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Ratingen
Franz-Rath-Kolleg schließt für immer

Ratingen: Franz-Rath-Kolleg schließt für immer
Schulleiter Georg Bernendt ( l. ) traf sich noch einmal mit aktuellen und ehemaligen Schülern, Fördervereinsmitgliedern und Werner Both ( r.), Ausbildungspate / Freiwilligenbörse Ratingen ) vor der Schule. FOTO: Achim Blazy
Ratingen. Am kommenden Freitag endet nach 61 Jahren der Schulbetrieb, zum Bedauern von Schülern und Lehrern. Von Monika von Kürten

Eyad al Jazzar ist vor vier Jahren aus Syrien geflohen. Seit eineinhalb Jahren besucht er das Weiterbildungskolleg an der Schützenstraße. "Endlich habe ich das Schulsystem verstanden. Hier bin ich viel besser geworden und konnte sogar einem Praktikumsplatz bekommen. Vielleicht klappt es in dieser Firma auch mit einer Ausbildung", sagte der ehrgeizige Schüler. Das Schuljahr wird er mit dem Hauptschulabschluss beenden. Er wäre gerne länger geblieben, um auch noch die Mittlere Reife zu erlangen, doch er ist einer der rund 80 jungen Menschen, für die die Beschulung am Franz-Rath-Weiterbildungskolleg (FRW) leider nicht mehr weiter gehen kann.

Schulleiter Georg Berendt hat über 20 Jahre die Schule geleitet. "Der Alltag mit Schülern, die es im ersten Anlauf auf den staatlichen Schulen nicht geschafft haben, war für mich eine spannende Herausforderung. Es gefiel mir, ihnen zu helfen, auf eigenen Füßen zu stehen und zu sehen, wie sie schlussendlich selbstständig ihren Weg gemacht haben. Unsere Stärke dabei war es, dass wir nur eine kleine Bildungseinrichtung waren. Hier lief alles familiärer ab. Jeder kannte jeden. Aber ein kleines System ist leider auch ein fragiles System", sagte er. 61 Jahre lang hatten Schüler, die auf den staatlichen Schulen aus den unterschiedlichsten Gründen keinen Erfolg hatten oder jetzt mehr möchten, aber auch Aussiedler und Asylanten die Chance am FRW genutzt. 61 Jahre hat die Schule den Gedanken ihres Gründers Franz Rath weitergeführt, jungen Menschen durch einen zweiten Bildungsweg die Chance zu einem beruflichen und somit sozialen Aufstieg zu vermitteln. Wie zum Beispiel Melanie Ruwwe, die einen mittleren Schulabschluss erlangt hatte und nun bei einem Ratinger Sportverein arbeitet, oder Björn Nowark der jetzt erfolgreich Informatik studiert. Doch mit weiteren dieser Chancen ist in wenigen Tagen Schluss.

"Nie haben wir uns träumen lassen, dass die Schule eines Tages schließen muss. Aber leider sind aufgrund der Veränderung der Aufnahmebedingungen für die Abendrealschulen in NRW die Anmeldezahlen zurückgegangen, so dass es leider nicht mehr möglich ist, den Schulbetrieb langfristig und wirtschaftlich aufrecht zu erhalten", bedauerte Heinz Poerschke. Er selber hat in den sechziger Jahren die Heimschule, wie das FRW damals hieß, besucht. "Im Rahmen der Abendschule habe ich die mir gebotene Bildungschance genutzt, konnte dann studieren und schließlich in meinem Wunschberuf als Lehrer an einer Hauptschule arbeiten. Dafür bin ich der Schule sehr dankbar", so Poerschke.

Er ist daher seit vielen Jahren nicht nur Mitglied des Trägervereins, sondern auch sein erster Vorsitzender. Jetzt muss er die Auflösung "seiner" Schule abwickeln.

Quelle: RP
 
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