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Ratingen
Flüchtlinge von einst und heute

Ratingen. Ratinger, die aus dem Osten vertrieben wurden, reden mit Leidensgenossen.

Um die Annäherung von Kulturen und Generationen ging es beim ersten Bürgergespräch in Ratingen zur "Heimatfindung nach der Flucht". Es war kein leichtes Thema, das in der Begegnungsstätte-Mitte ältere Bürger aus Ratingen mit neuen Nachbarn aus Nahost zusammenbrachte: Die Heimatfindung nach der Flucht.

Im ersten Bürgergespräch, das das Bildungswerk NRW der Deutschen Gesellschaft e.V. mit Mitteln des Bundesinnenministeriums durchführte, stand das Finden der Gemeinsamkeiten von aktuell aus Nahost und nach dem Zweiten Weltkrieg aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten Geflohenen im Vordergrund.

Was bei Kaffee, Waffeln und Datteln dann innerhalb von zwei Stunden zur Sprache kam, hätte einen ganzen Tag füllen können. Beide Seiten hatten positive und negative Erfahrungen bei der Heimatfindung gemacht. Die Ostflüchtlinge von damals waren im Westen, wo die pure Not herrschte, nicht gern gesehen - denn das bedeutete, was noch übrig geblieben war, teilen zu müssen. Die aus Nahost zu uns Geflohenen berichteten davon, zwar Anschluss bei anderen Ausländern in Deutschland gefunden zu haben und nur selten auf wirkliche Ablehnung zu stoßen. Der persönliche Kontakt zu Deutschen außerhalb der Behörden jedoch fehle überwiegend. "Eine deutsche Wohnung habe ich noch nie von innen gesehen", so Lina Alsayah, die vor eineinhalb Jahren aus dem umkämpften syrischen Aleppo ins Rheinland kam. Letztlich überwog bei beiden Flüchtlingsgruppen die Haben-Seite: Schutz gefunden zu haben vor Gewalt und Krieg nach einer alternativlosen Flucht, das war unumstößlicher Konsens und Grundvoraussetzung dafür, in der Fremde eine neue Heimat auszumachen. "Letzten Endes geht das Leben weiter und ist immer noch schön", so Alsayah. Wie oft bei solchen Veranstaltungen sind es dann die persönlichen Gespräche, die nach der offiziellen Moderation stattfinden und eine wirkliche Annäherung eröffnen. Nachdem klar war, mit welcher Wertschätzung man älteren Menschen in Nahost begegnet, ging die ältere Generation offen und herzlich auf die jungen Syrer zu. So konnte nicht nur das individuelle Schicksal einander näher gebracht werden. Vielmehr plante man auch für die nahe Zukunft: Ob eine Einladung zum Plätzchenbacken oder zum Kartenspielen in der Begegnungsstätte - man darf davon ausgehen, dass die Neu-Rheinländer bald auch eine deutsche Wohnung besuchen werden.

Nächste Termine für die Bürgergesprächsreihe: Begegnungsstätte-Süd, Donnerstag, 1. Dezember, 14 bis 16 Uhr; Begegnungsstätte-Tiefenbroich, Dienstag, 13. Dezember, 14 bis 16 Uhr. Weitere Informationen zu dem Thema gibt es im Internet unter www.deutsche-gesellschaft-ev.de/veranstaltungen/bildungsangebote.html.

Quelle: RP
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