikaner angetroffen werden, gegen die derzeit wegen "Diebstahls mit Waffen" ermittelt wird: Denn auch Cuttermesser gelten als Waffen, auch wenn mit ihnen nicht gedroht wird.

Rolf Steuwe, Erster Beigeordneter, zeigte sich gestern überrascht von der Meldung. Allerdings sei klar, dass Ratingen kein "weißer Fleck" auf der Landkarte sei. Die Stadt sei bei solchen Ermittlungen nicht eingebunden. Er warnte vor Verallgemeinerungen. Flüchtlinge aus den sogenannten Maghreb-Staaten (Marokko, Tunesien, Algerien) hätten kaum Chanchen auf Anerkennung. Wenn diese Staaten zu "sicheren Herkunftsländern" erklärt werden, sei auch ein beschleunigtes Asylverfahren möglich. Es gebe aber immer eine Einzelfallprüfung. Zuständig sei die Ausländerbehörde in Mettmann. Aber nicht alle beantragten Asyl, so Steuwe: "Wenn sie sich bei uns obdachlos melden, müssen wir uns auch kümmern."

Quelle: RP
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