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Ratingen
Franz-Rath-Kolleg steht vor dem Aus

Ratingen: Franz-Rath-Kolleg steht vor dem Aus
Heinz Poerschke, Vorsitzender des Trägervereins Heimschule Ratingen, bei der Feier zum 60-jährigen Bestehen des Kollegs im April 2016. FOTO: A. Blazy
Ratingen. Der Trägerverein Heimschule Ratingen will das 60 Jahre alte Kolleg 2018 schließen. Auf Sicht hat man zu wenige Schüler. Von Paul Köhnes

Vor wenigen Monaten gab es während der Feierstunde nur eine Meinung: "Wenn es die Schule so nicht gäbe, müsste sie erfunden werden", sagte Bürgermeister Klaus Pesch im April. Man feierte das 60-jährige Bestehen einer weithin einzigartigen Weiterbildungseinrichtung. Das Franz-Rath-Kolleg ermöglicht seit 60 Jahren jungen Menschen, ihren Schulabschluss oder Qualifikationen abseits des gegliederten Schulsystems nachzuholen. Jetzt droht dem Erfolgsmodell das Aus im Jahr 2018.

Der Träger des Hauses, der Verein Heimschule Ratingen, beschreibt in einem Brief an Politik und Verwaltung eine Reihe von Zwickmühlen. Die erzwangen offenbar vor wenigen Tagen eine Entscheidung. Die Frage bleibt aber vorläufig, ob es die Schule weiter geben könnte, wenn sie denn auf geeignete Art neuzuerfinden wäre. Genau hier wird der Schulausschuss in der kommenden Woche in seiner Diskussion ansetzen. Denn unmittelbar nach Bekanntwerden des Schreibens meldeten sich FDP und Bündnisgrüne besorgt zu Wort. Man möchte die Schulschließung unbedingt abwenden.

Allerdings sind die Argumente des Trägervereins nicht leicht von der Hand zu weisen. Der Brief liegt unserer Redaktion vor - und klingt nicht danach, als gebe es Verhandlungsspielräume. "Der Trägerverein Heimschule Ratingen hat auf seiner außerordentlichen Mitgliederversammlung am 1. September beschlossen, die Schule zum Ende des Schuljahrs 2017/1018 zu schließen", heißt es. Heinz Poerschke und Heinrich König, die Vorsitzenden des Trägervereins, führen eine Reihe von Gründen für diesen Schlussstrich an. Zu verzeichnen sei "ein dramatischer Einbruch der Anmeldungen". Das Kolleg hat aktuell 110 Studierende, so die offizielle Bezeichnung, außerdem besuchen 50 Flüchtlinge das Kolleg für die befristete Dauer von einem Jahr. "Mindestzahl wären etwa 180 Schüler auf Dauer", heißt es weiter in dem Brief. Weitere Kurse seien wegen zu geringer Anmeldezahlen nicht zustandegekommen. Vier widrige Umstände nennt der Schulträger für die "bedrohliche Abwärtsspirale" am Kolleg. So sieht die geänderte Ausbildungs- und Prüfungsordnung (APO/WBK) die Anhebung des Mindestalters der Schüler für Kollegs von 16 auf 17 Jahre vor (außerdem den Nachweis von sechs Monaten Berufserfahrung). Bafög gibt es erst vom dritten Semester am Kolleg an. Außerdem gebe es "konkurrierende Angebote" in Ratingen. Und schließlich sei für Ratingen zwischen 1980 und 2013 ein Rückgang der Geburten um ein Viertel zu verzeichnen. Erste Reaktionen auf den Brandbrief liegen vor. Barbara Esser fordert für die Bündnisgrünen den Erhalt der Schule. "Gerade diese im Kreis Mettmann einmalige Schule bietet Menschen eine gute zweite Chance auf einen Bildungsabschluss oder eine höhere Qualifizierung." Für die FDP bringt Hannelore Hanning mehrere denkbare Modelle ins Spiel. Darunter: Kooperation mit dem Bistum Köln oder dem Stadt oder Landesmittel aus dem Programm "Kein Anschluss ohne Abschluss". Schulleiter Georg Berendt wollte sich auf Anfrage nicht zu denkbaren Spielräumen für den Erhalt der Schule äußern. Man wolle die Diskussion im Schulausschuss abwarten.

Das Franz-Rath-Kolleg an der Schützenstraße in Süd ist eine Weiterbildungseinrichtung. Sie hilft seit 60 Jahren Schülern und jungen Erwachsenen auf dem zweiten Bildungsweg. FOTO: Achim Blazy
Quelle: RP
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