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Kreis Mettmann
Flüchtlinge: Bücherei wird international

Kreis Mettmann: Flüchtlinge: Bücherei wird international
Die Bibliothekare des Kreises bereiten derzeit mehrsprachige Angebote vor. FOTO: RALPH MATZERATH
Kreis Mettmann. Die Bibliotheken im Kreis arbeiten zusammen, um Asylbewerber fit für ihr neues Leben in Deutschland zu machen. Von Dorian Audersch

Die Zahlen klingen in allen Städten des Kreises ähnlich. Laut Bürgermeister Frank Schneider nähert sich Langenfeld der Zahl von 1000 Flüchtlingen bis Weihnachten an, in Erkrath sind es bereits mehr als 600 und auch in Monheim, Hilden und Heiligenhaus sind jeweils hunderte Asylbewerber untergebracht. "Alles deutet darauf hin, dass es auch im kommenden Jahr so weiter geht", meint Schneider. Es sei daher wichtig, nun "einen Weg aus dem Krisen- in den Arbeitsmodus" zu finden. "Nachdem die Unterbringung weitgehend geregelt ist, geht es nun um Integration."

Das Erlernen der deutschen Sprache ist für jegliche Teilhabe unerlässlich. Das ist eine inzwischen fast schon abgegriffen klingende Erkenntnis, die allerdings nichts von ihrer Wahrheit verloren hat. Aus diesem Grund arbeiten die Bibliotheken im Kreis Mettmann zusammen, um neue Sprachförderangebote auf den Weg zu bringen.

"Wir wollen uns verstärkt auch für nicht deutschsprachige Kunden öffnen", sagt Martina Seuser, Leiterin der Langenfelder Stadtbibliothek. Sie und ihre Kollegen aus den anderen Kreisstädten stellten daher einen gemeinsamen Antrag, um ihre Angebote mit Augenmerk auf die neue Zielgruppe auszubauen. Das Land NRW fördert das zweijährige Projekt mit 13 400 Euro. Insgesamt kostet es 22 300 Euro. Dafür werden unter anderem fremdsprachige E-Books für die "Bibnet-Onleihe" angeschafft. Das Angebot ist über das Internet nutzbar.

"Außerdem haben wir Informationsmaterial in den Sprachen Albanisch, Arabisch, Englisch, Französisch, Spanisch und Persisch erstellt", betont Seuser. In einfacher Sprache werde in den Prospekten auf Möglichkeiten hingewiesen, die alle Bibliotheken im Kreis für ihre Besucher bieten - von kostenfreiem W-Lan bis hin zu den Medien, die vor Ort ausgeliehen werden können. Auch darüber hinaus gibt es in den Bibliotheken vielfältige Angebote für die neuen Mitbürger.

Eine ganze Reihe von Lern- und Sprachbüchern ist im Angebot. Insgesamt sind 45 Mitarbeiter der Bibliotheken im Kreis in Englisch nachgeschult worden. In Erkrath gibt es zum Beispiel ein Lernpatenprojekt, bei dem etwa 100 geschulte Personen Flüchtlingen erste Grundkenntnisse der deutschen Sprache zu vermitteln.

Michaele Gincel-Reinhardt, Leiterin der Bücherei in Erkrath, hat die Erfahrung gemacht, dass viele Flüchtlinge gerade auch aus Syrien und dem Irak eine akademische Vorbildung haben. "Viele können bereits Englisch und das erleichtert das Lernen der deutschen Sprache deutlich", sagt sie. Zudem gebe es inzwischen Lernmaterial, das einen niederschwelligen Einstieg in die Sprache biete.

Auch ihre Hildener Kollegin Karin Lachmann verspricht sich viel von der gemeinsamen Initiative der Bibliotheken. Unter dem Motto "speak easy" gibt es zudem ein Angebot in Kooperation mit der evangelischen Kirche, bei dem sich Helfer, Betreuer und Flüchtlinge einmal pro Woche in der Bücherei treffen, um sich spielerisch an die ungewohnte Sprache heranzutasten.

"Wir haben auch eine App, mit der man sich virtuell durch unsere Bibliothek führen lassen kann", sagt Lachmann. Überhaupt seien die Bibliotheken im gesamten Kreis auch wegen der Flüchtlinge gut gefüllt. Die Menschen kommen Tag für Tag, um Deutsch zu lernen. Die Büchereien sind irgendwie auch zu ihren neuen Wohnzimmern geworden."

Quelle: RP
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