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Ratingen
Flüchtlingsklasse bringt Gymnasium an Grenzen

Ratingen. "Es hilft nicht, etwas zu beschönigen", sagte Angelika Melzer, Chefin der Friedrich-Ebert-Schule (FES). "Wir sind am Ende. So funktioniert Integrationsarbeit nicht mehr."

Gemeint sind die sogenannten Seiteneinstiegsklassen, also Unterrichtsgruppen für Flüchtlinge. Nicht nur, dass es an der FES Jugendliche im Alter von zehn bis 16 Jahren sind, die dort zusammengefasst werden. Viele von ihnen sind durch Kriegserlebnisse oder Flucht traumatisiert, das Niveau reiche von Analphabeten bis zu fleißigen Schülern. "Und ganz nebenbei müssen die anderen Kinder ja auch noch beschult werden", fasste Melzer ihren Praxisbericht zusammen.

Anlass für ihre klare Aussage im Schulausschuss, der jetzt tagte, war der Hilferuf ihres Kollegen Uwe Florins. Wie die RP berichtete, hatte der Leiter des Bonhoeffer-Gymnasiums betont: "Eine weitere Seiteneinsteigerklasse für Flüchtlinge lässt sich kurzfristig kaum einrichten." Grund dafür sei "nicht Unwille. Wir lassen hier niemandem im Regen stehen". Aber quasi auf Zuruf innerhalb eines minimalistischen Zeitfensters eine weitere Schulklasse im laufenden Schuljahr einzurichten, sei nicht nur wegen der räumlichen Kapazitäten nahezu unmöglich. "Dafür brauchen wir Lehrkräfte, die die DaF-Ausbildung haben." Das Kürzel steht für "Deutsch als Fremdsprache".

Rund um Karneval hatte Uwe Florin eine Mail der Schulaufsicht bekommen, er solle eine weitere Seiteneinsteigerklasse einrichten. Nicht nur den patzige Ton fand der Schulleiter unpassend, "ich hätte da bessere Absprachen im Vorfeld und ein konzentriertes Vorgehen erwartet". Schließlich erfüllt das Gymnasium einen Bildungsauftrag, entsprechend würden Stundenpläne erstellt und das Kollegium eingesetzt. Nun wird das Kollegium für die neue Klasse im Mai um eine weitere Kraft erweitert. Ob sie besagte DaF-Qualifikation mitbringt, ist ungewiss. Im Zweifelsfall muss sie zunächst die entsprechende Fortbildung absolvieren. Denn der Markt für die begehrten DaFler ist leer gefegt. Als "irrsinnige Herausforderung" bezeichnet Rolf Steuwe die Situation. Dem Schuldezernenten sind die Hände gebunden. "Die Stadt hat nur die Aufgabe, Räume, Lern- und Lehrmaterialien zur Verfügung zu stellen." Das Miteinander von Schulaufsicht, Schule und der Stadt als Träger nennt er Dreiecksverhältnis. "Wir haben ein vitales Interesse, dass die Zusammenarbeit gut funktioniert."

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